| Regie | Dror Shaul |
| Kinostart | 07.08.2008 |
Knut Elstermann lobt den Hauptdarsteller: "Tomer Steinhof, ein Schüler aus Tel Aviv, stand als Dvir zum ersten Mal vor der Kamera und ist mit seiner Sensibilität die Idealbesetzung für diese Figur, die jenes Unzerstörbare mitbringt, das Kindern mitunter auch in schlimmsten Situationen erhalten bleibt. Mit sehr direktem, oft drastischem Humor erzählt Regisseur Dror Shaul, der den autobiografischen Bezug seines Films nie in Abrede gestellt hat, vom Alltag im Kibbuz. Der Speisesaal wird zur Bühne einer Gemeinschaft, die ungeheuren Konformitätsdruck ausübt. Augenblicke der Befreiung erlebt Dvir nur in der Natur."
Laut Caroline M. Buck spielt der Regisseur "die politische Seite seines Film gerne herunter: SWEET MUD sei gar kein Film über ein Kibbuz, kein Versuch der Aufklärung über die Schattenseiten des Lebens im Kollektiv, sondern ein Film über einen Jungen, der für seine Mutter die Elternrolle übernehmen muss, anstatt selbst beschützt zu werden. Der Ton seiner international vielfach preisgekrönten filmischen Abrechnung straft diese versöhnlichen Worte allerdings nachhaltig Lügen. Und Shaul ist auch nicht der erste, der die Kibbuz-Bewegung kritisch sieht."
Wie Katrin Hoffmann weiß, war es das Ziel des Regisseurs Dror Shaul war, ""einen Film über die Sehnsucht nach Wärme und Gefühlen zu machen, die Sehnsucht nach der Illusion, dass wir nicht tatsächlich allein sind." Das ist ihm mit Hilfe seiner fantastischen Schauspieler sehr einfühlsam gelungen."
"Seit seinen Anfängen hat das israelische Kino eine radikale Kehrtwendung vollzogen. Dominierte zu Beginn ungebrochene Aufbruchstimmung, erzählen die Filme nun von Stagnation und Lethargie.", stellt Anke Leweke fest. "Militärischer Kommandoton als Weckruf, fabrikmäßig vorgewärmte Babyflaschen, festgelegte Besuchszeiten zwischen Eltern und Kindern, lächerliche Initiationsriten auf dem Weg zum Erwachsenenwerden - immer, wenn dieser Film das individuelle Drama im Alltag eines streng reglementierten Lebens sucht, entwickelt er eine klaustrophobische Enge. Kein Wunder, dass in seinem Helden der Wunsch nach Ausbruch wächst."
Hat der Kibbuz tatsächlich derart versagt, dass Menschen in den Selbstmord oder ins Irrenhaus getrieben wurden, fragt sich Peter Gutting. "SWEET MUD lässt das bewusst offen, und das ist gut so. Er gibt die Sichtweise von Miri wieder, aus der diese Anklage bei einem Nervenkollaps herausbricht. Doch er stellt sie nicht als einzig mögliche Interpretation dar. Vor allem zeigt er Menschen, wie sie wirklich sind, weder reine Helden noch komplette Sünder. Und das ist bei einem solch ideologisch aufgeladenen Thema nie verkehrt. Denn die Kibbuz-Bewegung mag sich seit den 1970er Jahren von vielen Gemeinschaftsprinzipien verabschiedet haben."
Eine kalte Welt, in der starre Regeln die menschliche Wärme verhindern, hat Hendrike Bake wahrgenommen. "Dennoch ist SWEET MUD weniger Abrechnung mit der Kibbutzbewegung, als ein oft trauriges, manchmal bitter-komisches, nie resigniertes Porträt eines Jungen der versucht, für seine Mutter die Mutterrolle zu übernehmen und dabei von den Erwachsenen alleine gelassen wird. Wie Dvir Miri die Treue hält, sie zu trösten versucht und immer wieder auf Zeichen erwachender Lebensfreude hofft, ist phänomenal gespielt und herz zerreißend anzusehen."
"Ist es möglich Individualität und Freiheit mit dem Wunsch nach Gemeinschaft zu verbinden? Die authentische Darstellung einer engen Mutter-Sohn-Beziehung und der Suche nach dem eigenen Weg hat uns tief berührt."
Datenblatt des Films.