Ute Hermanns hat sich mit dem brasilianischen Regisseur Cao Hamburger über São Paolo im Jahr 1970 und die Entdeckung der eigenen schlummernden Geschichte unterhalten.
Tiziana Zugaro-Merimi sah einen gelungenen Höhepunkt, der das Schöne und das Traurige untrennbar miteinander verbindet. "Sehr schön zeigt der Film, wie Mauro – der nicht jüdisch erzogen wurde – das Leben in dem traditionell geprägten Viertel kennen lernt und allmählich Teil der bunten Kosmos dort wird. Zwischen Fußballfieber, Kleine-Jungen-Streichen und den Schrullen der alten Leute im Viertel zeigt der Film einen überzeugenden Sinn für Tempo und Komik. Dennoch kippt er nie in bloßen Klamauk ab, denn der politische Subtext ist immer wieder zu spüren."
Für Peter Uehling erzählt der Film mit einem ungeheuren Feingefühl, "wie Jungen träumen, wie sie sich langweilen, ärgern, freuen, und trotz der melancholischen Grundstimmung gibt es einiges zu lachen. Die Dramaturgie des Films läuft auf emotionale Höhepunkte hin wie jede gute Geschichte. Aber sie sind gleichsam erstickt durch die kindliche Optik der Nahaufnahmen und der durch Tür- oder Fensterrahmen verstellten Blicke, andererseits wirken sie durch den epischen, motivisch verwinkelten Aufbau der Geschichte besonders tief motiviert. Michel Joelsas ist als Mauro das traumwandlerisch sichere Zentrum des Films."
Einen konzentrierter, eindringlicher Film mit seinem ganz eigenen, schönen Rhythmus sah Christina Tilmann. "Die 'bleiernen Jahre' der brasilianischen Militärdiktatur, die untergetauchten Eltern, die nichts von sich hören lassen, plötzliche Polizeigewalt und Studentendemonstrationen: Das erinnert entfernt an Christian Petzolds DIE INNERE SICHERHEIT, der ebenfalls aus Kindersicht eine Geschichte des Verschweigens und Verschwindens erzählte."
Ungewöhnlich poetische Bildern findet der Regisseur, lobt Gunnar Decker. "Ohne viele Worte zeigt uns Hamburger nun, wie Mauro seine neue Umwelt erkundet. Straßenbilder vom Jubel über die Siege Brasiliens sehen wir nicht. Der Film lebt von seiner intimen Sicht auf lauter zurückgezogene Existenzen. Man ist vorsichtig, Angst prägt die Atmosphäre, macht selbst aus der Freude über geschossene Tore einen privatimen Akt. Ein Land in öffentlicher Apathie."
Herzergreifendes, mit großer Leidenschaft inszeniertes Gemütskino sah Wolfgang Höbel. "Mit schöner Liebe zum Detail zeigt Regisseur Cao Hamburger die für den Jungen (und viele Kinozuschauer) fremde Welt des Exilantenviertels und die schockierende Einsamkeit des Kindes, die Bolzplatzspiele der Kleinen und die Kalter-Krieg-Stimmung unter den Erwachsenen. Manchmal ist Hamburgers Film ein wenig schwerfällig und allzu sehr verliebt in sein Milieu, aber dann überrascht er einen wieder durch jähe Ausbrüche von Fußballbegeisterung oder den Kuss, den der Held von einer sagenhaft schönen jungen Frau aufgedrückt bekommt."
Datenblatt des Films.
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