| Regie | Sönke Wortmann |
| Kinostart | 05.10.2006 |
Über eine Million Zuschauer haben bereits Sönke Wortmanns Film DEUTSCHLAND. EIN SOMMERMÄRCHEN gesehen. Warum nur, fragt sich Jürgen Kiontke und antwortet auch gleich.
Laut Jan Feddersen verspricht der Film etwas, was er nicht halten kann: einen Blick in die Intimsphäre einer Mannschaft. Denn Umkleidekabinen geben Geheimnisse nicht preis. Das Publikum hat Fragen und bekommt nie Antwort. Überliefert sind nur Anekdoten. "Wortmanns Films gibt nur einen Teil der Wahrheit preis, einen sehr kleinen obendrein, der mehr den Eindruck eines Urlaubsvideos hinterlässt, nicht den einer Dokumentation aus dem Innersten, eine Wahrheit jedenfalls, die beim Blick durch das Schlüsselloch auch nicht entdeckt werden kann. Ein solcher sieht immer nur das, was es sehen will."
Katharina Dockhorn spricht mit Sönke Wortmann über seinen Dreh mit der Fußball-Nationalmannschaft.
Die pure Huldigung sah Peter Kümmel. "DEUTSCHLAND. EIN SOMMERMÄRCHEN ist ein Film im Geiste von Big Brother. Aber gemacht hat ihn kein großer, sondern ein kleiner Bruder. Mit den Mitteln des Container-Fernsehens (die Helden leben der Öffentlichkeit enthoben und sind ihr doch ausgeliefert, sie werden ohne Unterlass gefilmt) hat Sönke Wortmann ein Werk der Huldigung geschaffen. Er will seine Figuren nicht durchschauen oder bloßstellen, er will ihnen nahe sein. Er filmt aus Bewunderung, er montiert sein Material im Rhythmus einer Familienserie."
Für Reinhard Mohr holt der Film die Emotionen zurück. Die Dokumentation "ist zunächst ein selten intimer Blick hinter die medialen Kulissen der Klinsi-Kicker, die unbedingt Weltmeister werden wollten. Fußballdeutschland privat. Eine Art Heimvideo für die Ewigkeit. Zugleich aber ist Wortmanns Film eine Innenaufnahme deutscher Seelenzustände im Sommer 2006, das Protokoll einer Veränderung, die Skizze einer neuen Generation, das bewegte und bewegende Album eines anderen Lebensgefühls in Deutschland. Und damit auch eine Antwort auf die Frage, warum die Deutschen plötzlich so sympathisch wirkten und was es mit dem seltsamen "Partyotismus" auf sich hatte."
Erstaunlich leicht findet Daniel Kothenschulte die Dokumentation. "Leider wirken viele Szenen durch den schnellen Schnitt unnötig pointiert. Gern sähe man auch einmal eine Löw'sche Strategiestunde in voller Länge, ausgebreitet nach der filmischen Methode Harun Farockis - doch das wäre ein anderer Film. Überaus charmant ist dafür der verschenkte Höhepunkt, wenn Lehmann stolz seinen Notizzettel vom Elfmeterschießen gegen Argentinien präsentiert: Wortmann kriegt vor Aufregung seine selbst geführte Kamera nicht scharf."
Stefan Osterhaus fand es traurig, daß der Hauptdarsteller des Films, Alt-Bundestrainer Klinsmann, bei der Premiere fehlte. "Wortmanns Film gibt Auskunft genug, warum Regisseur und Mannschaft Klinsmanns Fehlen in Berlin als lässliche Sünde betrachten. Die Dokumentation benennt unfreiwillig den wahren Grund für die Demission des Bundestrainers. Der Zuschauer erlebt die Show eines Egomanen, dessen Ehrgeiz sich in der Lautstärke der Kabinenansprachen manifestiert."
André Görke und Sven Goldmann sahen elf Filmstars.