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STELLET LICHT

STELLET LICHT

Regie Carlos Reygadas
Kinostart 02.04.2009

Kritiken • STELLET LICHT

03. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • Der Freitag

Anne Huffschmid findet es schwer, den Film einzuordnen: "Alle Bewegung, alle Bilder, sind bedächtig, es gibt nichts Schnelles, Schrilles, Schwülstiges, nur diese unglaubliche Klarheit und uralte Fragen. „Wie musst du dich verhalten, wenn du aufhörst, einen Menschen zu lieben und dich in einen anderen verliebst?“ Reygadas, ein junger Mann in rockiger Lederjacke und Sonnenbrille, nippt an seinem Bier und sieht an diesem Morgen auf der Dachterrasse eines Hotels in einer hippen Gegend in Mexiko-Stadt eigentlich nicht aus wie einer, der sich solche Fragen stellt. Wie der Film nicht aussieht wie einer, der aus Mexiko stammt."

02. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • Berliner Zeitung

Bildgewaltig nennt Bert Rebhandl den Film. Der Film "hält in allen diesen Fragen strikt die Distanz des Kinos. Wie seit den großen Tagen des europäischen Kunstfilms nicht mehr geschehen, setzt Carlos Reygadas auf das Vermögen der Bilder, eine unsichtbare Wahrheit zum Ausdruck zu bringen. Genau genommen verschiebt das Kino die Glaubensproblematik nur weiter nach vorn: auf die Ebene medialer Sichtbarkeit."

02. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • Der Tagesspiegel

Ein Geniestreich sah Jan Schulz-Ojala. "Das Wunder hat sich Carlos Reygadas aus DAS WORT geliehen, bei Carl Theodor Dreyer, den er neben Andrej Tarkowski seinen Meister nennt. Und ist doch, mit knapp vierzig, selber schon einer, der nach dem wilden JAPòN und dem noch wilderen BATTLE IN HEAVEN nun seinen dritten, so stillen Film gedreht hat. Doch Vorsicht: STELLET LICHT ist genau so anders wie diese beiden, so unendlich anders als alles, was das Kino heute sonst so spielt. Nebenbei: Wie beglückend, dass dieser so düsterleuchtende Film, schon vor zwei Jahren in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichnet, überhaupt noch auf die Leinwand kommt; fast verglüht."

02. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • Der Tagesspiegel

Viel Ambition hat Cristina Nord ausgemacht. "In STELLET LICHT aber sieht alles neu und anders aus, obwohl Reygadas sich ähnlicher Mittel bedient wie in den Vorgängerfilmen. Denn STELLET LICHT vollzieht eine wunderbare Volte: Der Film erzählt vom Leben der Mennoniten nicht so, dass man sie als fremd, rückwärtsgewandt oder unmodern wahrnähme. Er handelt vielmehr von einem ausgesprochen modernen Konflikt, der dir und mir und tausend anderen widerfahren kann. ... Der Effekt dieser Überkreuzung ist verblüffend. Die fremde, bäuerliche Welt der Mennoniten kommt dem Zuschauer nahe, ohne dass sie mit der seinen in eins gesetzt wird."

02. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • Frankfurter Rundschau

Der Film ist sich selbst genug, schreibt Daniel Kothenschulte. "Seine Poesie rührt weniger von seinem religiösen Subtext her als von seinem Plädoyer für die Wunder der Fotografie. So wie die allerersten Filme der Gebrüder Lumière mit modernen Digitalkameras nicht zu wiederholen sind, leben Carlos Reygadas Bilder von einem Überschuss an Bildinformation, den man auch Schönheit nennt. Von dem, was ein Bild auch dann noch zeigt, nachdem man es bereits gelesen und verstanden hat. Diesen Mehrwert nannte Kandinsky den "inneren Klang". Man kann ihn auch den göttlichen Funken nennen."

02. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • perlentaucher.de

Lukas Foerster sah eine existenzielle Liebesgeschichte. Der Film "erzählt in der Tat von dem Konflikt zwischen Liebe und Glaube, aber dieser Konflikt beschränkt sich nicht auf einen inneren, psychischen Kampf. Johans Liebe kollidiert mit einem Weltsystem, das bei Reygadas identisch ist mit einem filmischen System und beide Systeme sind am Ende so hermetisch und gefängnisartig, dass nur noch - und ob das eine ironische Wendung ist, eine banal metaphysische oder letzten Endes doch eine humanistische, das mag jeder selbst entscheiden - ein Wunder helfen kann."

02. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • Jungle World

Esther Buss sah "langsames und kontemplatives Kino, dabei aber nicht weniger gewaltig als die beiden vorherigen Werke des Regisseurs. Es ist zweifellos ein ungewöhnlich schöner Film. Die weite Landschaft, die in eindrucksvollen Cinemascope-Bildern eingefangen wird, sieht großartig aus, karg, aber trotzdem irgend­wie satt, und die verschiedenen Schattierungen des Lichts sind berauschend. Trotzdem, der Wunsch, ein verführerisches Kunstwerk zu erschaffen, ist nicht zu übersehen. Weder die nordmexikanische Provinz noch die mennonitische Gemeinde hat in diesem Film die Hauptrolle, diese hat allein die Kunst."

