| Regie | Steven Soderbergh |
| Kinostart | 07.06.2007 |
Danny Ocean und seine Jungs können sich nur einen einzigen guten Grund vorstellen, den ehrgeizigsten und riskantesten Casino-Bruch aller Zeiten in Angriff zu nehmen: Sie müssen einem der Ihren beistehen. Als der skrupellose Casino-Besitzer Willy Bank einen von Oceans Original-Elf – Reuben Tishkoff – übers Ohr haut, machen Danny und seine Gang ein weiteres Mal gemeinsame Sache, um zu testen, ob sich nicht nur "die Bank" sprengen lässt.
OCEANS THIRTEEN ist kein Film mit einer Mission, schon gar nicht einer moralischen, die sich über den hässlichen Schein von Las Vegas entrüstet. Die einzige Botschaft, die Soderbergh hat, läuft darauf hinaus, dass gegen Dekadenz nur Stil hilft, behauptet Bert Rebhandl. "In jeder Geste, in jedem Kostümdetail, mit jedem Schnitt lässt Steven Soderbergh erkennen, dass dieser dritte Teil der Geschichten um Danny Ocean eine lockere Angelegenheit ist. Wer sie zu ernst nimmt, bringt sich selbst um das Vergnügen. Und das Vergnügen ist schon deswegen groß, weil die Abstaube, um die es hier geht, so ziemlich das größte Ding ist, das jemals gedreht wurde."
Der Coup glückt, der Film nicht ganz, meint Dietmar Kammerer. "Die kreativ-kriminelle Energie, die von ihm gefeiert wird, würde in gegenwärtiger Politik umstandslos als terroristisch verurteilt und mit aller Härte verfolgt. Immerhin kam im Vorgängerfilm bereits ein künstlich erzeugter Atomblitz zum Einsatz, der die Stromversorgung eines Stadtviertels lahmlegte. Nun wird durch Erdbebenstöße ein Hochhaus beinahe zum Einsturz gebracht. Man müsste sich nur einmal vorstellen, was los wäre, würden Danny Ocean und seine Crew beschließen, den Gipfel in Heiligendamm platzen zu lassen."
Laut Alexandra Stäheli verspielt der Regisseur sein Staraufgebot. Die Geschichte hangelt "von einer raffinierten Idee zur nächsten, von einem Trick zur nächsten Verkleidungsaktion. Das wäre auch alles ganz amüsant, wenn das Drehbuch von Brian Koppelman und David Levien den einzelnen Figuren wenigstens Gelegenheit gäbe, ihre ursprünglichen Fähigkeiten als Taschenspieler, Mechaniker, Trickdieb und Sprengstoffexperte im Zusammenhang sinnvoll einzusetzen. Stattdessen aber dominieren verwirrende technische Probleme und ihre völlig unrealistischen Lösungen, stetig wachsendes Personal sowie anstrengende Dialoge, die furchtbar gerne cool und smart wären und doch wie altbackene Werbespots klingen."
Wie Peter Zander feststellt, klären die OCEAN-Filme die Schneewittchenfrage zwischen George Clooney und Brad Pitt. "Pitt und Clooney sind auch privat Kumpel. Man weiß oft nicht, wo der Film aufhört und die Realität anfängt oder ob es da überhaupt eine Grenze gibt. Genau das ist der Reiz an den OCEAN-Filmen. Sowie die stets im Raum schwebende Schneewittchen-Frage: "Wer ist der Schönste auf der Leinwand?" Sie sind sich ja ähnlicher, als man denkt."
Rochus Wolff sah eine gut geölte Unterhaltungsmaschine ohne Ecken, Kanten und echte Spannung. "Mit Splitscreens, Handkamera und Zoom bietet der Film, knallbunt garniert, ästhetisch nichts, was nicht schon die beiden Vorgängerfilme ausgezeichnet hätte, aber das ist ja nichts Schlechtes, denn handwerklich, das darf man neidlos eingestehen, schüttelt Soderbergh diesen Film so lässig und cool aus dem Handgelenk wie seine Schauspieler die Diebestruppe. OCEANS THIRTEEN ist so ein flottes und unterhaltsames Stück Kino, trotz zahlreicher Wendungen ohne Momente großer Spannung oder Verzweiflung. Und obwohl einem die Figuren ziemlich egal bleiben, guckt man sich das gerne an, weil schöne Menschen coole Dinge tun und sagen, während sie gelegentlich kleine Scherze machen."
