| Regie | Joseph Vilsmaier |
| Dana Vávrová | |
| Kinostart | 09.11.2006 |
Stephan Speicher erkennt das Problem des Films: "Mit allem was der Film tut - zweifellos in bester Absicht - zeigt er sich als Erfindung. Sechs Tage im Viehwaggon unterwegs, das haben Juden, die vom Balkan oder aus Bulgarien deportiert wurden, allerdings erlebt. Aber die sechs Tage werden von Vilsmaier nicht gebraucht, um die Steigerung der Ängste zu zeigen, den Vorschein der Gaskammern, sondern um ein Moment des Abenteuerfilms zu zeigen: die Flucht. ... Das ist die Erfindung, die Spannung aus dem Repertoire des Actionfilms saugen will. Ein zweiter Typ von Erfindungen hat die entgegengesetzte Funktion: Er möchte historische Gültigkeit und politisch-moralisches Gewicht verbürgen."
Hässliche Geschichte, dekoratives Format faßt Dietrich Kuhlbrodt zusammen. Der Kritiker erkennt "die Krux. Einerseits ist es eine Tat, sich des Themas anzunehmen (Produktion: CCC Filmkunst Artur Brauner). Andererseits unternimmt der Film alles Mögliche, den Zuschauer zu verschonen (Regie: Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová). Der KZ-Transport ist in Watte verpackt, nein, er wird vom schwarzen Rauch verhüllt, der aus dem Schornstein der Lokomotive kommt, und vom weißen Dampf aus den Bremsleitungen. Die Kamera kann sich den Film hindurch gar nicht satt sehen am malerischen Bild der Nostalgieeisenbahn. - Hallo, wer meint, dass ich zynisch bin: Ich reiche den Vorwurf an den Film weiter. Zynisch ist es, aus dem Abtransport der Berliner Juden so etwas zu machen wie die endlosen TV-Serien mit der Eisenbahn."
Gut gemeint ist der Film für Daniela Sannwald. "Vilsmaier/Vávrovás Inszenierung des Infernos beschränkt sich fast ausschließlich auf Innenraumszenen, und es gelingt ihm, die fürchterliche Beengtheit so eindrücklich zu inszenieren, dass sie für seine Zuschauer physisch spürbar wird. In dieser Beschränkung liegt eine Stärke des Films. Leider konterkarieren die Regisseure sie durch rührselige, weich gezeichnete Rückblenden aus glücklicheren Zeiten, in denen auf sonnenbeschienenen Wiesen pathetische Liebeserklärungen gemacht werden."
Daniel Kothenschulte ist enttäuscht. "Vilsmaier bedient sich einer bewährten Genredramaturgie - der des Katastrophenfilms. Trotz seines kleinen Produktionsaufwands und obwohl er nicht bis ins innere des Lagers führen wird, ähnelt DER LETZTE ZUG Wolfgang Petersens POSEIDON und verfängt sich knietief in den selben Problemen. Man muss schon einen sehr guten Autor zur Hand haben, um die Einzelschicksale derart vieler Figuren in wenigen Sätzen zu umreißen. Stephen Glantz, der für Brauner bereits Babij Jar geschrieben hat, gelingt das nicht. Seine vielen Rückblenden wirken wie Trailer zu schlechten Filmen und verhindern eine Beschäftigung mit dem eigentlichen Schauplatz des Geschehens."
Daniel Haas lobt Artur Brauner für sein Engagement. DER LETZTE ZUG ist ein bewegendes Testament mit den Mitteln des Erzählkinos. "Das Erzählkino kann ihre Geschichten entwerfen als Szenarien der Tapferkeit und Mitmenschlichkeit, jener Tugenden, die in den Lagern nahezu unmöglich gemacht und planmäßig ausgemerzt wurden. Brauners Kino erzählt nicht gegen, sondern begleitend zu den Filmen Claude Lanzmanns und den Texten Primo Levys und Jean Amérys vom Leid der Juden; seine Dramaturgie beschwichtigt nicht, sondern ist agitatorisch mit den Mitteln der Fiktion."
Mitunter hat Michael Kohler "den Eindruck, Brauner und Vilsmaier ist jede noch so unpassende Ablenkung recht, um dem Publikum Verschnaufpausen zu gönnen. Welchen anderen Zweck können Rückblenden haben, in denen sich die Deportierten an glücklichere, in ihrer unspezifischen Darstellung aber völlig nichtssagende Momente ihres Lebens erinnern? Wahrscheinlich liegt das Dilemma dieses Films darin, dass er das Publikum nicht fordern, sondern rühren will. Vielleicht hätte die rigorose Beschränkung auf den Innenraum eines Waggons den Film vor der Obskurität des Kunstgewerblichen gerettet. Doch dazu hätte es ein anderes Drehbuch gebraucht, einen anderen Regisseur und auch einen anderen Produzenten."
Filmproduzent Artur Brauner stellte im Berliner Filmpalast seinen letzten Film DER LETZTE ZUG vor. Andreas Kurtz war dabei.
Ronald Düker beschäftigt sich mit der Absage der Deutschen Bahn, eine Ausstellung über deportierte jüdische Kinder in Bahnhöfen zu zeigen. Um ihr Image aufzupolieren, hat die Firma die Dreharbeiten zu DER LETZTE ZUG unterstützt.