| Regie | Agnieszka Holland |
| Kinostart | 05.04.2007 |
Kirsten Liese entdeckt das große Manko des Film: das Drehbuch. Es trotzt vor allzu simplen und bedeutungsschwangeren Dialogen und eklatanten Fehlbesetzungen. "Ärgerlich auch, dass Holland so tut, als leiste ihr Film einen Beitrag zu den verkannten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts, denn im Gegensatz zu Louise Farrenc, Johanna Kinkel, Clara Schumann oder Fanny Hensel-Mendelssohn handelt es sich bei Anna Holtz um eine rein erfundene Figur. Regelrecht peinlich wird's, wenn in einer Szene eine musikalische Kostprobe dieser Pseudo-Anna serviert wird, die verdächtig an Schumanns "Wilden Reiter" erinnert. Für wie dumm will die Regisseurin ihre Zuschauer eigentlich verkaufen?"
Daniela Sannwald bleibt die Musik, immerhin ein schwacher Trost. "Länger als 100 Minuten tobt, brüllt, ja marodiert Ed Harris, nicht von ungefähr vor allem im Fach der Kommissköpfe und Haudegen tätig, über die Leinwand. Wobei seine ausgesprochen physische Darstellung des Genies auf bis zur Unflätigkeit reichende Derbheit setzt. ... Darstellerin Diane Kruger hat ihre Anna so sehr auf die tapfere, ernsthafte Musterschülerin zurechtgestutzt, dass sie jegliches Interesse an ihrer Figur erstickt."
Uninspiriert nennt Daniel Kothenschulte den Film. "Anders als seine egozentrischen Hauptfigur, hat Agniezska Hollands Beethovenfilm Der Klang der Stille das Publikum immer im Blick. Dafür lässt er die Figuren gern einmal vergessen, mit wem sie gerade reden. Oder wie: Dass man den tauben Künstler dabei schon ansehen muss, erfährt Anna Holtz gleich zu Beginn. Nicht einmal diese bescheidene Regieanweisung dieser Lebensgeschichte wird konsequent beachtet."
Ulrich Kriest fragt nach der Zielgruppe des Films. "Wer sich mit Beethovens Musik eingehender beschäftigt hat, dem wird Hollands stilisierter Künstlerquark gewiss zu trivial sein. Wer aber überhaupt keine Ahnung von E-Musik hat, dem werden einige Anekdoten und etwas Geraune ("B-Dur statt b-Moll!") auch nicht auf die Sprünge helfen. Dabei muss man gar nicht erst Huillet/Straubs meisterliche DIE CHRONIK DER ANNA MAGDALENA BACH bemühen, um zu unterstreichen, wie mittelmäßig und unentschieden Hollands Film geraten ist."
Margret Köhler führt ein Interview mit Diane Kruger.
Vorhersehbar ist der Film für Marcus Wessel. "Ed Harris, in der Darstellung exzentrischer Genies bestens geschult – die Verkörperung des Jackson Pollock brachte ihm zu Recht seine dritte Oscar-Nominierung ein –, hat sich Beethovens überlieferte Eigenarten und Manierismen überzeugend antrainiert. Leider fehlt ihm ein ebenbürtiger Antagonist. Diana Kruger fungiert größtenteils nur als hübsch anzusehende Stichwortgeberin. Ihr Charakter bleibt auffallend unausgearbeitet und blass, was sich beides weniger auf schauspielerische Defizite als auf Drehbuchschwächen zurückführen lässt. Bleiben die zweifellos starken und kraftvollen musikalischen Intermezzi."