| Regie | Julien Temple |
| Kinostart | 24.05.2007 |
Der Regisseur kehrt die charakterlichen Defizite Strummers nicht unter den Teppich, meint Andreas Busche. "Es gibt Punkte in der Biografie des widersprüchlichen Joe Strummer, die sich nicht ziemen für einen echten Punk (schlechte Filme wie STRAIGHT TO HELL zum Beispiel oder ausverkaufte Stadien): das hat oft zu Verwirrungen geführt. Was aber nie in Zweifel stand, waren seine musikalische Integrität und seine personal politics. Sie dienen als Ausgangspunkt für Julien Temples emphatische Hommage."
Eine Nachhilfestunde in Popgeschichte sah Kai Müller. "Ist Strummer ein Wegbereiter? Temples Film deutet es an. Zweifellos war er weitsichtiger und klüger, als man gemeinhin annimmt. Und ein Pfundskerl noch dazu. Aber am erstaunlichsten ist seine tiefe Verwurzelung in einem Idealismus, den selbst die Nivellierungsmacht des Pop nicht ausradieren kann."
Die stark assoziative Collage-Technik lobt Sascha Westphal genauso wie die leisen Szenen des Films. "Am ehesten spürt man die Nähe zwischen dem Filmemacher und seinem Subjekt noch in den Szenen, in denen Temple Freunde und Bekannte des Musikers, alte Weggefährten aus der Londoner Hausbesetzerszene und heutige Stars aus der Film- wie der Musikwelt in London, New York und Los Angeles um nächtliche Lagerfeuer versammelt hat. Im warmen, flackernden Schein des Feuers erzählen sie von Strummer oder auch von sich selbst, hängen Erinnerungen nach und schwärmen von Songs."
Unpersönlich nennt Christof Meueler den Film. "Über den permanent posenden Strummer erfährt man kaum etwas Persönliches, als wäre er niemals ängstlich oder traurig gewesen. Statt dessen möchte Temple einen glauben machen, Strummers stinklangweiliges Spätwerk mit den Mescaleros wäre seine Weisheit letzter Schluß gewesen."
Ein eindrucksvolles, in weiten Teilen mitreißendes Porträt sah Reinhard Lüke, "das durch seine Fülle an Archivbildern ebenso besticht wie durch eine rasante bis virtuose Montage; eine fiebrige Bild- und Sound-Collage, die entschieden mehr ist als Denkmalpflege aus dem Geist der Nostalgie. Wer hier eine Oldie-Party zu Ehren von The Clash erwartet, dürfte sogar einigermaßen enttäuscht sein. ... Summa summarum: ein Muss für alle Clash-Fans, ein lohnender Trip für alle, die die späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre mit halbwegs wachem Geist durchlebt haben."