| Regie | Michael Mann |
| Kinostart | 24.08.2006 |
Meisterlich demontiert Michael Mann mit einer späten Kino-Adaption den Mythos seiner erfolgreichen TV-Serie, meint Andreas Borcholte. "Es ist ein meisterhaft inszeniertes Dickicht, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nicht für Crockett und Tubbs - und nicht für den Zuschauer, der von den oft erschreckend brutalen, manchmal betörend schönen Aufnahmen Manns unweigerlich ergriffen werden muss. Selten wurde mit Erwartungshaltungen so virtuos und konsequent gebrochen. Der pink flamingo hat sich in einen schwarzen Raben verwandelt."
Christian Aust unterhält sich mit Schauspieler Colin Farell über MIAMI VICE, Klatschgeschichten und ein peinliches Casting.
100 Prozent sinnfrei findet Andreas Maurer den Film. "Keiner bereitet althergebrachte Krimigenre- Rezepte auf wie Mr. Michael Mann: mit jenem Flair für Raumeffekte und einen prickelnden Sound-Mix; das Ganze - ohne jeden Schuss Ironie - supercool serviert. So ist MIAMI VICE genau das Richtige, um es an einem schwülen Sommerabend gedankenlos hinunterzustürzen. Nur wenige wird der Nachgeschmack sinnlos vergeudeten Talents stören."
Rüdiger Sturm spricht mit Jamie Foxx über Kreativität, schwarze Coolness und den alltäglichen Rassismus.
Marc Hairapetian unterhält sich mit Regisseur Michael Mann über MIAMI VICE, Gewalt, Sex und Melancholie in Hollywood.
Das Böse, das ist den körnigen Digitalbildern von Manns Film von der ersten Einstellung an zu entnehmen, nimmt überhand, schreibt Christian Schröder. "Die schönsten Momente des Films finden ohnehin auf dem Wasser statt, wenn Crockett und Tubbs in ihren Hochgeschwindigkeitsbooten durch die Wellen hüpfen, über sich der strahlende Karibikhimmel, weiße Gischt hinter sich herziehend. Große-Jungs-Kino. Das Ende: ein meisterhaft choreografierter, zwanzigminütiger Shootout in der Peripherie von Miami. Kein schlechter Film, aber an die Klasse seiner Thriller HEAT und COLLATERAL reicht Michael Mann mit diesem Remake nicht heran. Die Fernsehserie hätte eigentlich genügt."
Stilsicher kehrt der Regisseur laut Daniel Kothenschulte zu seinen Wurzeln zurück. "Die langen Einstellungen und die impressionistischen Zeitlupen gibt es noch immer, anderes ist dem Zeitgeschmack gewichen. Die pastellenen Neonröhren mögen inzwischen aus den letzten Vorortbistros verschwunden sein, Yuppies und Drogen jedoch gibt es noch immer. So spielt der Film in der Gegenwart - und es fällt nicht einmal auf. Das hat nicht wenig mit der Bildsprache zu tun. ... Hier wird nichts den vermeintlichen Erfordernissen der Spielfilmdramaturgie untergeordnet. Die Geschichte ist mindestens so dünn wie eine typische Serienfolge - nur, dass sie jetzt 132 Minuten dauert. Sie hat die Substanz einer Tütensuppe."
Adrian Pohr bietet ein Hommage von Text und Bild an die TV-Serie der 80er Jahre.
Ein gewaltiger Rückschritt ist die Kinoversion für Jens Jessen. "Der Film wird nur durch rohe Gewalt getrieben, nicht allein in den Schusswechseln und Showdowns in der bekannten Manier von Michael Manns HEAT, sondern in der brutalen Ästhetik der Effekte. Es gibt hier gar nichts anderes mehr als Effekte, es ist die Dramaturgie eines Wasserschweifs, der von einem Turbodiesel in dröhnender Lautstärke erzeugt wird. Vor allem auf der Tonspur. Wer sich für Momente die Ohren verstopfte, würde feststellen, dass im Bild eher weniger passiert. Aber wenn das Ohropax wieder draußen ist, tobt die Hölle aus den Lautsprechern. Offensichtlich ist aller Ehrgeiz der Produktion in die Beherrschung der Dolby-Surround-Technik geflossen."
