| Regie | Tony Scott |
| Kinostart | 27.12.2006 |
Jeder hat dieses Gefühl schon einmal erlebt. Du kommst an einen Ort, den du nicht kennst. Und doch kommt er dir bekannt vor. Du siehst in das Gesicht eines Fremden. Und doch glaubst du, diese Person schon immer zu kennen. Was wäre, wenn es sich bei diesen Déjà-vus um Warnungen aus der Vergangenheit oder Hinweise auf die Zukunft handeln würde? Zu dieser Überzeugung kommt ATF-Agent Doug Carlin. Nach einem verheerenden Anschlag auf eine Fähre in der Südstaatenmetropole New Orleans merkt er schnell, dass seine Déjà-vus mehr sind als nur Sinnestäuschungen. Sie könnten ihm dabei helfen, das Leben hunderter unschuldiger Menschen zu retten – wenn er den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt...
Für Gerhard Midding ist die Prämisse der Geschichte natürlich ausgemachter Humbug. "Die Drehbuchidee geriert immerhin einige atemraubende Action-Szenen, namentlich eine halsbrecherische Verfolgungsjagd auf zwei Zeitebenen. Dass sich der Attentäter nicht als Ausländer, sondern als fanatischer Nationalist entpuppt, ist nicht nur politisch korrekt, sondern auch soziologisch triftig. Und wo die Metaphysik allzu heftige Volten schlägt, erdet Washington die Geschehnisse in bewährter Manier."
Eberhard von Elterlein erwartet keine Sozialkritik am Überwachungsstaat, dafür hat er technisch viel gesehen: "Zeitlupe und Reißschwenks, Blitzzooms und digitale Tricks, Puppen, die ins Wasser fallen, und Hubschrauber, die aus dem Off knattern – Tony Scott bietet einmal mehr sein ganzes filmisches Arsenal auf, um den Zuschauer in seine Geschichte zu ziehen. Überaus spannend und straff erzählen Scott und Bruckheimer mit "Schneewittchen" versteckt von ihrem eigenen Kino. Ein Kino, das Zeit und Raum (und manchmal Gesetze der Logik) spielend und spektakulär überwindet."
Dietmar Kammerer ist enttäuscht: "In den Bildern von brennenden Menschen, die durch die Luft geschleudert werden, fallen, hart aufschlagen, wird dem Zuschauer schon sein erstes Déjà-vu serviert. Die Referenz auf die World-Trade-Center-Anschläge ist so überdeutlich, wie sie leer bleibt. Der Film zählt dann in rascher Folge die weiteren nationalen Traumata der vergangenen Jahre auf, winkt aber mit lauter Zaunpfählen, hinter denen nichts zu sehen ist. Schauplatz des Bombenterrors ist New Orleans, doch die von "Katrina" verwüsteten Stadtviertel, die immer noch auf ihren Wiederaufbau warten, werden nur für Sekunden ins Bild gerückt."
Der Film wartet nicht nur mit beeindruckenden pyrotechnischen Verpuffungen auf, sondern auch mit einer interessanten dramaturgischen Innovation, behauptet Christian Schröder. "Die Auflösung bietet alle Kniffe eines mit Schusswechseln, Verfolgungsjagden und Feuerbällen aufgemotzten Action-Spektakels. Allerdings leidet sie stark darunter, dass der Zuschauer Déjà-vu-artig den jeweils nächsten Schritt der Handlung immer schon vorher kennt. So ist DéJà VU zwar nicht sonderlich spannend, fügt dem Science-Fiction-Genre aber immerhin eine bemerkenswerte neue Facette hinzu."
Michael Kohler erwartete einen Film auf den neuesten Stand eines von Spezialeffekten beschleunigten Erzählens. "Wie eine Fata Morgana seiner selbst wirkt auch Déjà Vu. Seiner Bildwelt fehlt die schwindelerregende Eleganz, mit der Scott bei ENEMY OF THE STATE immer haarscharf auf der Grenze zum Vorstellbaren balancierte, und andererseits vermisst man die aberwitzige "Was soll's, wir machen's einfach"-Mentalität seines letzten Films DOMINO. Dennoch verhallt das ferne Echo einer Toten nicht ungehört. In Denzel Washington hat DéJà VU einen Hauptdarsteller, der jede Last auf seinen Schultern tragen kann."
Hollywoodstar Denzel Washington kann in seinem neuen Film DE JAVU die Vergangenheit ändern. Patrick Heidmann (BLZ) spricht mit dem Schauspieler.
Sara Mously beschäftigt sich mit dem psychologischen Phänomen. "Das Drehbuch stützt sich auf nichts Geringeres als die physikalische Annahme, dass es eine unendliche Zahl von Paralleluniversen gibt. Laut dieser Theorie treten Déjà-vus immer dann auf, wenn die Raumzeit durcheinander gerät und sich Paralleluniversen dadurch überkreuzen. Das klingt fantastisch. Doch wer seriöse Wissenschaftler nach der Ursache von Déjà-vus fragt, muss feststellen: Viel besser wissen die es auch nicht."
Andreas Kilb unterhält sich mit dem Schauspieler über sein Weltverbesserungstum.
Heidi Reutter bezeichnet den Film als bizarre Utopie. "Tony Scott inszeniert spannend und atemlos, er ist ein routinierter Thriller-Regisseur, bei dem jede Einstellung sitzt, ebenso wie jeder Schnitt. Ein bisschen aber haben es die Filmemacher übertrieben mit der futuristischen Zeitmaschinen-Geschichte. Nicht nur, weil sie letztlich einen staatlichen Voyeurismus legitimiert, sondern auch, weil sie gänzlich unglaubwürdig ist. Es ist die Utopie, das Schicksal abwenden, in die eigene Hand nehmen zu können - selbst wenn es darum geht, einen Terroranschlag zu vereiteln."
Rüdiger Suchsland empfiehlt sich nicht weiter um Plausibilität, Ungereimtheiten, pseudowissenschaftliche Behauptungen und absurde Hypothesen zu kümmern. "Tatsächlich handelt es sich hier nur um wissenschaftlich verbrämte Esoterik in Mainstream-Form. Man hat die Voraussetzungen zu akzeptieren. Schwerer fällt ins Gewicht, dass sich der Film nicht an seine selbstgesetzte Logik hält. ... So stellt sich beim Zuschauer jener Widerwille ein, der typisch ist, wenn man sich reiner Willkür ausgesetzt fühlt, und der Kunstgriff eines "deus ex machina" erhält neue, ungeahnte Bedeutung."
Bernd Teichmann und Matthias Schmidt erzählt Denzel Washington einiges über die Dreharbeiten.