| Regie | Gore Verbinski |
| Kinostart | 24.05.2007 |
China zensiert FLUCH DER KARIBIK 3 - AM ENDE DER WELT.
Der Blockbuster entert die Kapitalismuskritik, meint Daniel Haas. Der Film wird "ein Millionenpublikum begeistern, ganz einfach, weil genügend Schiffe, Festungen und Statisten in die Luft fliegen. Die Explosion ist immer zeitgemäß, ihr Erregungspotential kommt nicht aus der Mode. Ansonsten aber ist dieser Blockbuster ein melancholischer Film, der sein ideologiekritisches Programm von Szene zu Szene konterkariert, persifliert, zerspielt. Ein Millionen Dollar teurer Schwanengesang über den Preis der Globalisierung und den Siegeszug des Tauschwerts."
Oliver Zelt schreibt über die echten Piraten alten Schlages, die ganz anders waren als die in Hollywood-Filmen.
Tatsächlich segelt Teil 3 seinem Vorgänger mit Leichtigkeit davon - einen sicheren Hafen findet er deswegen aber noch lange nicht, meint Michael Kohler. "Den Rhythmus und die Eleganz der klassischen Piratenfilme hatte Fluch der Karibik nie, nun ist auf dem Weg zu neuen Einspielrekorden auch noch die Lust an der intelligenten Persiflage verloren gegangen. Schließlich wird selbst Johnny Depp seiner Zirkusnummer müde und scheint sich nur noch für die Begegnung mit seinem Leinwandvater Keith Richards zu interessieren. ... Zur prägenden Figur der abschließenden Folge schwingt sich aber nicht der Gaststar, sondern Lord Cutler Beckett auf. Er fügt sich so apathisch ins dramaturgisch gänzlich unmotivierte Schurkenschicksal als wollte er uns alle damit beschwören: Habt Erbarmen, lasst es enden!"
Britisches Understatement und kolonialen Stil hat Jürg Zbinden ausgemacht. Er lobt besonders Johnny Depp alias Jack Sparrow. "Seine verschiedenen Ichs geraten sich unentwegt selber in die verfilzten Haare. Diese absurde und surreale Inszenierung einer Vorhölle, die an Gemälde von Dalí erinnert, ist eine bildgewaltige Erneuerung Verbinskis, die überrascht und die zu den stärksten Sequenzen des Films gehört."
Aus dem Ruder läuft für Peter Uehling der Piratenfilm. "Pathos, Albernheit, Anspruch, Optik und Mysterium gehen hier eine Mischung ein, die auf knappe drei Stunden gestreckt, explosiv bis unverdaulich ist. Aber der Regisseur Gore Verbinski, der alle drei Teile inszeniert hat, ist ein gerissener Hund. Wenn schon das Drehbuch aus dem Ruder läuft, dann wäre es albern, das als Regisseur einholen zu wollen. ... Wie Verbinski die fahrige Handlung zusätzlich durcheinander bringt und damit einen Film schafft, der sich völlig von den Pflichten erzählerischer Logik und moralischer Nutzanwendung löst, das ist auf seine schräge Art hochinteressant."
Tobias Rapp entdeckt das Eigentliche unter dem großen Getöse: Piraten als Globalisierungsgegner. "Großartige Idee natürlich: Vor dem Hintergrund des G-8-Gipfels gehört nicht viel dazu, in dieser Konstellation einen klassischen Fall von Übertragung zu entdecken, wie man ihm in der Psychoanalyse jeden Tag begegnet: Räuber bleiben die Gipfelteilnehmer natürlich, aber um der eigenen Verstrickung in die komplizierten gesellschaftlichen Verhältnisse Herr zu werden, spaltet man sie vom Imperium ab, um sie zu Identifikationsobjekten machen und sie so gegen die Macht wenden zu können."
Kurzweilig findet Christiane Peitz den Film, apart Johnny Depp. "Die 169-Minuten-Story: wieder pures Seemannsgarn. Unmöglich, das Knäuel aus Inselmärchen, Piratenlegenden und nautischen Epen zu entwirren. Poseidonsaga trifft Fantasy trifft Menschheitsmythen und Urangstszenarien: ein Cocktail aus Bibel, Odyssee, Goethes faustischem Pakt, Robinson Crusoe, Wagner-Oper, APOCALYPSE NOW, TITANIC und Schätzings "Schwarm". Manchmal sorgt der IdeenOrkan für allzu rauen Seegang, und der Zuschauer hängt gleichsam grüngesichtig über der Reling. Egal."
Ein bombastisches, überlanges Effektabenteuer mit einem herrlichen Johnny Depp sah Florian Kummert. Der Regisseur "liefert gewohnt solide Kost ab, doch er überspannt die Laufzeit massiv. Geschlagene 169 Minuten dauert der Seemannsgarn, und das trägt das dünne, pseudo-komplizierte Drehbuch diesmal beim besten Willen nicht. Schwerfällig kommt der Film daher, immer einen Tick zu lang, und leider auch ohne den subversiven Witz der Vorgänger. Richtig gute Gags sind den Autoren diesmal selten eingefallen, selbst Jack Sparrow hat wenig knackige One-Liner zu bieten."