| Regie | Danièle Thompson |
| Kinostart | 31.08.2006 |
Der Film steckt "seine Nase vor allem in die Angelegenheiten berühmter, doch von Selbstzweifeln geplagter Leute. Das ist unterhaltsam anzusehen, aber doch sehr konventionell und ziemlich sentimental - so harmlos wie die stets gutgelaunte Jessica, die sich, in einem anspruchsvolleren Kontext, durchaus zur Nachfolgerin von Miou-Miou mausern könnte. EIN PERFEKTER PLATZ ist kleines Welttheater ohne Ranküne, ein bisschen mehr Biss hätte ihm wirklich nicht geschadet."
Von dem fabelhaften Paris ist Gerhard Midding angetan. "Thompson erzählt diese Ensemblekomödie mit einem staunenswerten Vertrauen in Konventionen und Klischees, dem man so recht weder Naivität noch Zynismus unterstellen mag. Sie ist eine redliche Treuhänderin der Sehnsüchte, die großzügig mit den romantischen Möglichkeiten kalkuliert und an die erzählerische Legitimität der Sentimentalität glaubt. Ihre Illusionsmaschine funktioniert vor allem dank der soliden Drehbuchkonstruktion prächtig. Munter alternieren die Erzählstränge und changiert der Tonfall."
Der Film lebt von seinen Schauspielern, ist aber zugleich auch mit einer Leichtigkeit inszeniert, die natürlich wirkt, schreibt Andrea Dittgen. "EIN PERFEKTER PLATZ mit seinen mondänen, unglücklichen Künstlern ist eine liebevolle Milieustudie; keine Figur wirkt deplatziert oder peinlich, jede bringt einen zum Schmunzeln oder zum Nachdenken, ebenso wie manche Dialoge. Aber so wie Jessica immer weniger staunt und immer mehr desillusioniert auf die Welt blickt, die sie gestern noch vergötterte, geht es auch dem Zuschauer: Der Platz im Orchester des Theaters ist nicht unbedingt gut, weil man so geblendet ist, dass man das Wesentliche übersieht."
Daniel Kothenschulte sieht in dem Film ein Plädoyer für ein Leben mit der Kunst. "Was diesen Film so denkwürdig macht, ist, dass hier ein genau besehen alles andere als einladendes Milieu in unerwarteter Liebenswürdigkeit erstrahlt. Was ist so sympathisch am muffigen Boulevardtheater, geldgierigen Kunsthandel und einer typischen Bistro-Touristenfalle? Man kann sich kaum vorstellen, dass die Pariser selbst dieses Quartier zu ihrem liebsten ernennen würden, es sei denn, sie wären schrecklich konservativ. Aber genau das ist das Schöne an Paris und am französischen Kino: Jedes Viertel der Stadt und jede soziale Schicht polarisiert und hat deshalb auch glühende Fürsprecher. Ebenso interessant sind die Fragen, die sich aus der Darstellung des Lebens mit der Kunst an die Kunst selbst richten."
Der Film ist für Thilo Wydra ein menschliches Panoptikum, ein kleiner mikroskopischer Querschnitt durch eine spezielle Gesellschaft. "Dass es hier und da an Tiefgang fehlt, die Charaktere eher oberflächlich angelegt sind, das mag dem kinofreudigen französischen Publikum ob der Identifikation mit heimischen Sujets bei einem ohnehin explizit leichteren Stoff vielleicht nicht wirklich fehlen. Anderswo mag es nicht ausreichen, Stars wie Sydney Pollack oder Claude Brasseur in feinen Intérieurs zu sehen. Immerhin nimmt Blondschopf Cécile de France für sich ein, und ist es auch von einer anrührenden Emotionalität, Suzanne Flon, die seit den 40er Jahren auf der Bühne und vor der Kamera stand, ein letztes Mal auf der Leinwand lächeln zu sehen."