BRAND UPON THE BRAIN!

film-zeit Film: BRAND UPON THE BRAIN!
Regie Guy Maddin
Kinostart 17.12.2009
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Inhalt • BRAND UPON THE BRAIN!

Guy und seine Schwester wachsen auf einer Insel auf. Seine herrschsüchtige Mutter überwacht alles von der Spitze des Leuchtturms, sein skurriler Vater experimentiert im Kellerlabor. Zudem beherbergt man Waisenkinder, an deren Köpfen die späteren Adoptiveltern rätselhafte Wunden entdecken. Ein weiteres Geschwisterpaar wird auf die Insel geschickt: die Lightball Kids, zwei Detektive, die Licht in das Dunkel bringen sollen. Die Schwestern und Brüder werden in den Gefühlsstrudel der ersten Liebe gerissen, währenddessen kommt im Elternhaus Abgründiges zum Vorschein.

Kritiken • BRAND UPON THE BRAIN!

09. Dezember 2009 | Kritik • critic.de Partner von film-zeit

Nino Klingler sah einen zuckenden Zombie des Kinos, die Filmwerdung der unverdrängbaren Geister der Vergangenheit. "Denn BRAND UPON THE BRAIN! (film-zeit Trailer: BRAND UPON THE BRAIN!) ist ein eigenartiger Hybrid aus Stummfilm und Off-Kommentar. Auf Festivals wurden die Erläuterungen live gesprochen, die Filmmusik orchestral aufgeführt. Dieser performative Gestus durchdringt auch die Kinofassung des Filmes: Isabella Rossellini faucht, schreit, flüstert. Gemeinsam mit den ewig wackelnden Bildern, den vertrackten Rhythmen der Montage und der schrillen Geschichte ist der Film eine höchst anstrengende Herausforderung, Kunstkino par excellence sozusagen. Aber wenn die Story zum Ende hin immer mehr in Richtung Vampirhorror driftet, Streichersätze im ewigen Crescendo die Frankensteingeburt des Vaters begleiten, dann will man in die Hände klatschen, weil man nix versteht und doch alles zusammenpasst."

17. Dezember 2009 | Kritik • Berliner Zeitung

kurril, expressionistisch, unheimlich nennt Bert Rebhandl den Film. "Für Guy Maddin verbinden sich die obsessiven sexuellen Besetzungen seiner Figuren unmittelbar mit dem frühen Kino: Der Expressionismus von Mabuse und Caligari, von Fantomas und Nosferatu ist in BRAND UPON THE BRAIN! (film-zeit Trailer: BRAND UPON THE BRAIN!) so untot, wie das nur in der zeitlosen Welt der Triebe möglich ist. Wer sich damit gut identifizieren kann, wird mit BRAND UPON THE BRAIN! (film-zeit Trailer: BRAND UPON THE BRAIN!) ein Fest erleben. Alle anderen können eine verschroben-nostalgische Kunstanstrengung bewundern."

17. Dezember 2009 | Kritik • Die Tageszeitung

Einen ironisch-albtraumhaft Bericht aus der Horrorkindheit seines Schöpfers, sah Jan Kedves. "Guy Maddins Kindheit ist eine einzige Verstörung - und man schaut ihm dabei höchst fasziniert und gleichfalls verstört zu, denn BRAND UPON THE BRAIN! (film-zeit Trailer: BRAND UPON THE BRAIN!) ist nicht nur ein detailversessen nachgebildeter Stummfilm inklusive körniger Schwarzweißbilder und eingeblendeter Texttafeln, sondern Maddin bricht die erzielte Ästhetik gleichzeitig dadurch, dass er die Schnittfrequenz zu einem nervösen Stakkato beschleunigt. Das Publikum in den Zwanzigern kannte ein solches Tempo noch nicht, geschweige denn wäre es damit zurechtgekommen. So wie BRAND UPON THE BRAIN! (film-zeit Trailer: BRAND UPON THE BRAIN!) sind heute höchstens die Köpfe von Computerkids mit Hyperaktivitätssyndrom getaktet."

17. Dezember 2009 | Kritik • Der Tagesspiegel

Kurios nennt Sebastian Handke den Film. Er "verbindet Melodram, Komödie, Märchen und Stummfilmexpressionismus zu psychosexuellen Traumturbulenzen. Der Film entfaltet eine narkotische Wirkung mit seinen schattierten Einzelvignetten, die da stottern und flackern, kürzer oft als eine Sekunde; doch es wäre kein Film von Guy Maddin, wenn dieser Fiebertraum nicht stets von sonderbarem Humor gebrochen würde, diesmal in den sarkastisch-melodramatischen Zwischentiteln. Und wieder greift Guy Maddin ein anderes Genre auf: den Detektivfilm."