01. April 2009 | STELLET LICHT • Kritik • br-online.de

Kirsten Liese sah den bislang sublimsten, anrührendsten und poetischsten Film des mexikanischen Regisseurs. "Die tragischen Momente und Wendungen vollziehen sich ohnehin ganz im Stillen, wenn Marianne nach einer letzten gemeinsamen Liebesnacht zur einsamen Zuschauerin von Johans familiärem Glück mit seinen Kindern wird, oder wenn Esther nach einer langen Autofahrt auf einem Parkplatz im strömenden Regen zutiefst verletzt zusammenbricht. Gleichwohl ist dies kein pessimistischer Film, denn wenn am Ende die Sonne wieder untergeht, leuchtende Gold-, Rosé- und Blautöne wieder abtauchen in tiefes Schwarz, hat sich ein kleines Wunder ereignet. Spätestens da hat Carlos Reygadas noch eine Dimension dazu gewonnen, die selbst im südamerikanischen Kino eher selten ist: Spiritualität."

01. März 2009 | STELLET LICHT • Kritik • critic.de

Die Erzählhaltung macht für Maurice Lahde die religiöse Dimension des Films erträglich. "In den Händen beispielsweise eines Lars von Trier hätte aus dem gleichen Stoff ein übles moralisches Traktat werden können. Carlos Reygadas nimmt die Religiosität seiner Figuren zunächst wertfrei zur Kenntnis, "spirituell" sind seine Bilder, weil sie von Spiritualität erfüllte (oder von ihr beherrschte) Menschen zeigen. Und anders als bei Lars von Trier waltet bei ihm zuletzt ein gnädiger Gott. Der Film eines anderen Dänen, Carl Theodor Dreyers DAS WORT, stand für das sich in den letzten Szenen ereignende Wunder Pate. Dessen Inszenierung verfehlt ihre Wirkung auch auf religiöse Analphabeten nicht: Was Wunder betrifft, kann das Kino der Kirche noch immer die Show stehlen."

01. März 2009 | STELLET LICHT • Kritik • programmkino.de

Michael Meyns stellt fest: Das unerklärliche Ereignis, dass den Film beschließt, liegt im Auge des Betrachters. Der Filmemacher "liefert subtile Hinweise, bietet unterschiedliche, sich widersprechende Interpretationsansätze an, auf klare Antworten lässt er sich aber ebenso wenig ein wie es seine erklärten Vorbilder Andrej Tarkowski und Carl Theodor Dreyer getan haben. Mögen diese Vergleiche noch ein wenig hoch gegriffen sein, im gegenwärtigen Autorenkino gibt es wenige Regisseure, die es mit Carlos Reygadas, seiner Bildgestaltung, seinem Mut zu vielschichtigen Geschichten aufnehmen können."

01. März 2009 | STELLET LICHT • Kritik • kino-zeit.de

Joachim Kurz lobt den Regisseur. "Wie ein Maler entwirft er großartige Tableaus in Cinemascope, in denen gar nicht mehr viel geredet oder gar gehandelt werden muss, um diese Geschichte eindrucksvoll auf die Leinwand zu bringen. Meisterhaft ist sein Einsatz der oftmals starren oder kaum merklich bewegten Kamera, seine Arbeit mit den Gesichtern der Darsteller, deren Unerfahrenheit im Umgang mit der Kamera kaum ins Gewicht fällt, sondern im Gegenteil die Intensität des Films noch steigert. Ebenso auffällig agiert die Tonebene, in der neben den spärlich eingesetzten Dialogen vor allem die Geräusche ein Eigenleben führen und über Tierstimmen, Kindergeschrei und das Rauschen des Regens die Archaik der Liebesgeschichte betonen, die sich – abgesehen von der sicherlich geringeren Intensität – überall auf der Welt abspielen könnte."

01. Februar 2009 | STELLET LICHT • Kritik • filmz.de

Linksammlung zum Film.

11. Oktober 2008 | STELLET LICHT • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Geri Krebs sah ein kompromissloses Werk, das in seiner radikalen Form dem Zuschauer einiges abverlangt. So wird man "die zwei darauffolgenden Stunden gebannt in dieser Welt verharren, belohnt mit Bildern, die in ihrer Schönheit und naiven Spiritualität ihresgleichen suchen. Er wolle, sagte Carlos Reygadas einmal, den Zuschauer dazu bringen, beispielsweise einen Baum so lange anzusehen, bis dieser beginne, sich in andere Dimensionen zu verschieben, mithin aufhöre, ein Baum zu sein, und der Betrachter zu einer hypnotischen Reise aufbreche."

08. Mai 2008 | STELLET LICHT • Kritik • Die Tageszeitung

Ekkehard Knörer sah eine einfache, existenzielle Geschichte aus der nordmexikanischen Steppe. "Es gibt Szenen des Glücks, Musik aus dem Radio, Johan fährt mit dem Auto dazu mehrfach im Kreis. Ein Bad der Familie in einem Teich als in die Tragödie eingelegte Idylle. Momente der Leichtigkeit - minutenlang singt einmal, ein Ereignis wie aus dem Nichts, Jacques Brel. Es gibt die tiefe Verzweiflung am Straßenrand, im Regen, fast nicht zu erkennen sind die Figuren in der herzzerreißendsten Szene dieses irdisch schönen Films. Und am Ende wird ein Wunder geschehen, das aber weniger Gott bewirkt hat als der Glaube ans Kino."

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