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AM ENDE KOMMEN TOURISTEN

AM ENDE KOMMEN TOURISTEN

Regie Robert Thalheim
Kinostart 16.08.2007

Kritiken • AM ENDE KOMMEN TOURISTEN

17. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • critic.de

Sonja M. Schultz hält dem Regisseur zu gute, "dass er seine Geschichte gerade nicht dramatisch aufplustert, keine Musiksauce über Auschwitz gießt und keine großen Versöhnungsgesten zelebriert. Dazu ist der Regisseur glücklicherweise zu intelligent und das Budget auch zu gering. Der Film stellt keine Behauptungen auf, er bleibt bei den kleinen Beobachtungen, beim offenen Ende und damit auf dem sicheren Terrain des Alltagsrealismus im deutschen Kino. Das mag man angesichts der endlosen Geschichts-Melodramen endlich einmal angemessen finden. ... Aber ein bisschen mehr Verve und weniger Blässe hätte man der Hauptfigur schon gewünscht und dem gegenwärtigen deutschen Kino vielleicht auch einmal einen anderen, gewagteren visuellen Zugang als den ständigen dokumentarischen Gestus."

17. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Der Spiegel

Einen wundersam unaufgeregter Film über die Widersprüche des Erinnerns sah Christian Buß. "Es gibt sogar Momente von leiser Komik, das Lachen ist hier legitim und muss einem auch nicht im Halse stecken bleiben. Ausgerechnet die Gedenkstätte Auschwitz, dieser durchinstitutionalisierte Erinnerungsraum, wird von Thalheim mit Leben samt all den dazugehörigen widerstreitenden Emotionen gefüllt. ... So ist AM ENDE KOMMEN TOURISTEN, dieses zuweilen lustige und eigentlich kaum didaktisch zu nennende Unterfangen, eine echte Rarität in der Gedenkindustrie des deutschen Kinos: kein Kraftakt gegen das Vergessen, sondern ein kleiner lustvoller Film gegen das Verblassen der Erinnerung."

17. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Der Freitag

Mutig, aber übereifrig nennt Axel Minge den Film. "Dem Zuschauer entgeht bei solch inszenatorischer Überdeutlichkeit nicht, wie die Grenzlinien verlaufen, die den Entwicklungsroman des jungen Deutschen in Auschwitz befestigen. Den Alten wird er zu achten lernen und das Mädchen zu lieben; dazwischen justiert er sein Verhältnis zur deutschen Geschichte, die ihn bislang nicht interessierte. ... Vielleicht muss man sich die pessimistischste Sicht auf den Stand der Geschichtsvermittlung an die Jugend von heute zu Eigen machen, um den Film als Chance zu begreifen, Heranwachsende für ein ernstes Thema zu interessieren."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Berliner Zeitung

Der Regisseur Robert Thalheim und der Schauspieler Alexander Fehling unterhalten sich über Auschwitz. Frank Junghänel hat einiges davon aufgeschrieben.

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Berliner Zeitung

Andreas Kurtz berichtet von der Premiere in Berlin.

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Mit dem Regisseur Robert Thalheim spricht Martin Schwickert über seinen Idealismus, die Tragik der Zeitzeugen und Alltag im heutigen Oswiecim.

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Wie Kerstin Decker feststellt, gehört der Film zu den Geschichten, die man sich nicht ausdenkt. Der Regisseur "hat, als Zivildienstleistender, die Kleinstadt Auschwitz kennengelernt, 40 000 Einwohner, eine ganz normale polnische Kleinstadt, in der dennoch nichts normal ist. Nicht zuletzt hat Thalheim – Sven verliebt sich in Ania, die aus ihrer polnischen Kleinstadt Oswiecim nur weg will – einen Film übers Erwachsenwerden gedreht. Über eine ungewöhnliche Reifezeit. Letztlich wird man nie fertig mit dem Erwachsenwerden, nicht einmal der alte Krzeminski."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Die Tageszeitung

Wie kann an diesem Ort Platz sein für Normalität?, fragt sich laut Sven von Reden der Regisseur. "Dabei geht er äußerst behutsam vor. Keine der Hauptfiguren kommt schlecht weg - alle haben ihre Gründe. Ebenso vorsichtig agiert die Kamera und Thalheim als Regisseur. Bewusst unspektakulär sind die bräunlich gefärbten Bilder. Die Konzentration des Zuschauers soll sich ganz auf die Figuren und ihre Geschichten richten, offenbar wäre Thalheim alles andere unangemessen vorgekommen. Für einen Film, der aus der Perspektive eines 19-Jährigen erzählt ist, wirkt "Am Ende kommen Touristen" bisweilen ein wenig zu reif und ausgewogen."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Die Tageszeitung

