| Regie | Edward Zwick |
| Kinostart | 25.01.2007 |
Der südafrikanischen Söldner Danny Archer und des Mende-Fischers Solomon Vandy sind beide Afrikaner, aber ihre Herkunft und ihre Lebenssituation könnten nicht unterschiedlicher sein - bis sie durch die Umstände plötzlich eine gemeinsame Aufgabe haben: Sie wollen einen seltenen Diamanten aufspüren, der ihr Leben verändern kann. Als Archer wegen Schmuggelei im Gefängnis sitzt, erfährt er, dass Solomon - der von seiner Familie getrennt und zur Arbeit auf den Diamantenfeldern gezwungen wurde - einen außergewöhnlichen Rohdiamanten entdeckt und versteckt hat. Die amerikanische Journalistin Maddy Bowen pfeift auf ihre Ideale und hilft den beiden Männern, das Rebellengebiet zu durchqueren. Es geht aber nicht nur um den wertvollen Stein: Solomon will seine Familie retten, und Archer hofft auf eine zweite Chance, an die er schon nicht mehr geglaubt hat.
Von den Arbeiten des Regisseurs ist Verena Lueken nicht überzeugt, aber DiCaprio ist erwachsen geworden, "mit erstaunlichen Ausdrucksmöglichkeiten. In BLOOD DIAMOND gehört dazu nicht nur der harte Akzent eines Rhodesiers, sondern vor allem die völlig unmanierierte Art, mit der er seinen Körper einsetzt, schlaksig, lässig, zum Sprung in Deckung oder auf jeden möglichen Angreifer bereit; sein von der eigenen Skrupellosigkeit in Schach gehaltener unterschwelliger Charme; das kurze Aufblitzen von Schmerz jenseits aller Sentimentalität, wenn er seine Familiengeschichte erzählt, und seine abrupte, entschlossene Gestik, aus der, wie aus seinem Gesicht, alle Bubigkeit verschwunden ist. DiCaprio ist zweiunddreißig, und anders als Zwick hat er bereits Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen."
Barbara Schweizerhof bschäftigt sich mit dem westlichen Afrika-Bild, um zum Schluss festzustellen: "Brav entlarvt der Film am Ende den skrupellosen westlichen Konzern, der von den Bürgerkriegen profitiert und sie deshalb schürt. Bezeichnenderweise aber wird die finale Zeugenaussage des schwarzen Protagonisten vor dem großen Tribunal der Weltöffentlichkeit am Ende einfach ausgeblendet. Was er zu sagen hat, interessiert en détail gar nicht mehr. In unfreiwilliger Deutlichkeit führt der Film selbst vor, dass zur Beschreibung der Verhältnisse im Grunde drei zynisch-affirmative Buchstaben reichen: T.I.A. ('This is Africa')".
Etwas schematisch, aber gekonnt werden Actionthriller und Melodram mit einer fiktiven Hintergrundreportage zu einem mahnenden Stück Infotainment zusammengemengt, schreibt Julian Hanich. "Der Film mag stilistisch weniger gewagt sein als DER EWIGE GÄRTNER und kommt, verglichen etwa mit HOTEL RUANDA, beunruhigend beschwingend daher. Und dennoch gelingt der Balance-Akt auf dem schmalen Grat des Betroffenheitsentertainments – nicht zuletzt, weil Edward Zwick, bekannt für patriotische und orientalistische Schinken wie GLORY und DER LETZTE SAMURAI, sich kritisch zeigt wie selten zuvor."
Für Michael Kohler steht BLOOD DIAMOND weniger im Zeichen einer immer wieder konstatierten Re-Politisierung Hollywoods als in der Tradition romantisch gefärbter Kinounterhaltung. "BLOOD DIAMOND ist ebenso mitreißend in seinen Momenten auflodernder Gefahr wie im Zusammenspiel des Figurendreiecks im Kern des Films. So unterschiedlich dessen Motive sind, am gemeinsamen Horizont liegt ein Afrika, das niemandem mehr das Herz bricht. Jennifer Connelly beweist dabei einmal mehr, warum sie als große Schauspielhoffnung gilt, und Leonardo DiCaprios brillante Darstellung eines gebrochenen Helden sollte neben der Academy of Motion Picture Arts auch seinem selbsternannten Ziehvater Martin Scorsese zu denken geben. BLOOD DIAMOND ist etwas wirklich Rares im Kino der Gegenwart: Seine politische Botschaft fasst ein filmisches Schmuckstück ein."
