PERSEPOLIS

film-zeit Film: PERSEPOLIS
Regie Marjane Satrapi
Vincent Paronnaud
Kinostart 22.11.2007

Inhalt • PERSEPOLIS

Marjane ist acht Jahre alt, als der Schah aus dem Iran vertrieben wird und die Mullahs die Macht an sich reißen. Fortschritt und Freiheit bleiben auf der Strecke, als im Zuge der Islamischen Revolution Tausende im Gefängnis landen und Frauen gezwungen werden, Kopftücher zu tragen. Doch die rebellische Marjane denkt gar nicht daran, sich dem rigiden Regelwerk zu unterwerfen. Viel lieber entdeckt sie Punk, ABBA und Iron Maiden und macht erste Erfahrungen mit Jungs. Sie ahnt nicht, dass ihr spielerischer Protest gefährlich ist – nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihre Familie ...

Kritiken • PERSEPOLIS

22. November 2007 | Kritik • Der Tagesspiegel

Mit der Regisseurin Marjane Satrapi unterhält sich Martin Schwickert über Freiheit und Zensur – und die Kunst, ein Auto zu warten.

22. November 2007 | Kritik • Der Tagesspiegel

Viel Bitterkeit grundiert diesen Film, bei allem Humor, meint Christina Tilmann. "Die große Politik aus Kindersicht: Das machte den Reiz von Satrapis Comic-Autobiografie aus, die weltweit zum Bestseller wurde. Auch in der Verfilmung hält sie den Ton. Es ist ein Spiel mit starken Kontrasten. Das klar gesetzte Schwarz-Weiß funktioniert auch im bewegten Comic wunderbar. Schwarz-Weiß-Malerei im übertragenen Sinn allerdings liegt Satrapi fern. Sie wolle mit ihren Büchern helfen, Iran nicht nur als Land der Fanatiker zu verstehen, hat sie betont."

22. November 2007 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte ist begeistert: "Weitgehend schwarzweiß gehalten knüpft [der Trickfilm] ästhetisch dort an, wo der Animationsfilm einmal in vollster Blüte stehend vergessen wurde: Als ideales Medium für das persönliche Erzählen von Geschichten und Geschichte. Keine andere Filmform kann persönliche Erinnerungen so unverstellt und unkorrumpierbar wiedergeben. Und Paronnaud und Satrapi mobilisieren alle Mittel dieser zweidimensionalen Kunst, die in digitalen Zeiten schon für mausetot erklärt wurde, um aus einer persönlichen Lebensgeschichte ein Bild für alle zu machen."

22. November 2007 | Kritik • Neues Deutschland

Politische und historische Aufklärungsarbeit leistet die Regisseurin, die nichts Belehrendes hat, stellt Knut Elstermann fest. "In der Verfilmung, die Marjane Satrapi gemeinsam mit Vincent Paronnaud schuf, ist es ihr gelungen, den minimalistischen Stil in die Animation hinüber zu retten, ein lakonisches und zugleich ausdrucksstarkes, einfaches Erzählen in Schwarz-Weiß, in dem die Erfahrungen des Mädchen universell erscheinen, ohne ihre Spezifik zu verlieren. Durch die klassische, also zweidimensionale Animation, und die Anlehnung an Erzählweisen des Spielfilms präsentiert PERSEPOLIS seine Neuartigkeit im vertrauten Gewand, überfordert niemanden und unterhält jeden."

22. November 2007 | Kritik • Junge Welt

Christof Meueler findet den Film schnell banal. "Schön ist die Szene, in der Marjane ihr erstes Punkkonzert besucht. Wilder Lärm, zu dem sie den Kopf hin und herwirft, als wolle sie ihr Gehirn durcheinanderrütteln. Die anschließende traurige Grundstimmung macht alles banal: Liebeskummer, Rückkehr in den Iran, illegale Parties, Heirat und Scheidung, wieder raus aus dem Iran."

22. November 2007 | Kritik • Berliner Morgenpost

Direkt wie eine Ohrfeige ist der Film laut Mariam Lau. "PERSEPOLIS erwies sich auch deshalb als perfekter Titel, weil das Wort in den vielen Übersetzungen überall die gleichen Assoziationen wachruft: ein versunkenes Weltreich, Tausendundeine Nacht, Rosengärten, Granatäpfel - alles, nur nicht der speckige Anzug von Mahmud Ahmadinedschad oder das greise Haupt des Ayatollah Khomenei. Eines möchte Marjane Satrapi auf keinen Fall: zur Kronzeugin "des Westens" gegen die islamische Revolution werden."