Laut Julian Hanich steigt Steven Soderbergh hinab in den Fundus der Filmgeschichte, in dem die Klassiker funkeln und die Genres zur Schau gestellt sind, sieht sich um und greift ehrerbietig zu. "Zugegeben: Es gibt spannendere Betrügerfilme. Aber letztlich geht es in diesem Genre vor allem um eins: Schadenfreude. Irgendeiner bekommt es immer heimgezahlt. Irgendjemand muss immer büßen für Reichtum und Hybris. Der Zuschauer schlägt sich genussvoll auf die Seite der Gauner und wird Zeuge, wie höchst raffiniert dem schmierigen Lokalmafioso, der global agierenden Corporation, ja dem kapitalistischen System höchstselbst ein Schnippchen geschlagen wird."
Noch opulenter als seine Vorgänger ist Folge 3 ausgestattet, meint Daniel Kothenschulte. "Das moderne Blockbusterkino hat mehr mit dem gehobenen Serienfernsehen zu tun als mit der Idee vom Spielfilm als erzählerischer Einheit. Da es ohnehin immer weiter geht, spielt die Dramaturgie eine untergeordnete Rolle. Und da die Figuren ohnehin interessanter sind als ihr Tun, ist auch die Erzählkunst nicht besonders wichtig. Man kann nicht einmal mehr sagen, dass es in diesen Filmen um die Freude am Spektakel geht, denn ein fröhliches Wiedersehen ist letztlich ein harmloses und ganz unspektakuläres Vergnügen."
Laut Andreas Borcholte wälzt sich die Maschinerie der Ocean's-Reihe über dramaturgischen Feinheiten einfach hinweg. "Mit gewohnter Lässigkeit, vielen lustigen Verkleidungen, ausgeklügelten Tricks, technischen Gimmicks und jeder Menge geistreicher Sprüche machen sich die Robin Hoods des Automatendschungels daran, dem bösen Banks das Geschäft zu verderben. Das läuft im Prinzip genauso ab wie in OCEAN'S ELEVEN, nur dass die Hilfsmittel gigantomanischer sind. ... Paradox an OCEAN'S THIRTEEN ist, dass zwar vordergründig große Dinge wie Freundschaft, Aufrichtigkeit und die Ehre des kleinen Mannes verhandelt werden, letztlich aber keinerlei Spannung aufkommt: Man weiß ja, wer am Ende den Kürzeren zieht."
Michael Althen kommt sich vor wie ein Spaßverderber, weil er am Film herummäkelt. Der Regisseur "beschränkt sich auf seine Rolle als Zirkusdompteur und hält sich bei Laune, indem er als sein eigener Kameramann ein bisschen mit den Farben herumexperimentiert, wozu die Sonne und der Neonzauber von Nevada sich ja auch anbieten. Ansonsten verlässt er sich darauf, dass man dem Zusammenspiel von Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Andy Garcia, Don Cheadle, Elliott Gould und Konsorten immer gerne zusieht."
Das Ganze ist eine Art Urlaubsfilm, ein paar große Jungs haben ihren Spaß, und die Leidenschaft, mit der sie sich selbst vor der Kamera zum Affen machen, wirkt ansteckend, schreibt Susan Vahabzadeh. "Daraus entspinnt Soderbergh ein Freistil-heist-movie, das so leicht aussieht, als wäre es ihm in den Schoß gefallen. Was aber ganz und gar nicht stimmt - der Fluss der Geschichte, die Struktur aus Rückblenden, ist nicht einfach zufällig, sondern ein streng konzipiertes Geflecht; nichts, sagt Soderbergh, ist ihm so schwergefallen wie die unerträgliche Leichtigkeit der OCEAN-Filme, dieses unvergleichlich coole Feeling..."