Die politischen Zusammenhänge hat Tina Heldt aus dem Film natürlich nur sehr indirekt herausgelesen. "In der Schlußszene wird Djimon Hounsou geladen, vor einer UN-Versammlung über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wird mit großem Applaus begrüßt; in dem Moment aber, da er dann wirklich hätte beginnen können zu sprechen, bricht der Film ab. Ihm genügt das Bild vom Afrikaner, der als möglicher Sprecher seiner Sache vage anerkannt ist. Was dieser zu sagen hätte, ist im Moment dieser großzügigen Anerkennung bereits unwichtig geworden. Diese scheinheilige Abstraktionsbewegung – die reine Ausflucht – ist wohl die Wirklichkeit des sogenannten Empowerment. Es ist nichts weiter als der gute alte Paternalismus."
Für Anke Westphal ist BLOOD DIAMOND ein äußerst zwiespältiger und manchmal sogar unangemessener Film zu einem allerdings schrecklichen Thema. "Dieser Film zeigt das nun in einer Ausführlichkeit, die einerseits nicht unbedingt geboten ist und andererseits das Kindersoldatenwesen geradezu schockierend - sagen wir - "cool" erscheinen lässt: Basecaps, HipHop und Metal, Drogen und Party nach dem Morden, wobei der Regisseur auch gleich noch alle Möglichkeiten von Leichenschändung vorführt. Diese Pop-Inszenierung des Kindersoldatenproblems, quasi zum Mitschunkeln - das ist eigentlich die größte Unverschämtheit dieses Films. Mit allen Mitteln, auch mit unangemessenen, will Edward Zwick aufklären und Öffentlichkeit schaffen."
Laut Stephan Mueller fürchtet die Diamantenindustrie, ihr Ruf könnte durch den Kinofilm BLOOD DIAMOND leiden.
Sven von Reden nennt BLOOD DIAMOND einen altmodischen Abenteuerfilm mit gut gemeinter Botschaft. Der Regisseur "gleicht den fehlenden Machismo seines Hauptdarstellers mit Pyrotechnik aus. Für einen Regisseur, der als Beispiel für einen sanftmütigen Hollywood-Liberalen gilt, hat Zwick ein erstaunliches Talent dafür, es effektvoll krachen zu lassen. Die Sequenzen, in denen das ungleiche Trio in die Wirren des Bürgerkriegs in Sierra Leone gerät, inszeniert er mit viel Übersicht und markerschütternder Direktheit. Kontrastiert werden diese Bilder des Leids und Sterbens immer wieder von Aufnahmen spektakulärer Landschaften und Sonnenuntergänge im breitesten Breitwandformat. D.I.A. - das ist Afrika. Oder eben das Hollywoodbild davon."
Rüdiger Suchsland lobt und kritisiert den Regisseur zugleich. "Dieses Szenario blendet die Verstrickung der USA in den Bürgerkrieg und in schmutzige Diamantengeschäfte ebenso aus wie es die Tatsache ignoriert, dass die USA seit Jahrzehnten Hauptabnehmer von Diamanten sind. Das alles relativiert die moralisierende Anklage. Zwick meint vieles gut, zugleich aber tut sein Film mit Afrika genau das, was er der Diamantenindustrie vorwirft: Er beutet den Kontinent als wohlfeile Kulisse für ein grandioses Spektakel aus, dem es um alles Mögliche gehen mag, um Afrika aber zuletzt."
Eine bravouröse Gratwanderung zwischen Aufklärung und Unterhaltung sah Barbara Lehmann. "Der Film erzählt die Liebesgeschichte von Danny und Archer mit Reminiszenzen an CASABLANCA: Ihr anfänglicher Schlagabtausch um Moral und Krieg mündet immer mehr in ein gegenseitiges Streicheln mit Blicken und Schweigen. Trotz Zehntausender Kriegstoter und zwei Millionen Vertriebener funkelt in Hollywood Sierra Leones kostbarer Diamant als Symbol der Liebe."
Laut Uwe Schmitt kehrt Afrika, der auch von Hollywood lange vergessene Kontinent, seit einiger Zeit zurück. "Überall ist die schuldbeladene Bürde des weißen Mannes niederdrückend. Wie auch nicht. BLOOD DIAMOND aber hat Leonardo DiCaprio, der sich nach Humphrey Bogart modelliert und von Zwick mit genügend Indiana-Jones-Ingredienzen versorgt wird, um den pädagogischen Effekt durch blendende Unterhaltung ins Unterbewusste zu drängen. Das ist gut so. Niemand geht gerne ins Kino, um sich an der Schuld seiner Rasse und des Abendlandes zu waiden."
Thomas Scheen beschäftgit sich mit BLOOD DIAMOND, den Film über Diamantenjäger in Sierra Leone, der dem größten Diamantenkonzern der Welt das Weihnachtsgeschäft verdirbt. Der Journalist schreibt über Hintergründe der Diamantenproduktion in Afrika.