17. Dezember 2009 | Kritik • Neues Deutschland

Warum mit Gefühlen kleckern, scheint laut Caroline M. Buck "das Motto seiner Spielfilme zu sein, wenn man auch klotzen kann, warum den Zuschauer eine Emotion zur Zeit auskosten lassen, wenn man ihn nachhaltig aus der Ruhe bringen kann: mit brüsken Richtungswechseln, mit detektivischem Graben in verborgenen Verletzungen und sonstigen, meist nicht eben positiven Kindheitsreminiszenzen, mit stets mehr oder weniger verirrten sexuellen Gelüsten, ausgesprochenen Horrorszenarien und immer abstruseren Bilderfindungen in körnigem 8-mm-Film (auch das ein Versuch, einer vergangenen Ära ästhetisch zu einer Wiedergeburt zu verhelfen, vorgeführt wird dann aber ganz modern digital)."

17. Dezember 2009 | Kritik • Junge Welt

Hier geht es laut Peer Schmitt um alles: "um Bilder des Gedächtnisses, um das Aufzeichnen und Verlieren von Spuren, eigenartige Apparaturen, Brandmarken im Hirn und natürlich um Aspekte der Psychoanalyse und von ihr inspirierter Filmtheorie (Guy Maddin ist ja im Hauptberuf Filmhistoriker)."

17. Februar 2007 | Kritik • Berliner Zeitung

Schaurig schön findet Katja Lüthge den Film. "Die grobkörnige und wacklige Stummfilmästhetik ist perfekt imitiert. Maya Lawson, die im Film Guys Schwester Sis spielt, leiht dieser großartigen Mischung aus Horror- und Detektivgeschichte ein umwerfend passendes Gesicht. Wer sich den Dämonen seiner Kindheit so hinreißend und amüsant stellen kann, hat wenigstens nicht umsonst gelitten."

17. Februar 2007 | Kritik • Der Tagesspiegel

Einen magischen Fiebertraum sah Sebastian Handke. "Wie die meisten Maddin-Filme entfaltet auch BRAND UPON THE BRAIN! narkotische Wirkung, gebrochen von Maddins absurdem Humor in Bild und Wort. Viele der schattierten Einzelvignetten sind gar nicht ganz da, sie stottern und flackern in winzigen Schleifen, kürzer oft als eine Sekunde. Ein unverdaulich nervöses Bildstakkato, wäre da nicht Jason Staczeks romantisch-impressionistische Musik, die sich mit den Bildern zu einem gleitenden Fiebertraum verbindet."

16. Februar 2007 | Kritik • Der Spiegel

Daniel Haas ließ sich von großem Kino den Kopf verdrehen. "Maddins Schwarzweißfilm mixt Leni Riefenstahl mit David Lynch, zitiert Comics und Bunuel und wirkt dabei nie kunstbeflissen. Stattdessen erzählt BRAND UPON THE BRAIN! vom Kindsein mit schwarzem Humor und hellsichtigen Metaphern. Die böse Mutter zum Beispiel späht ihre Kinder mit einem Fernrohr aus und bellt durch ein allmächtiges Sprechrohr ihre Befehle. Ulkiger lässt sich das Über-Ich nicht auf die Leinwand bringen."

16. Februar 2007 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Surrealismus und Melodram, früher Horror, expressionistische Schauspielerei, Texttafeln und pechschwarzer Humor sind die Bestandteile des Kinos von Maddin, schreibt Verena Lueken. "Die Schauspieler spielten, als ginge es ihnen tatsächlich an den Kragen, der Kastratengesang zitterte, bis eine Tür zufiel, ein Zwischentitel annoncierte: Dinner as usual. Grim, und die Mutter zwischen Jugend und mittleren Jahren hin- und herpendelte, bis es wieder hieß: Mother raging. Aging. Wäre Bürgermeister Wowereit unter den Zuschauern gewesen, müßte man sagen: Alle waren da. So waren es fast alle, und soweit das in der Deutschen Oper möglich ist, tobten sie vor Begeisterung, dass die Wände wackelten."

15. Februar 2007 | Kritik • Die Tageszeitung

Tollen Hormonstau-Horror bietet der Film laut Andreas Busche. Der Regisseur "sich Stilmitteln früher Krimi-Serials, des Splatter-Theaters Grand Guignol und - natürlich - des expressionistischen Horrorfilms. Aber weder das Vampir-Ballett DRACULA - PAGES FROM A VIRGIN'S DIARY noch der bizarre Song-Contest THE SADDEST MUSIC IN THE WORLD haben uns gebührend auf BRAND UPON THE BRAIN! vorbereitet. Er ist Maddins erster wirklicher Stummfilm."

13. Februar 2007 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Verrückt und originell nennt Heike Kühn den Film. "Die Bilder verschwimmen in Überblendungen und dem gleißenden Licht der caligaresken Groteske, die Schatten sind bedrohlich, der Rhythmus erscheint uns sprunghaft, weil der Stummfilm den Umschnitt von einer Figur auf ihre Teilansicht, sagen wir, auf abgrundtief geschwärzte Augen, als dramatische Vertiefung der Situation verstand, als Schwanken einer sichtbar werdenden Seele. Auch die Themen und der Genremix, den Maddin in seine "wahre" Geschichte von Pubertät und sexueller Initiation, von symbolischem oder gelegentlich wunderbar real erscheinendem Vatermord einfließen lässt, bleiben im Rahmen der großen Stummfilmerzählungen."

07. Februar 2007 | Kritik • Berlinale

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