22. November 2007 | Kritik • Jungle World

Eindringlich nennt Fathiyeh Naghibzadeh den Trickfilm. "PERSEPOLIS ist auch ein Film über tausende und abertausende Familien, die die dramatische Entscheidung trafen, ihre Kinder alleine ins ungewisse Exil zu schicken, um sie vor der Deformierung ihres Lebens durch die permanente öffentliche Lüge, vor der Zwangsverschleierung oder vor dem Märtyrertod als minenräumende Kindersoldaten zu schützen."

22. November 2007 | Kritik • Die Zeit

Susanne Mayer spricht mit der Regisseurin über politischen Mut und die subversive Macht des Lachens.

22. November 2007 | Kritik • Die Zeit

Matthias Nass porträtiert die Regisseurin und Comic-Zeichnerin.

22. November 2007 | Kritik • artechock.de

ERSEPOLIS weniger ein Film über Heimatverlust, als über Freiheit, schreibt Rüdiger Suchsland. Er ist "keineswegs eine Geschichtslektion oder ein politisches Traktat. Voller menschlicher Wärme stehen vielmehr der Zusammenhalt der Familie und die zunehmenden Gefahren des Lebens im Gottesstaat im Zentrum. In bezaubernder Weise gelingt es dem Film dabei, die Perspektive eines Kindes in ihrer Mischung aus Naivität und Klarsicht zu reproduzieren. Immer wieder kommt es zu Momenten wie Marjanes Fantasiegesprächen mit Gott oder Karl Marx, die zunächst "nur" witzig scheinen, plötzlich aber erschreckenden Ernst entfalten - und überaus kluge Einsichten vermitteln."

21. November 2007 | Kritik • Die Tageszeitung

Barbara Schweizerhof lobt unter anderem den effektvoll ausgewählten Soundtrack und die knapp geschriebenen Dialoge voll trockenen Humor. "PERSEPOLIS ist ein ausgesprochen kunstvoller Comicfilm, der elegant und treffsicher mit den fürs Genre notwendigen Vereinfachungen umgeht. Satrapis Zeichenstil nimmt die Tiefe aus den Räumen, betont die Zweidimensionalität und gibt den Figuren gleichzeitig eine sich in den Vordergrund drängende Präsenz. Wie oft im Zeichentrick ist es gerade die Künstlichkeit, die Unähnlichkeit mit der realen Welt, die eine originelle und dadurch wieder besonders lebensnahe Darstellung ermöglicht."

21. November 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Unglaublich komisch und zugleich sehr traurig findet Julia Encke den Film. "Die stereotypen Begriffe vom "Islamismus", "Terrorismus" oder der "Achse des Bösen" schüren für sie vor allem Emotionen, welche sich, nach politischem Belieben, dann sehr einfach instrumentalisieren lassen. Und sie entmenschlichen die Situation. Ihren Film versteht sie als Gegenprogramm: "Es ist ein antifanatischer Film, in dem es um die Komplexität alltäglicher Situationen geht und um den Einzelnen. Schließlich kommt man in Iran auch in die Pubertät, hat Pickel, und die Musik, die man hört, ist so anders eben nicht.""

21. November 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Andreas Wirwalski interviewt mit Jasmin Tabatabai, die die deutsche Synchronstimme der Hauptfigur Marjane in dem Animationsfilm PERSEPOLIS spricht.

21. November 2007 | Kritik • Süddeutsche Zeitung

Martina Knoben sah eine charmante Mischung aus leidenschaftlichem Ernst und Selbstironie, die den Film komisch und todtraurig zugleich sein lässt. "Zur Ästhetik der Islamischen Republik passt die Schwarzweißmalerei Satrapis übrigens hervorragend. Im Gegensatz zum Comic, der ganz puristisch gehalten ist - Farbe erscheint der Zeichnerin als zu gewöhnlich -, gibt es im Film immerhin auch Grautöne. Die holzschnittartige Anmutung aber ist geblieben. Marjane Satrapi ist ein erklärter Fan des deutschen Expressionismus, der das Filmbild zur Graphik machen wollte - in PERSEPOLIS funktioniert die Transformation umgekehrt."

20. November 2007 | Kritik • Der Spiegel

Die kongeniale Verfilmung verzaubert nicht allein mit süßen Mandelaugen, lobt Birgit Glombitza. "Es ist schon erstaunlich, wie viel unterschiedliche Grautöne und Schattierungen sich dem bewusst holzschnittartigen und naiv gehaltenen Stil abtrotzen lassen, in dem Satrapi ihr eigenes Leben nach dem Muster eines Entwicklungsromanes ins gezeichnete Bild setzt. Wie viel Tiefe sich in eine flächig gezeichnete Kulisse bringen lässt, wie viel Spannung im Spiel von Vorder- und Hintergründen liegt! Der deutsche expressionistische Film, seine exzentrisch mimenden Gestalten und alptraumhaft verzerrten Kulissen haben dabei ebenso Pate gestanden wie der italienische Neorealismus, der das Schicksal seiner Geschöpfe im dramatischen Wechsel aus individualisierten Nahen und gesellschaftsspiegelnden Totalen erzählte."