MIAMI VICE zeigt die Arbeit der Drogenfahnder in Miami als eine zwielichtige Welt aus Mord, Sex und Verrat. Die Realität, erzählen die ehemaligen Vorbilder der Serien-Cops, sieht anders aus. Marc Pitzke berichtet.
MIAMI VICE auf Spielfilmlänge bietet noch mehr Zeit für das Lebensgefühl, das die Karibik zu einem so erfolgreichen Touristenziel werden ließ, meint Bert Rebhandl. Der Film "ist irgendwo in der Zeit stecken geblieben. Selbst der Soundtrack ist geprägt von einer faden Lounge-Hipness, während im Rückblick auf das Original Phil Collins noch das ganze stilistische Chaos der 1980er deutlich macht. 2006 ist "Miami Vice" eine glatte Angelegenheit geworden, aufgeraut nur durch eine poröse Video-Ästhetik. Florida ist kein exotischer Ort mehr, sondern nur noch eine Leerstelle, an der Michael Mann die ewige Wiederkehr des Gleichen inszeniert."
Bild-, aber nicht wirklich abendfüllend findet Anke Leweke den Film. "Weil das Bild sauber bleiben muss, springt die Aufmerksamkeit prompt zur nächsten Action über. Vielleicht waren es solche Einstellungen, die die New York Times von gewalttätigen Tableaus mit wagnerianischer Wirkung schwärmen ließ. Der extreme Stilwille des Films lässt den Kampf gegen Drogen und Korruption jedoch zur Pose und reinen Choreografie erstarren. Michael Mann, einer der wichtigsten Stilisten und Manieristen des amerikanischen Genre-Kinos, sieht in MIAMI VICE nur noch die flotte Nummernrevue, die große, aber auch leere Feier der Oberfläche."
Der intensive Thriller bestätigt laut Lukas Foerster einmal mehr das Ausnahmetalent seines Regisseurs. "MIAMI VICE hebt sich wohltuend vom züchtigen Zeitgeist ab. Während die Blockbusterkonkurrenz der allgegenwärtigen Prüderie vorauseilend Gehorsam leistet, blendet Manns Film nicht nach dem ersten Kuss ab. Und ist außerdem erstaunlich gewalttätig."
Die größte Schwäche als auch das größte Plus des Films entdeckt Julian Reischl: "Die ganze Welt sieht aus wie von einer Hand gestylt, ein Destillat der Optik von "CSI: Miami". Verbrechen und Gewalt sind salonfähig geworden und werden als eine Art Spiel für große Jungs dargestellt. Wer die Regeln bricht, darf ehrenhaft bei einem Shoot-Out sterben, wer aber brav seine Kriminalität eingesteht und dabei noch möglichst gut aussieht, darf abhauen. Regisseur Michael Mann gelingt die heikle Gratwanderung zwischen den Abgründen flacher Action und gnadenlosem Overkill."
Rüdiger Suchsland "muss den Film loben, weil er allen durchschnittlichen Polizeifilm-Mainstream weit in den Schatten stellt, kann ihn aber nicht uneingeschränkt loben, weil man von Michael Mann weit mehr erwartet. Alles in allem ist MIAMI VICE visuell und stilistisch weniger konsequent als Manns letzte Filme; selten entfaltet er jenen Rhythmus und Drive, jenen Fluss aus Bildern und Musik, der sich zu einer leichten, jazzigen und doch jederzeit konzentrierten Atmosphäre verdichtet, den der Regisseur so perfekt beherrscht, und der ihn zu einem der wenigen echten Autorenfilmer Hollywoods macht. Auch fehlen Augenblicke des Innehaltens, der puren Schönheit, die in Manns Filmen begeistern können."
Anne Lena Mösken berichtet von der Pressekonferenz in Berlin.
Andreas Conrad war bei der Werbeaktion für den Film mit Jamie Foxx und Colin Farell.
Ariane Bemmer schreibt über Don Johnson, den sexiesten Polizistes der 80er Jahre.