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MADONNEN

MADONNEN

Regie Maria Speth
Kinostart 06.12.2007

Kritiken • MADONNEN

08. Dezember 2007 | MADONNEN • Kritik • Der Spiegel

Thorsten Dörting möchte sagen, es ist ein kleiner Film, ein feiner Film, sperrig und spröde zwar, anstrengend - aber gut. Die Regisseurin "will beobachten, will zeigen ohne aufzuzeigen. Sie verzichtet auf eine Katharsis für Rita und versucht, Fragen der Schuld zu umgehen - die Rhetorik ihrer Figuren ist karg. Der Film hätte zu einer wunderbaren Ratlosigkeit darüber führen können, was denn nun eigentlich da ist, zwischen Mutter und Tochter, wohin mit dem Verlangen nach Nähe und dem Unbehagen damit. Doch der Minimalismus des Drehbuchs erweist sich als Schwäche."

07. Dezember 2007 | MADONNEN • Kritik • critic.de

Geduld und ein wenig Frustrationstoleranz verlangt der Film vom Zuschauer, glaubt Lukas Foerster. "Endgültig entfernt sich Madonnen hier von der Logik des Erzählkinos, das ansonsten als Kontrastfolie natürlich immer präsent ist, und entwickelt kleine, wunderbar beobachtete Miniaturen ohne jeden Bezug zur ohnehin nur sporadisch präsenten Haupthandlung. Und zumindest die subtil anarchische Szene, in welcher die Kinder, von allen Erziehungsberechtigten befreit, Isabellas Wohnung okkupieren, gehört zu den schönsten Momenten dieses Kinojahres."

06. Dezember 2007 | MADONNEN • Kritik • Berliner Zeitung

Philipp Bühler entdeckt den großen Verdienst der Regisseurin: Überhaupt kein Urteil zu fällen, sondern nüchtern beschreibend den Zuschauer zu konfrontieren. "Speths zweiter Spielfilm nach IN DEN TAG HINEIN ist das Porträt einer Rücksichtslosen, die ihren Weg geht, ohne viel Sinn und Verstand. Es erschreckt, fordert aber auch Respekt ab. ... Das ist gelungen und über weite Strecken sogar unterhaltsam, vor allem dank einer umwerfenden Sandra Hüller. Wie sie die Mutterrolle konsequent nicht ausfüllt, jedes entsprechende Gefühl unterbindet, weckt verstohlene Sympathie. Rita kauft ihren Kindern keine Fahrradhelme. Sie stellt ihnen gerade mal das Essen auf den Tisch und geht in die Disco."

06. Dezember 2007 | MADONNEN • Kritik • Die Tageszeitung

Erstaunlich differenziert nennt Cristina Nord das Bild einer jungen Frau, die ihre Kinder vernachlässigt. "Es gibt Filme, die eine Figur wie Rita wie eine Laborratte in einer Versuchsanordnung antreten lassen. ... Diese Unbarmherzigkeit ist Speth fremd, ihr geht es nicht darum, die Schlechtigkeit der Welt herauszustreichen, ihr geht es ums Registrieren, ums Beobachten. Das führt auch dazu, dass man Rita in heiteren, entspannten Augenblicken erlebt, beim Tanzen mit den GIs oder mit einem Gin Tonic in der Hand, in einen ruppigen Flirt verwickelt. MADONNEN macht seinen Zuschauern das Geschenk, dass sie selbst sehen müssen, wie sie damit klarkommen."

06. Dezember 2007 | MADONNEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Christina Tilmann sieht einige Vorbilder. "MADONNEN ist ein Film, der seine Zuschauer so unbehaglich entlässt, wie auch die Protagonisten sich fühlen. Stilistisch erinnert er an das Werk der belgischen Gebrüder Dardenne – und weil sie ihn mitproduziert haben, spielt eine Episode in Belgien, mit dem Dardenne-Schauspieler Olivier Gourmet als Ritas leiblichem Vater. Vor allem erinnert MADONNEN an Dardennes DAS KIND: Nur dass Maria Speth ihrer Rita selbst den Hoffnungsschimmer verwehrt."

06. Dezember 2007 | MADONNEN • Kritik • Frankfurter Rundschau

Für Heike Kühn ist dies kein Hohelied auf die heilende Kraft der Liebe. "Geduld ist in Maria Speths weniger bebilderndem als innere Bilder freisetzendem Film die Voraussetzung für die erlösende Ambivalenz, die den ebenso befremdlichen wie provokanten Szenen innewohnt. ... Drei große Schauspielerinnen, neben Sandra Hüller und Susanne Lothar die erst 13-jährige Luisa Sappelt, vertiefen die Nuancen einer anerzogenen Lieblosigkeit, die Mutterinstinkt und madonnenhafte Selbstlosigkeit radikal in Frage stellt."