Wenig Überraschendes oder Neues hat Felicitas Kleiner gesehen, "aber dafür die Genüsse, die den Reiz des Genres ausmachen: ein ebenso kühnes wie cooles Dominospiel, bei dem zunächst alle Steine mit liebevoller Akribie, allen Pannen und Widrigkeiten zum Trotz, in Position gebracht werden; dann ein letzter Uhrenabgleich, ein Anstoß – und ab geht die Post, Schlag auf Schlag. Alle Rädchen greifen ineinander, und am Ende ist das scheinbar Unmögliche möglich geworden. Der Erzählgestus ist dabei wieder lässig, selbstironisch, mehr comedy als suspense, der Look von Kostümen und Settings lustvoll over-styled, und Soderberghs Talent für Puzzle-Spiele ... kommt einmal mehr zur Entfaltung."
Mit OCEANS THIRTEEN beweist Regisseur Steven Soderbergh, dass er ein wunderbarer Meister der Oberfläche ist, meint Harald Peters. "Das Werk ergibt zwar auch keinen Sinn, es fällt aber nicht sofort auf. ... Wie in den ersten beiden Teilen feiert Soderbergh in OCEANS THIRTEEN die Möglichkeiten des Oberflächlichen und versucht dabei alle anderen Dinge, die in einem Film von Interesse sein könnten, auf ein Minimum zu reduzieren. Da die Vorgehensweise aber längst bekannt ist, bestand die Herausforderung dieses Mal darin, den eklatanten Mangel an Tiefe, Logik, Spannung und Bedeutung irgendwie als Gewinn zu inszenieren."
Für Rüdiger Suchsland lebt der Film vom guten Aussehen der Darsteller und von kurz-lässig-sinnlos-amüsanten Dialogen. "Nichts hier ist überraschend, doch auch wenn der Film zwischendurch eine schlechthin scheißlangweilige Passage hat und nie mehr ist, als Entertainment um des Entertainments willen, schaut man gerne zu. Elegant und stylish sieht man schönen Männern dabei zu, wie sie schöne Dinge tun. Luxusleben trifft die Kunstwelt von Las Vegas und Saveknacker bei der Arbeit: Splitscreen und Überblendungen sorgen für filmisch interessante Momente, ansonsten umkreist der Film ein narratives Nichts."
Über eine Stunde verplempert der Film, meint Lars-Olav Beier. "Zwar gibt es einige wirklich hübsche Momente, wenn etwa George Clooney im Fernsehen eine Oprah-Winfrey-Show sieht und zu Tränen gerührt wird, insgesamt aber fehlt es dem Film an einer originellen Konstruktion, pfiffigen Dialogen und Tempo."
OCEANS THIRTEEN ist ein in jeder Hinsicht unschuldiges Vergnügen, besser kann sich das große Blockbuster-Kino kaum präsentieren, meint Susan Vahabzadeh. "Der mittlere der drei OCEAN-Filme war vielleicht Dokument einer kleinen Schwäche, doch beim dritten Teil ist Soderbergh auf der Höhe seiner Kunst. Eine liebevoll verwobene Erzählstruktur, Splitscreens und Tricks, vor allem aber hat der ganze Film Körpertemperatur - es gibt nichts Kaltes darin. ... Die ganze Geschichte ist mit einem Gerechtigkeitssinn gestrickt, der Robin Hood vor Neid erblassen ließe."
Viel Unterhaltung bietet der Film laut Michael Althen nicht. "Der Erfolg der beiden tatsächlich sehr smarten ersten Teile hat das All-Star-Team um George Clooney offenbar darin bestärkt, dass es sich nahezu alles erlauben kann, weil man einfach gerne bei dem zusieht, was man bei uns Frotzeln nennen würde. Und so wird jeder Gag so lange breitgetreten und jedem Dialogwitz so lange nachgeschmeckt, bis diese Art des Zeitlupenhumors, der im Slapstick nicht ohne Grund slowburn heißt, sich in Form von schlichter Langeweile gegen den Film verkehrt. It's halt only entertainment."