Für Wilfried Hippen zeigt der Regisseur "mit großer analytischer Schärfe, wie der "Erinnerungsbetrieb" Auschwitz funktioniert. Wie die Mechanismen der Tourismus zwangsläufig alles banalisieren, wie die Gedächtnisstätte vielen Einwohnern des Ortes gut bezahlte Arbeit bietet, und wie an einem schönen Sommertag die jungen Polen nur ein paar hundert Meter vom ehemaligen KZ entfernt ausgelassen an einem Flüsschen baden. Weil Thalheim dabei immer konkret bleibt, und immer genau die passenden Bilder und Situationen findet, wirkt sein Film nie politisch oder polemisch. Er will irritieren, dem Zuschauer nicht Antworten liefern, sondern ihn dazu anstiften, neue Fragen zu stellen."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Frankfurter Rundschau

Wichtig, wenn auch ein wenig brav erzählt, findet Heike Kühn den Film. "Wie kann es in Auschwitz Postkarten geben? Wie nicht? Robert Thalheim hat sich für seinen Film AM ENDE KOMMEN TOURISTEN von solchen Fragen anstecken lassen und die Mühe, den Un-Ort begreiflicher zu machen, mit der Perspektive eines jungen Deutschen verknüpft, der in Auschwitz seinen Zivildienst ableisten soll."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Neues Deutschland

Für Knut Elstermann ist der Regisseur so klug, "seiner Figur eine Unbekümmertheit zu geben, die an Naivität grenzt und jedes Betroffenheitspathos vermeidet. ... Die stillen, fast dokumentarischen Beobachtungen, die vielen Peinlichkeiten, die Banalitäten des Museums-Alltags führen unausgesprochen und unweigerlich zu der Frage, welche Bedeutung das Erinnern heute noch hat und wie man es retten kann vor dem endgültigen Erkalten. Mit einer sicher gerade für junge Leute angenehmen Beiläufigkeit vermittelt der Film, dass Auschwitz ein Ort ist, der jeden in Pflicht nimmt."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Junge Welt

Anne-Lydia Mühle entdeckt bitteren, zynischen Humor, der an verschiedenen Stellen der Films durchbricht. "Was AM ENDE KOMMEN TOURISTEN ausmacht, ist Ruhe, Ereignislosigkeit, mit großer Präzision dargestellt. "Die Zuschauer sollen nicht zur Betroffenheit gezwungen werden", sagt Thalheim. Deshalb kommt die Figur Sven fast widerwilig nach Auschwitz, jedenfalls mit deutlich weniger Idealen als der Regisseur vor einigen Jahren. "Sven ist ein Beobachter", sagt Thalheim."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Die Zeit

Beeindruckend nennt Evelyn Finger das Werk. "Man kann über Auschwitz auch Witze machen. – Sogar als Deutscher, wenn nämlich das Komische auf eigene Kosten geht und nicht entlastend, sondern entlarvend wirkt. Dem Regisseur Robert Thalheim ist jetzt ein außergewöhnlicher Holocaust-Film gelungen, der mit den Mitteln der Selbstironie das Undarstellbare darstellt. ... Anders als in Roberto Benignis DAS LEBEN IST SCHÖN dient der Witz hier nicht als Überlebenstrick, sondern zerstört die Illusion eines Nachkriegsfriedens, der sich automatisch einstelle, einer Versöhnung, die den Heutigen problemlos gelinge. Robert Thalheims Am Ende kommen Touristen handelt nicht von Auschwitz, sondern von unserem Umgang mit Auschwitz."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • artechock.de

Erstaunlich findet es Rüdiger Suchsland "wie gut es dem Regisseur gelingt, einen leichten, streckenweise heiteren Grundton zu wahren, ab und an sogar witzig zu sein, trotz dieses Schauplatzes und eines Hintergrundthemas, das einem alles Lachen vergehen lässt. ... Vor allem aber ist dies ein Gegenstück zum bleiernen, grau-braunen autoritären Repräsentationskino a la DER UNTERGANG und DAS LEBEN DER ANDEREN, in denen noch jede Nebenfigur ein Symbol mit Bedeutung wird, aus denen alles Leben und Alltag ausgetrieben sind. Einem Kino, das die Vergangenheit festschnüren will und sagt: So und nicht anders war es. AM ENDE KOMMEN TOURISTEN findet die Vergangenheit in der Gegenwart, ist voller Alltag, konkret und unsymbolisch. Das ist nicht die kleinste seiner vielen Stärken."

16. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Der Schnitt

Kyra Scheurer ist enttäuscht: "Bedrückend, dicht und fesselnd ist die Geschichte von Stanislaw Krzeminski, der kongenial verkörpert wird von der polnischen Schauspiellegende Rysnard Ronczewski... Doch leider erzählt AM ENDE KOMMEN TOURISTEN, der neue Film von Robert Thalheim, nicht die Geschichte des Stanislaw Krzeminski – sondern die des tumben Sven. ... Statt dessen sehen wir einen Film, der überfrachtet wird mit symbolhaften Redundanzen, dessen Hauptdarsteller zwar akzeptabel spielt, aber für die Rolle viel zu alt und damit zu souverän erscheinend gecastet wurde und – hier kommen wir zum wesentlichen Punkt – dessen Dramaturgie über weite Strecken schlichtweg vergeigt wurde."

14. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Berliner Zeitung

Der Film kritisiert die Gedenkpolitik, meint Anke Westphal. "Es geht in diesem Film wesentlich um Repräsentation, um Symbole und um Deutungsmacht, weil das nun einmal so ist in der Wirklichkeit eines Ortes wie Oswiecim. ... Es geht in diesem Film um so unerhört viel. Natürlich um die Kälte einer Erinnerungsroutine, welche die Zeitzeugenschaft instrumentalisiert hat. Um das Recht der Toten auf ein würdiges Erinnern. Aber es geht auch um das Recht der Gegenwart gegenüber der Vergangenheit. ... Was auch immer der Mensch dem Menschen antut - am Ende kommen die Touristen. Robert Thalheim feierte 2005 mit seinem Kinodebüt NETTO einen großen Erfolg. Sein neuer Film ist nicht allein wunderbar klug und berührend - es ist der wichtigste deutsche Film seit langem."

13. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • film-dienst 17/2007

Alexandra Wach findet viel Lob für den Film: "Es ist ein Genuss zu erleben, wie Thalheim auf unwahrscheinliche dramaturgische Eskalationen verzichtet und trotz des reduzierten Inszenierungsstils intensive Momente der Annäherung schafft, mit hervorragend ausgewählter Musik unterlegte kurze Oasen des Aufatmens in einem komplizierten Geflecht aus hartnäckigen Ressentiments, simulierter und echter Betroffenheit und Missverständnissen, die inmitten des neuen Europa sogleich ein Erdbeben auslösen können. Zu den großen Stärken gehört auch die leise entlarvende Zurückhaltung, mit der Thalheim die Routine und mitunter auch Absurdität des deutschen Gedenktourismus an den Ort des Grauens einfängt."

01. August 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • epd-film 08/2007

Robert Thalheim weiß, wovon er in seinem Film erzählt, lobt Martina Knoben. "Zwar ist manches überzeichnet, etwa die unangenehmen Auftritte einiger Vertreter eines deutschen Chemiewerkes, die in Oscwiecim investieren, der Gesamteindruck aber bleibt komplex ... Eine schwierige Situation wird hier nicht vereinfacht, ihre Komplexität nicht aufgelöst in simplen Erzählmustern. Schon NETTO, Robert Thalheims erster, vielfach ausgezeichneter Spielfilm, hatte diese Qualität. Und wenn Thalheim in seinem neuen Film nun überhaupt für etwas plädiert, dann dafür, die Kompliziertheit der Situation auszuhalten."

04. Juli 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • programmkino.de

Alles geht ohne große Gefühle ab, stellt Hendrike Bake fest. "Thalheim erzählt betont unaufgeregt, mit einem Gespür für Zwischentöne und einem scharfen Ohr für geschliffen ungeschliffene Dialoge. ... Damit stellt sich AM ENDE KOMMEN TOURISTEN bewusst gegen die aktuelle Welle von
Historiengroßfilmen wie DER UNTERGANG oder DAS LEBEN DER ANDEREN. Anstatt Vergangenheit in autoritären Bildern zu fixieren, sucht Thalheim nach den Spuren und sichtbaren Folgen der Geschichte in der Gegenwart und stellt die Frage, wie sich die dritte und vierte Generation der Erinnerung an den Holocaust und Nationalsozialismus nähern kann."

24. Mai 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Berliner Zeitung

Dass es vornehmlich ein Kino der Identitätssuche ist, auch in nationaler Hinsicht, davon zeugt auch dieser deutsche Cannes-Beitrag, meint Anke Westphal. "Thalheims Film ist ein sensibel inszenierter, auch politisch bemerkenswerter Beitrag zum deutschen Streit um die Ritualisierung der Gedenkkultur: aufbereitet als Initiationsgeschichte."

22. Mai 2007 | AM ENDE KOMMEN TOURISTEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Anstrengungslos gelungene nennt Jan Schulz-Ojala den Film. Er erzählt "von einem abweisenden KZ-Zeitzeugen, den er betreuen muss, von den Lippenbekenntnissen der deutschen Landsleute und von einer beiläufig entstehenden und noch beiläufiger sich verlaufenden Liebe. Nichts drängt sich auf, nichts erdrückt, und schon öffnen sich Räume."

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