06. Dezember 2007 | MADONNEN • Kritik • Die Zeit

Das Besondere an diesem Film ist weniger die Wahl der verschlossenen Hauptfigur als seine neutrale, man könnte auch sagen: faire Haltung zu ihr, stellt Katja Nicodemus fest. "Madonnen will Rita nicht erklären und nötigt ihr auch keine Geschichte auf. Es gibt keine Psychologie und keine Schuldzuweisung. Völlig unvermittelt springt die Kamera in dieses Leben hinein und wird es nach zwei Stunden genauso plötzlich wieder verlassen. ... Sandra Hüller spielt Rita mit einer Mischung aus Aggressivität und Taubheit, Abweisung und uneingestandener Sehnsucht. In manchen Szenen ist kaum zu ertragen, wie sehr ihre Figur in sich gefangen ist."

27. November 2007 | MADONNEN • Kritik • kino-zeit.de

Marie Anderson hat sich von dem Film überzeugen lassen: "Vom Titel über die eigenwillige Hauptfigur und die unbequeme Thematik bis zur recht kühlen Machart, die gerade nicht auf emotionalisiertes Zurschaustellen der Charaktere abzielt, ist MADONNEN der Regisseurin Maria Speth ein äußerst provokativer Film, dessen mitunter schwer erträgliche Härte den Zuschauer bisweilen schmerzt, vor allem angesichts des Elends der Kinder, das für diese ihre ganz gewöhnliche Wirklichkeit darstellt. Liegt der Fokus auch deutlich auf dem extremen Einzelschicksal von Rita und ihrer Familie, wird doch deutlich, dass es um Befindlichkeiten geht, die Generationen von Müttern, die wiederum Mütter hervorbringen, innerhalb ihrer gesellschaftlichen Konstellationen nicht selten reproduzieren."

25. Oktober 2007 | MADONNEN • Kritik • programmkino.de

Volker Mazassek lobt besonders die Hauptdarstellerin: "Sandra Hüller, die dank ihrer Vorstellung in Hans-Christian Schmids REQUIEM hoch dekorierte Entdeckung des deutschen Films, spielt ihren Part als Rabenmutter mit kalter Konsequenz durch – sicherlich eine harte emotionale Herausforderung. Als ebenbürtig erweist sich Luisa Sappelt, das älteste ihrer Film-Kinder. So traurig und verzweifelt hat man selten eine Kinder-Darstellerin agieren sehen. Eine herzerweichende Leistung."

12. Februar 2007 | MADONNEN • Kritik • Berliner Zeitung

Der Film bleibt laut Ralf Schenk ganz in der Gegenwart. "er liefert kaum biografisches Hinterland: Nur durch eine einzige knappe Andeutung erfährt man, dass Rita als Kind von ihrer Mutter im Stich gelassen wurde. Auch sonst lässt sich MADONNEN nicht auf psychologische Ursachenforschungen oder soziologische Thesen ein: Maria Späth skizziert vorurteilslos und ohne moralischen Zeigefinger, wie ein Mensch gegen den Strom der Erwartungen schwimmt. ... MADONNEN beobachtet, wie die Unfähigkeit zum ritualisierten Familienleben von einer Generation auf die andere abfärbt."

12. Februar 2007 | MADONNEN • Kritik • Die Tageszeitung

Hannah Pilarczyk beschäftigt sich mit der Hauptdarstellerin Sandra Hüller. "spielt ihre Figuren analytisch, scheint in ihnen gesellschaftliche Zwänge zu verdichten, Handlungsoptionen abzuschätzen - eine Qualität, die irritiert, weil gerade von jungen Schauspielerinnen erwartet wird, dass sie sich ihre Rollen mit Empathie statt mit rationaler Durchdringung erschließen. Die intellektuelle Durcharbeitung, die Hüller mit ihren Figuren betreibt, ist auch in MADONNEN präsent: Als ob schon von vornherein klar genug wäre, was die Handlungsmuster ihrer Figur sind, spielt Sandra Hüller ihre Rita sehr ähnlich wie Michaela und gibt ihr keine neue, eigene Körpersprache."

09. Februar 2007 | MADONNEN • Kritik • Der Tagesspiegel

Christiane Peitz hat einiges vermisst, z. B. "die Empathie eines Ken Loach, der in LADYBIRD, LADYBIRD eine ähnlich chaotische Mutter porträtierte. Bei Loach kann man verstehen, warum Menschen sich unmöglich verhalten. Warum Rita zerstört, was sie liebt, bleibt ihr Geheimnis. Aber vielleicht ist so viel Distanz nötig, um nicht in die Falle sozialpädagogischer Fürsorglichkeit zu tappen. Dass Fanny, die älteste Tochter, am Ende trotzig so etwas wie Mutteranwesenheit einklagt, ist fast schon ein kleines Wunder. Eins zum Verzweifeln."

07. Februar 2007 | MADONNEN • Kritik • Berlinale

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