| Regie | Marco Kreuzpaintner |
| Kinostart | 18.10.2007 |
Welf Lindner ist enttäuscht: "Jene Szenen, die die kleine Adriana in der Gewalt ihrer Peiniger zeigen, sind zwar emotional aufwühlend, doch zuweilen am Rande des Sensationalistischen zu verorten. Betroffenheit wird nicht selten durch Musikuntermalung und große Kinderaugen bewirkt. Dem Ganzen die Krone setzt aber das aufgepfropfte Happy-End auf, das uns versöhnlich aus dem Kino entlässt, um den Fall "Menschenhandel" emotional erst einmal wieder ad acta legen und gut verdauen zu können. Soziale oder politische Aspekte, die das Thema der Menschensklaverei näher hätten beleuchten können, werden zugunsten eines vereinfachenden und emotionalisierenden Genremixes aus Thriller- und Melodramelementen weitgehend aufgegeben."
Die ehrenvolle Absicht hätte laut Michael Ranze einen besseren Film verdient. "Kreuzpaintner ist sichtlich bemüht, vielschichtige Charaktere zu zeichnen. Und doch verfällt er, den Genre-Konventionen Hollywoods gehorchend, einer simplen Schwarzweiß-Zeichnung: Es gibt die Opfer, die Schurken und die Helden - Stereotype, denen der Regisseur und sein Drehbuchautor Jose Rivera eng umrissene Funktionen zuweisen. Das ist besonders im Fall der jungen Frauen bedauerlich. Sie müssen lediglich das Leid und die Gewalt, die ihnen angetan wird, widerspiegeln. Ihr Schicksal soll berühren, sogar erschüttern. Wirklich kennen lernen darf der Zuschauer sie nicht."
Für Sebastian Handke wählt der Regisseur ein gutes Thema, scheitert aber an seinen eigenen Ambitionen. "Kreuzpaintner kann der Versuchung nicht widerstehen, allseits bewährte Mittel der Manipulation einzusetzen. Das bringt seinen Film gefährlich nahe ans Exploitation-Kino: TRADE - WILLKOMMEN IN AMERIKA hat streckenweise ein fast voyeuristisches Verhältnis zu seinem Thema. Der Film ist schmierig, theatralisch, voller Klischees und dann auch noch ohne handwerkliche Sorgfalt."
Kreuzpaintners Einstand in Hollywood ist für Michel Bodmer nicht rundum gelungen. "Das Engagement der Filmemacher ist spürbar, und manche ihrer beklemmenden Enthüllungen sind durchaus plausibel: wie junge Frauen aus armen Ländern auf falsche Versprechungen von einem glücklichen Leben in den USA hereinfallen; die Korruption vieler Beamter, derentwegen sich die Opfer des Menschenhandels nicht an die Behörden zu wenden wagen; Frauen, die von jugendlichen Sexsklavinnen zu erwachsenen Mittäterinnen mutieren. Die Handlung des Films jedoch wirkt konstruiert, mit allzu vielen Zufällen und einigen pathetisch überzeichneten Szenen."
Birgit Walter sah mit TRADE - WILLKOMMEN IN AMERIKA einen packenden Thriller, anrührend wie eine Tragödie und erschütternd wie diese fremde Wirklichkeit. "Egal wie unwahrscheinlich diese Konstellation sein mag - Kreuzpaintner schildert sie glaubhaft, weil er die Typen glaubhaft zeichnet, die Situationen detailgenau ausbalanciert und ausnahmslos hochklassige Darsteller einsetzt. ... Es gehört zu den großen Stärken des Films, dass er immer wieder überraschende Wendungen schafft, seine verstörende Spannung hält bis zum letzten Bild."
Birgit Walter unterhält sich mit Regisseur Marco Kreuzpaintner über seinen ersten Hollywoodfilm, Sexsklaven und sterbende Katzen.
Leider kann sich der Film nicht entscheiden, ob er ein ernstzunehmendes Drama oder doch ein Thriller mit Anleihen beim Buddy-Movie sein will, kritisiert Alexandra Wach. "Gefühle wie Hilflosigkeit und Scham macht der Film erfahrbar, doch bevor er in die Tiefe gehen kann, rast er bereits zur nächsten schrecklichen Wendung oder enttäuscht durch unplausible Auflösungen. Mehr Zeit für die Figuren hätte der Glaubwürdigkeit des Plots gut getan. Bis auf Kevin Kline, der mit seiner desillusionierten Art sofort für sich einnimmt, sind die anderen Hauptfiguren zu sehr auf ihre Leidensrolle reduziert."
Für Julian Hanisch schlägt der Film "gefährliche Volten zwischen Exploitation und Aufklärung. Es geht um die dreckigste Seite der Globalisierung: den weltweiten Handel mit minderjährigen Sexsklavinnen. Ähnlich wie man Werner Herzog die patriotischen Aufwallungen am Ende seines Filmes verzeiht, sieht man Kreuzpaintner seinen Balanceakt zwischen Kolportage und Reportage nach, weil TRADE letztlich doch funktioniert. Das liegt auch an Hauptdarsteller Kevin Kline, dessen Gravität den fiebrig-flirrenden Stil von Kameramann Daniel Gottschalk und Cutter Hansjörg Weißbrich austariert."
Regisseur und Hollywoood-Neuling Marco Kreuzpaintner mag zwar in Ansätzen Gefühle wie Isolation und Hilflosigkeit für den Zuschauer erfahrbar machen, doch in die Tiefe geht sein Film nur selten, kritisiert Marcus Wessel. "Die stillen Momente des Leidens unterbricht er immer wieder für einen mitunter reichlich lächerlichen Thriller-Plot. ... TRADE will gleichsam Drama und Milieu-Thriller sein. Schlussendlich findet er sich damit zwischen allen Stühlen wieder."