| Regie | Zhang Yimou |
| Kinostart | 26.04.2007 |
Symbolisch aufgeladen sind die Räume der institutionellen Unterdrückung, meint Andreas Busche. "Ganz offensichtlich hat Zhang Yimou DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME als Trockenlauf für seine Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2008 gedacht. Innen- wie Außenräume sind goldgelb illuminiert: von kiloschweren Gewändern, Stofftüchern, Chrysanthemenblüten, die den Platz in der Verbotenen Stadt bedecken; selbst Gong Lis goldener Lidschatten verleiht ihrem erschöpften Gesicht einen schwachen Glanz."
Die chinesische Schauspielerin Gong Li unterhält sich mit Mariam Schaghaghi über das Filmemachen in Hollywood oder China und über ihre kleine Schwäche.
Von imperialer Pracht ist DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME für Marli Feldvoss. "Es fragt sich, ob man die gänzlich neue Farbsymbolik Zhangs nun als zeitloses Märchen abtun oder das ungewöhnliche Schwelgen in der imperialen Farbe Gold als einen Verweis auf die Gegenwart deuten soll: auf die Raubrittermentalität des heutigen prosperierenden China und seine von oben abgesegnete neue Klassengesellschaft. Goldene Dekadenz als Metapher des Zerfalls. Ist Zhangs Yimous neuer Film ein versteckter Kassandraruf?"
Sebastian Handke ist sich nicht sicher, ob es sich hier um ein Shakespeare’sches Königsdrama, eine altchinesische Seifenoper oder eine schwarze Komödie handelt. "Bei allem Respekt für den großen Regisseur Zhang Yimou – mit seiner nun abgeschlossenen Historientrilogie hat er sich immer mehr für dieses seelenlose Kino einspannen lassen. In HERO und HOUSE OF FLYING DAGGERS gelang Yimou noch die Versöhnung von Opulenz mit Askese, von Spektakel und Drama. FLUCH DER GOLDENEN BLUME dagegen ist derart überladen, dass man Sorge hat, die Leinwand könnte sich unter der Last aus ihrer Verankerung lösen und mit lautem Aufprall zu Boden gehen."
Michael Kohler sind die Augen übergegangen. Aber "wirklich erschreckend ist daran, wie wenig uns der frühere Melodramatiker Zhang Yimou seine Figuren nahe bringt. Selten hat einen ein derart ergreifendes Geschehen derart kalt gelassen: eine Frau, die sich von ihrem Mann vergiftet weiß; Söhne, die ihren Vater die Mutter ermorden sehen; und ein Herrscher, der seine einzige Liebe der Macht geopfert hat. Das klingt nach einem Shakespeare'schen Königsdrama, ist hier aber ein simples Lehrstück über einen Irrweg der Historie."
Birgit Glombitza ist enttäuscht vom neuen Film des Regisseurs Zhang Yimou: DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME kommt in schönen Bildern um. Der Film ist "ein Spektakel, es geht um nichts als opulente Bilder, um Massenchoreographien und komplizierte Kostüme. ... Von nun an zieht Zhang Yimou aus ins rein Pompöse und lässt seine Filme mit seinen Schwertkämpfern endgültig die Bodenhaftung verlieren. Auch in DER FLUCH DER GOLDENEN BLUME wird mit atemberaubender Artistik gekämpft, zerstückelt und gestorben. Kaligraphische Körper, die in virtuos komponierten Zweikämpfen sich zum innersten Wesen ihres Gegners durchschälen."
Laut Rüdiger Suchsland läutet der Film eine neobarocke Phase der Martial Arts-Filme ein: "Überladene Tableaus, zu bewegten Ornamenten choreografierte und entindividualisierte Statistenmassen, betonte Körperlichkeit, opernhafte und an chinesische Bühnentraditionen angelehnte Gestensprache und insgesamt eine starke Stilisierung prägen dieses extrem aufwändige Ausstattungskino, das seine märchenhaften, fiktiven Handlungen mit todesverachtenden Helden, strengen Fürsten, schönen wie bösen Prinzessinnen zumeist vor dem Hintergrund historischer Ereignisse erzählt."
Für Lukas Foerster verzichtet der Film "fast vollständig auf die aufwändigen, exaltierten Martial-Arts Sequenzen, die das Genre in den letzten Jahren prägten. Auch die bedingungslose Stilisierung, die gerade Zhang Yimous eigene Genrebeiträge auszeichnete, sucht man vergebens. Entkleidet des hyperkinetischen Spektakels der Vorgängerfilme, präsentiert Der Fluch der Goldenen Blume die materiellen und ideologischen Grundlagen des Wuxia-Films neuerer Prägung in Reinform. Zhang Yimous neues Werk ist zu allererst, und insbesondere in der zähen Anfangsphase des Films, obsessives Ausstattungskino der unangenehmeren Art."