| Regie | Anders Thomas Jensen |
| Kinostart | 31.08.2006 |
Einen gegen den Strich gebürsteten Heimatfilm sah Dietrich Kuhlbrodt. "Ich will nicht alles erzählen. Wohl aber mich begeistern darüber, dass ich den Film hindurch ständig meine vorgefasste Meinung änderte. Kennen gelernt habe ich prima Schauspieler, die in Dänemark längst berühmt sind. Und einen provokanten Regisseur, der diesen vertrackten närrischen Humor hat."
Denkanstöße hat Peter Uehling durch den Film bekommen. "Der Reiz von ADAMS ÄPFEL liegt in seiner bezwingenden Mischung aus schwerem theologisch-philosophischem Geschütz und seinem schwindelerregenden Balanceakt zwischen Komödie und Tragödie. Es gibt viel zu lachen, einiges zu weinen, hier und da erschrickt man sich sogar, aber vor allem gibt es viel zu denken. Ist der Glaube an das Gute nur eine Art Irrsinn, mit dem sich Ivan über sein schweres Schicksal hilft? Oder ist es der einzige Weg, in einer durch und durch schlimmen Welt nicht nur das eigene Leben, sondern das aller Nächsten erträglich zu gestalten?"
Karl Hafner spricht mit dem Regisseur Anders Thomas Jensen über das dänische Kino und seine Chancen.
Der Gottesbeweis auf ganz besondere Art hat Kerstin Decker gefallen. "Die Lakonie, mit der Jensen seine Geschichte aufbaut und ein verschrobenes Detail auf das nächste setzt, macht „Adams Äpfel“ zu einem unerreichten Kleinod in der Filmografie Gottes. Und seltsam, mit einem Teil unseres zuschauenden Wesens sind wir durchaus auf Adams Seite. Denn des Paters heilige Einfalt, seine durch nichts zu brechende Zuversicht (großartig als Dulder vor dem Herrn: Mads Mikkelsen) ist natürlich eine Zumutung für den wachen Intellekt. Jensen schließt auch nicht die Augen von dem Fanatismus des Guten. Wie der Pfarrer seinen Apfelbaum verteidigt, der plötzlich von allen nur denkbaren Plagen heimgesucht wird!"
"Man kann ADAMS ÄPFEL als beste Komödie im deutschen Kinojahr bezeichnen, weil ihr Witz nicht aufgesetzt, sondern beiläufig genug daherkommt. ... Die Pointe in der Sache lohnt den Kinobesuch. Autorenfilmer Anders Thomas Jensen ist seit seinem Drehbuch zu IN CHINA ESSEN SIE HUNDE (1999) so mit das beste, was Ihnen im Filmtheater passieren kann."
Den skurrilen Humor mag Heike Kühn. "ADAMS ÄPFEL ist eine durch und durch moralische Fabel, doch noch nie hat Moral so viel Vergnügen bereitet. Die Geschichte des modernen Adams, der weder Eva noch Schlange braucht, um sich und die Welt ins Chaos zu stürzen, verbindet der dänische Drehbuchautor und Regisseur Anders Thomas Jensen mit der größten theologischen Herausforderung: Dem unbegreiflichen Erdulden gottgesandter Qualen. ... ADAMS ÄPFEL ist ein Rezept mit vielen Köchen, aber keiner verdirbt dem anderen die Pointe."
Bitterböse wie tiefgründig nennt Alexandra Wach die Komödie, die zugleich eine theologisch-philosophisch fundierte Parabel ist. Der Regisseur "lässt er Gegensätze aufeinander treffen, die in ihrer Unvereinbarkeit für eine gehörige Portion Irritation sorgen. Heiter und düster zugleich geht es in der mit biblischen Verweisen spielenden Fabel zu, realistisch und märchenhaft gibt sich die Inszenierung, bis zum Schluss schwankt die Botschaft zwischen banal und hoch komplex. Die an Karikaturen grenzenden Figuren sind bis ins Detail perfekt ausgearbeitet und überraschen durch ihre Wandlungsfähigkeit, die ihnen mehr Tiefe verleiht, als es das satirisch geerdete, auf politische Unkorrektheit setzende Drehbuch vermuten lässt."
Das verrückte Kinojuwel hat es Margret Köhler angetan. Was der Filmemacher hier "auf die Leinwand zaubert, ist ein Muss für jeden Cineasten und eine wunderliche Kombination aus Heiterkeit, Düsternis und Skurrilität. Und das ausgerechnet bei einem Thema, das sich mit dem Mangel an religiösem Glauben beschäftigt, menschlichen Schwächen und der Frage, wie viel Güte ein Mensch ertragen kann. ... Die vielen Erzählstränge, verqueren Richtungsänderungen und unterschiedlichen Charaktere fügen sich zu einem grotesken Ganzen mit schwarzhumorigen Einlagen, zu einem satirischen Potpourri voller witziger Einfälle und überbordender Fantasie."