11. Oktober 2007 | Kritik • critic.de

Urkomisch findet Marguerite Seidel den Film. "Während das anfangs der Schere zwischen kindlicher-vereinfachter Wahrnehmung und komplexer Realität geschuldet ist, sorgen bald insbesondere Übertreibungen, überspitzte Vergleiche und Genrezitate dafür, dass der Film immer auch als Komödie wahrgenommen werden kann. ... Der gemeinsam mit Ko-Regisseur Vincent Paronnaud realisierte Debütfilm von Marjane Satrapi gestaltet sich deshalb zum emotionalen Ping-Pong-Spiel, das trotz aller Trauer um das Verlassen von Heimatland und geliebter Familie stets zutiefst optimistisch bleibt."

04. Oktober 2007 | Kritik • kino-zeit.de

Peter Gutting freut sich, endlich mal wieder Schwarz-Weiß zu sehen. Die Regisseurin "taucht ein in eine subjektive Sichtweise und in expressionistisch angehauchte Bilder, ohne die Realität zu beschönigen. Sie zeigt dadurch eine Realität hinter der äußeren Tristesse ... Vielleicht ist das die größte Leistung dieses sehenswerten Films: Dass er Vertreibung, Unterdrückung und Unrecht auf eine Weise thematisiert, die der eindimensionalen Haltung der Moralapostel das Entscheidende voraushat, nämlich das Leben in seiner ganzen widersprüchlichen Fülle. Und dass er die Buntheit der Welt auf wundersame Weise gerade in seiner Schwarz-Weiß-Ästhetik sichtbar macht."

07. September 2007 | Kritik • programmkino.de

Ein zutiefst menschliches und ambitioniertes Filmjuwel sah Gary Rohweder, das nicht allein durch sein Engagement überzeugt. "Die visuelle Gestaltung, die sich maßgeblich am Realfilm orientiert und auf übliche Animationsmittel weitgehend verzichtet, ist so einfach wie ausdrucksstark. Die kindlich-naiv anmutenden Bilder, erzeugen einen starken Kontrast zur Geschichte und entfalten gerade hierdurch ihre Wirkung. Eine unkonventionelle Verfilmung eines zeitgenössischen Comics, die durch ihre räumliche und inhaltliche Tiefe an Bedeutung gewinnt."

26. Mai 2007 | Kritik • Berliner Zeitung

Der Film sollte Pflichtstoff in der Schule werden, empfiehlt Anke Westphal. "Voller Selbstironie und Sarkasmus erzählt Satrapi hier, wie sie aufwuchs. ... PERSEPOLIS macht die Folgen restriktiver Politik auf den Alltag in einer Privatgeschichte beiläufig zugänglich: Hinrichtungen von Regime-Gegnern werden ebenso thematisiert wie die Unbilden der Pubertät, und einmal blicken Gott und Karl Marx von benachbarten Wolken jovial auf Marjane herab. Comic und Film leisten Wunderbares in der Vermittlung kompliziertester Sachverhalte."

25. Mai 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Verena Lueken sieht dem Film ein Leiden am eigenen Land an und die Unmöglichkeit, da glücklich zu werden, wo man hingehört. "Es ist der Blick der Autorin, die in den immens erfolgreichen Comics ihre eigene Geschichte erzählt, clever, witzig, selbstironisch, sehr traurig manchmal. Statt digitale Animationstechniken zu verwenden, wurde der Film vollständig gezeichnet. Deshalb sieht er tatsächlich aus wie die Bücher Marjane Satrapis in Bewegung."

25. Mai 2007 | Kritik • Die Süddeutsche Zeitung

Wunderschön, humorvoll und melancholisch nennt Susan Vahabzadeh den Trickfilm. "Wie die Comics in Schwarzweiß gehalten, mit Märchenelementen und scherenschnittartigen Schattenspielen, beschreibt Satrapi die Ereignisse aus der Kinderperspektive, die oft die entlarvendste ist. Und ihr sind ganz phantastische Bilder dazu eingefallen ... Das ist oft witzig, aber der Tonfall ändert sich, sobald der Tod ins Spiel kommt, Exekutionen, Krieg, ein lebensfroher, also sittenloser Freund, der in den Tod getrieben wird."

25. Mai 2007 | Kritik • Die Welt

Eine ziemlich einmalige Comic-Verfilmung sah Hanns-Georg Rodek. Der Film, durchsetzt mit Galgenhumor, "behält konsequent die kindliche Sichtweise bei; dass man aber selbst aus dieser Simplifizierung mehr Hintergrund erfährt als in Dutzenden von Fernsehbeiträgen, stärkt nicht gerade das Vertrauen in unsere Medien."

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