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DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD

DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD

Regie Andrew Dominik
Kinostart 25.10.2007

Kritiken • DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD

26. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • critic.de

Für Marcus Wessel betätigt sich der Regisseur als Pathologe. "Dominik nimmt bewusst in Kauf, dass seine Adaption mit modernen Sehgewohnheiten nur schwer kompatibel ist und viele Zuschauer, die einen traditionellen Western sehen wollen, vor den Kopf stößt. Soviel Mut nötigt Respekt ab. Und tatsächlich entlässt einen der Film mit einer schweren Melancholie – nicht zuletzt dank der Kameraarbeit eines Roger Deakins, bei dem das verschneite Missouri zuweilen vor karger Schönheit zu bersten scheint –, aber auch mit dem Gefühl, insbesondere der Person Robert Ford erstaunlich nahe gekommen zu sein."

26. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Der Spiegel

Ein herrlich melancholisches Moralstück über die Risiken und Nebenwirkungen der Celebrity-Kultur sah Andreas Borcholte. "Als medienkritisches Moralstück funktioniert der knapp dreistündige Western mit seinen blassen, spröden Farben und den langsam schweifenden Blicken über Landschaften vielleicht noch am besten. Die Geschichte der Legende Jesse James wird erzählt und gleichzeitig demontiert. ... Die eigentliche Entdeckung des Films ist jedoch Casey Affleck, der als verschwiemelter Feigling eine beeindruckende Leistung vollbringt. Eine unsympathischere Hauptperson hat das Kino seit dem Mädchenmörder Grenouille in Tom Tykwers PARFÜM nicht gesehen."

26. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Der Freitag

Georg Seeßlen sieht in dem Film ein radikales Bild von Amerika, in dem es nichts zu glauben, nichts zu sehen, nichts zu handeln gibt. "Dieser Film befragt den Western nicht auf seine historischen und mythischen Wurzeln hin, nicht auf seine sozialen und psychologischen Konstruktionen von Raum, Zeit und Subjekt, sondern er fragt nach etwas Radikalerem: nach dem Bild. Jesse James sieht die Welt von Anbeginn des Films an durch gerötete, entzündete Augen, sein Bewunderer und Mörder hat, wenn er denn einen anderen anzusehen wagt, den tückisch-durchlässigen Blick aus unterwürfigem Hass: Feuer und Wasser."

25. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Die Tageszeitung

Andreas Busche ist enttäuscht: Den Western wird Andrew Dominiks Film "nicht neu erfinden, auch wenn sich der Film allen Anschein gibt, nicht weniger als das zu wollen. Bemerkenswert ist allenfalls, mit welchem Nachdruck Dominik eines der klassischen Western-Motive in das Oeuvre des Spätwestern zu überführen versucht. DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD ist möglicherweise der beste Siebzigerjahre-Western, der nicht in den Siebzigerjahren gedreht wurde. Mehr als ein paar atmosphärische Einsprengsel kann er dem Thema dennoch nicht abgewinnen."

25. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Der Tagesspiegel

Einen mächtigen, großen und sehr widersprüchlichen Film sah Kai Müller. Er "blickt fasziniert auf eine rohe Welt, die er wie einen zersprungenen Spiegel zusammensetzt. Auf elliptischen Bahnen steuert die Handlung durch das psychologisch verminte Gelände. Immer wieder greift der Film andere Erzählstränge auf, fängt die Fäden eines Komplotts ein, dessen lose Enden überall herumliegen. Dominik inszeniert ein grimmiges Intrigenspiel, ein Kammerdrama, das in den weiten Ebenen des Mittleren Westens nichts von seiner bedrückenden Enge verliert. Obwohl es für den Fortgang der Handlung unnötig wäre, blendet Dominik immer wieder die Stimme eines Erzählers ein. Ein Kunstgriff, der die Geschichte im Wortstrom der Legendenbildung einbettet."

25. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte stellt fest: Es ist ein Film, wie sie nur selten so kompromisslos in Hollywood entstehen. Aber "formal werden zu viele Einflüsse zusammengetragen. Es ist, als hätten sich Wim Wenders, Jim Jarmusch und Terence Malick an einem schlechten Tag zu einem gemeinsamen Film verbündet und sich dann gegenseitig die Suppe versalzen. Aber wie es wohl auch in diesem Fall gewesen wäre, möchte man sich das Ergebnis nicht entgehen lassen. Etwa um Nick Cave als bitterbösen Moritatensänger zu bewundern. Oder um zu sehen, wie ein Star wie Brad Pitt als Jesse James einen unmöglichen Film ermöglicht - und dafür natürlich nicht mehr zurückgepfiffen wird, wenn er seine Performance maßlos überzieht."

25. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Neues Deutschland

Ungewöhnlich für Hollywood ist allein schon der barocke Titel, meint Gunnar Decker. "Andrew Dominik verfilmt das Leben von Jesse James in aller epischen Breite. Landschaften dunkeln auf suggestive Weise depressiv ein. Das ist ansehenswert, aber hat auch ermüdende Längen. Da wird dem mitteleuropäischen Zuschauer plötzlich sehr deutlich, dass ihn dieser Jesse James nichts angeht. Er gehört einfach nicht zum eigenen Geschichtenbestand, er ist kein verruchter Vorfahre, der die Fantasie beschäftigt. Jede ironische Brechung fehlt hier."

25. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Junge Welt

In Dominiks Film geht es vorrangig um den Mythos Jesse James – um die Pathologie der Berühmtheit, schreibt Peer Schmitt. "Irgendwann schlägt der Manierismus dann in reine Albernheit um. Albern wie das Leben der großen Stars. Ein Star ist immer potentielles Opfer irgendeiner Gewalttat. Besonders wenn dieser Star ein manisch-depressiver, soziopathischer Killer ist, wie Brad Pitt ihn porträtiert. Im schwarzen Anzug ausdruckslos in die Weite des Landes starren. Die Ermordung des Jesse James, so die Pointe des Films, ist die durch einen Fan im Zustand der Extremidentifikation. Die Sucht nach Heldentum unter denkbar kranken Umständen. Ein Selbstmord auf Raten."

25. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Das Wesentliche wird bereits mit dem Titel verraten, meint Michel Bodmer. "Der Wert des Werks ist in der Inszenierung und den Details zu suchen, und wer sich darauf einlässt, wird fündig; wer Action und Spannung sucht, wird sich schwertun. Wie der Romancier Hansen bemüht sich Regisseur Dominik um historische Genauigkeit und Originalschauplätze und lässt Kameramann Roger Deakins in prachtvollen Stimmungsbildern bisweilen Licht und Korn damaliger Fotografien nachahmen."

25. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • epd-film 11/2007

Einen gewaltigen, oft großartigen Kunstwestern, ambitioniert bis an die Grenzen zum Prätentiösen, sah Hans Schifferle. "Dominiks Film ist voller Panoramen, voll von kalten, morbiden Landschaftsbeschreibungen, wobei die Kamera von Roger Deakins mit lyrischen Schleiern und Unschärfen auch manchmal prätentiös wirkt – als wolle man den ultimativen Spätwestern machen. Im Grunde aber geht es Dominik um Gesichter und Innenleben – mit der Landschaft als Ausdruck dieses Inneren. Der Film ist gewissermaßen ein Mosaik aus innigen und gefährlichen Zwiegesprächen – Dialoge werden zu Duellen, jedes Wort und jedes Räuspern kann tödliche Konsequenzen haben."

24. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal fragt, was das Neue an dem Western ist. Es "ist eine zweieinhalbstündige Meditation über das Licht, mit dem die Kamera ihre Geschichten erzählt. Das ist Dominiks Neuinterpretation des Western. Es sieht sehr schön und tiefsinnig aus, wie hier Gräser, Wälder, Fensterglas, das Dampfsignal eines Zugs, aus Wunden sickerndes Blut oder zutiefst still gewordene Gesichter vom Licht liebkost, verzerrt oder zergliedert werden, aber dieses Pochen auf Transzendenz wirkt auch leicht prätentiös. Inzwischen ist vergessen, was Brad Pitt einst berühmt machte. War es der Thriller SE7EN? Es spielt auch keine Rolle mehr, denn dies hier ist die Sternstunde eines anderen Schauspielers: Casey Affleck. Seinetwegen muss dieser Film so lang sein. Unbedingt."

20. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • kino-zeit.de

Der Film ist mehr ein Psychodrama statt Western, schreibt Peter Gutting. Der Regisseur inszeniert "in getragenen Rhythmen, mit verklärten Bildern von verschneiten Landschaften unter grauem Himmel, untermalt von klagenden Streicherklängen. Er nimmt sich alle Zeit der Welt, um der Heldendämmerung von Jesse auf die Spur zu kommen. Er klopft auch noch die letzten Zuckungen der wunden Seele auf Hinweise ab, wie es dazu kam, was im Titel als Fakt gesetzt ist. Nur: Der Film hat für seine Fragen keine endgültige Antwort."

18. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Die Zeit

Im Gespräch mit Katja Nicodemus offenbart Brad Pitt seine Schwäche für Outlaws, die Fallen der Berühmtheit und seinen Ruf als Karl Marx von Hollywood.

09. Oktober 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • programmkino.de

David Siems sah keinen konventioneller Westernfilm. "In über zweieinhalb Stunden erzählt Andrew Dominik in ungemein atmosphärischer Dichte von den psychologischen Konflikten seiner beiden Figuren. Das Unvermögen von Robert Ford so zu sein wie sein charismatisches Idol, spielt Casey Affleck mit solcher Zurückhaltung, dass man den inneren Zorn und das Verbergen von Gefühlen nur erahnen kann. Doch gerade darin liegt die Stärke dieses Dramas, denn auch Brad Pitt (bei den Filmfestspielen von Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet) vermittelt die Coolness und die starke Aura seiner Figur mit angenehmer Unaufgeregtheit, die aber ebenso nicht das Brodeln und die gefährliche Lebensmüdigkeit in seinem Inneren verbirgt."

06. September 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Die Zeit

Für Katja Nicodemus geht es in dem Film um eine Beziehung zwischen Star und Fan. "Es hat eine schöne Ironie, dass gerade Brad Pitt, meistfotografierter Star der Welt, Hollywoods lebendes Taj Mahal, den Mann spielt, der auf der Leinwand von seinem Ruhm erdrückt wird. Wer bei Pitts abendlichem Auftritt auf dem roten Teppich das Gekreische der Schaulustigen erlebte, das noch bis zur kroatischen Küste zu hören gewesen sein muss, konnte ahnen, was ihn an der Rolle interessiert haben mag."

04. September 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Der Spiegel

Laut Wolfgang Höbel feiert der Film in elegisch schönen Bildern die bekannt weiten Landschaften im amerikanischen Mittelwesten. "Das Bürschchen Robert wird James nach zweieinhalb Filmstunden hinterrücks erschießen, aber in all der langen Zeit gelingt dem Regisseur Dominik ein packendes psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, das gespickt ist mit historischen Fakten: DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD legt nahe, dass James selber schlussmachen wollte und deshalb seinem Mörder die Tatwaffe schenkte, im Wissen, was der mit ihr anstellen würde."

04. September 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte hat sich gelangweilt. "Der Großteil der 155 Minuten besteht aus schlechtem Dialog, aufgesetztem homosexuellem Subtext und stimmungslosen Landschaftsbildern. Man muss sich das so vorstellen, als hätten sich Wim Wenders, Jim Jarmusch und Terence Malick an einem schlechten Tag zu einen gemeinsamen Film verbündet, sich dann aber gegenseitig nur noch die Suppe versalzen. Aber wie es wohl auch in diesem hypothetischen Fall gewesen wäre, möchte man sich das Ergebnis natürlich trotzdem nicht entgehen lassen. Schon um einen Eindruck davon zu bekommen, was geschieht, wenn ein Star wie Brad Pitt durch seine Verpflichtung als Jesse James einen unmöglichen Film ermöglicht - und natürlich nicht mehr zurückgepfiffen wird, wenn er seine Performance maßlos überzieht."

03. September 2007 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal sah einen Versuch über den Western und mehr als das: eine Meditation über das Licht, mit dem die Kamera ihre Geschichten erzählt. "Das Festival von Venedig bleibt seinem großen Thema, der Nation im Krieg und dem Verrat an den nationalen Symbolen, noch in dem treu, was es im Wettbewerb an Genrekino bietet. Auch THE ASSASSINATION OF JESSE JAMES BY THE COWARD ROBERT FORD ist ein Film über nationale Symbole - und darüber, dass der Held mitunter nicht die Lösung ist, sondern das Problem und dass generell etwas nicht stimmt mit dem Heldenbegriff."

04. September 0207 | DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD • Kritik • Die Tageszeitung

Für Cristina Nord ist der Western überall: "Der Film gibt sich elegisch und weidet sich an ausgedörrten Getreidefeldern und müden Gesichtern. Es ist ein Western, der dort anfängt, wo andere aufhören, dort, wo der Tod unvermeidlich ist. Ein Abgesang also und darin so schwelgerisch, dass man den Eindruck gewinnt, Andrew Dominik halte sich für den ersten Filmemacher, der die Reize entschleunigten Erzählens in einem actionreichen Genre entdeckt."

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