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DAY NIGHT DAY NIGHT

DAY NIGHT DAY NIGHT

Regie Julia Loktev
Kinostart 25.09.2008

Kritiken • DAY NIGHT DAY NIGHT

25. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • Berliner Zeitung

Beklemmend fühlte sich Dirk Pilz bei DAY NIGHT DAY NIGHT. "Dass dies überhaupt gelingt und weder in Psychokitsch noch in Terror-Entschuldigung kippt, ist dem überaus genauen, intensiven, rückhaltlosen Spiel von Luisa Williams zu verdanken. Sie ist grandios, und die Kamera ist ihr immer dicht auf den Leib gerückt. Sie badet, rasiert sich die Achselhöhlen, liegt in der Wanne, stiert an die Decke und weint. Der Film zeigt alles schrecklich direkt und immer ohne Musik. Jetzt ist es, als ob die Kamera in sie hineinkriechen wolle, um herauszubringen, was diese Frau antreibt, welcher Glaube, welche Hoffnung in ihr haust."

25. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • Die Tageszeitung

Andreas Busche setzt sich mit dem stark konzeptuellen Charakter des Films auseinander. "Je weiter Loktev abstrahiert, desto mehr rückt doch das persönliche Drama in den Vordergrund. Und hier liegt das Problem von DAY NIGHT DAY NIGHT: Loktevs formal hochgradig sachliche, von allen politischen Implikationen abgelöste Betrachtungsweise liefert keinen Erkenntnisgewinn. So interessant ihr Versuch einer Ent-Sensationalisierung der Terrorproblematik zunächst scheint, so wird DAY NIGHT DAY NIGHT mit fortschreitender Dauer doch zu einer frustrierenderen Erfahrung."

25. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • Der Tagesspiegel

Wer etwas über die Motive von Selbstmordattentätern erfahren will, ist hier laut Julian Hanich falsch. "Loktev versucht, alles Politische wegzulassen. Ja, es wirkt beinahe ironisch-verächtlich, wie sie die Ikonografie aller selbsternannten Revolutionäre ins Bild rückt: Einmal wird die Frau von ihren maskierten Instrukteuren gezwungen, im übergroßen Militärparka vor einer Kamera Platz zu nehmen, der Munitionsgürtel umgehängt, die Kalaschnikow in der Hand, im Hintergrund ein Plakat mit einer geballten Faust. So sieht er aus, der Kitsch der Ideologen."

24. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • critic.de

Die Rigorosität, mit der Loktev an ihr Sujet herangeht, imponiert Katharina Stumm. "Wer eindeutige Erklärungsmuster erwartet, die einem Biographie und Motivation des Selbstmordattentäters nahe bringen, der schaue lieber PARADISE NOW. Der scheiterte jedoch eben an der Formelhaftigkeit seiner Ausführungen. Day Night Day Night droht in der letzten Hälfte an etwas anderem zu scheitern, sobald er das Kammerspiel verlässt: Loktev wechselt die Perspektive in einem Annäherungsverfahren an die Attentäterin. Mit Mitteln der formalen Überstimulation erlebt man jetzt physisch die Anspannung, mit der sie am Times Square den Finger auf den Bombenauslöser legt. Zu lange dreht sich alles nur noch um die Frage, ob sie die Tat ausführen kann oder nicht."

22. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • film-dienst 20/2008

Julia Loktev grenzt sich laut Esther Buss "mit ihrem formal strengen Konzept-Film DAY NIGHT DAY NIGHT von jedem Erklärungsversuch ab, indem sie ihre Geschichte von allen soziologischen und politischen Hintergründen befreit und auf ihren existenziellen Kern reduziert. ... Der Körper ist Hindernis und – als "lebende Bombe" – machtvolles Instrument zugleich. Anfangs folgt die Kamera der jungen Frau in klaren und statischen Einstellungen, die Farben wirken blass und grau. Dann, im zweiten Teil des Films, löst sich die minimalistische und überaus kontrollierte Erzählung auf; eine atemlose Handkamera heftet sich fast buchstäblich an die Figur, die zunehmend desorientiert im bunten Treiben des Time Square umherstolpert."

22. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • kino-zeit.de

"DAY NIGHT DAY NIGHT ist ein zutiefst beunruhigender und irritierender Film, der niemals auch nur im Entferntesten versucht, die Motive der jungen Frau oder die Hintergründe der Tat zu erklären. Wir wissen nichts über sie, nicht einmal ihren Namen, nichts über ihre Vergangenheit, beinahe nichts über ihre Eltern, mit denen sie einmal kurz telefoniert, oder über das, was sie zu dieser schrecklichen Tat antreibt. Alles was wir wissen, ist ihr Vorhaben und die Tatsache, dass diese Frau nicht nur keine Vergangenheit hat, sondern auch keine Zukunft."

18. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • br-online.de

Bemerkenswert nennt Ronja Dittrich den Film. "Die Emotionen, die auf dem Gesicht der Hauptdarstellerin Louisa Williams aufflackern, sind mitunter nur schwer auszuhalten. Subtil und zugleich voller Hingabe schöpft sie aus einem reichen Ausdrucksspektrum, schwankt zwischen Entschlossenheit, Unterwürfigkeit, Panik. Als Zuschauer spürt man geradezu physisch ihre Präsenz und entwickelt eine emotionale Bindung zu all den Facetten ihrer menschlichen Existenz innerhalb der 48 Stunden. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Bewusstsein über den Grad der Identifikation mit ihr und dem heimlich ersehnten Erfolg ihres Unternehmens einsetzt. Dann ist es zu spät."

01. September 2008 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • programmkino.de

Alles ist subjektiv, stellt Michael Meyns fest. "dieser subjektive Blick wird im Blick des Films gespiegelt, der mittels visueller Stilmittel, vor allem aber einer ausgefeilten Tonspur den Eindruck zu erwecken sucht, die Wahrnehmung des Mädchens zu zeigen. Der Effekt ist ebenso eindringlich wie erschreckend: Der Zuschauer entwickelt große Sympathie mit ihr, versucht sie zu verstehen, ihre Motive zu begreifen und hofft letztlich gleichermaßen auf den Erfolg des Attentats, aber auch auf ihr Überleben. Nicht zuletzt dieser Zwiespalt macht DAY NIGHT DAY NIGHT zu einem faszinierenden Film, der lange nachhallt."

09. Oktober 2007 | DAY NIGHT DAY NIGHT • Kritik • Der Tagesspiegel

Hendrik Feindt findet es gut, dass die Antwort ausbleibt. "Das ist der große Vorzug von Loktevs Film. Keine Antwort, keine Erklärung, keine Dämonie, keine Moral, keine Psychologie. Die 1969 in Leningrad geborene und seit langem in New York lebende Fotografin lehnt nicht nur die Logik ab, die in Hollywood ebenso wie im unabhängigen Film Konvention geworden ist, dass nämlich am Ende eines jeden Films die große Auflösung, das zutage geförderte Kindheitstrauma oder einfach die allumfassende Lehre steht. Sie verwehrt sich auch gegen die falsche Einfühlung jener journalistischen Reportagen, die sich Selbstmordattentäterinnen gewidmet haben und stets ein plausibles Motiv ausmachen konnten."

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