CHILDREN OF MEN

film-zeit Film: CHILDREN OF MEN
Regie Alfonso Cuarón
Kinostart 09.11.2006

Inhalt • CHILDREN OF MEN

2027, seit 18 Jahren ist kein einziges Baby mehr zur Welt gekommen. Ein unbekanntes Phänomen hat alle Frauen unfruchtbar gemacht, und die Menschheit altert unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen. Wie die anderen reichen Nationen ist England längst zum Auffangbecken geworden, und trotz der Knute des Kriegsrechts beherrschen Chaos, Gewalt und Nationalismus den Alltag. Inmitten dieses Abgrunds ist es an einer Handvoll Menschen, der Menschheit ihre letzte Chance zu geben. Der desillusionierte Regierungsagent und ehemalige Aktivist Theo und seine Exfrau Julia werden zur Eskorte einer wie durch ein Wunder schwangeren Frau und geleiten sie auf ihrem gefährlichen Weg zu einem Zufluchtsort auf hoher See.

Kritiken • CHILDREN OF MEN

10. November 2006 | Kritik • Berliner Morgenpost

Hanns-Georg Rodek spricht mit dem Regisseur Alfonso Cuarón über seinen neuen Film CHILDREN OF MEN.

09. November 2006 | Kritik • Der Spiegel

Der düstere Zukunftsthriller ist ein Fest für Pessimisten und Untergangs-Theoretiker, schreibt Andreas Borcholte. "Das alles hätte allzu leicht in alt- und neutestamentarisches Gewaber abdriften können, wenn nicht Cuarón mit eiserner Hand über den lakonischen, zuweilen fast dokumentarischen Stil seines Film gewacht hätte: Über weite Strecken wird das Geschehen von einer wackeligen Handkamera gefilmt, als wäre der Kinozuschauer ein Reporter, den es in ein Kriegsgebiet verschlagen hat. Tatsächlich bilden die grünen Landschaften Albions einen krassen Gegensatz zum urbanen Raum, der, so wollte es Cuaròn, an zernarbte urbane Krisenareale im Kosovo oder Libanon erinnert. In dieser pragmatischen, streng aufs Überleben ausgerichteten Welt, gibt es den Luxus eines Gottes nicht mehr."

09. November 2006 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Peter Körte lobt den Film: "Der Stil ist rauh und ruppig, die meisten Szenen sind mit der Handkamera gedreht, und wenn die Kamera auf einmal, während einer spektakulär choreographierten Verfolgungsjagd, in Theos Perspektive springt, erzeugt das einen Schock, der sich beim üblichen, klinisch nüchternen Blick auf größere Verwüstungen nie einstellt. Daß dieses Zukunftsszenario so überzeugend wirkt, ist aber auch die Leistung der Produktionsdesigner. Mit kleinsten Eingriffen maximale Effekte erzeugen. ... So ist CHILDREN OF MEN die düsterste und zugleich hellsichtigste Zukunftsvision, die derzeit zum Preis einer Kinokarte zu haben ist."

09. November 2006 | Kritik • Berliner Zeitung

Laut Christian Esch läßt der Regisseur die Welt schön hoffnungslos aussehen. "Aber die starken Bilder und die dick aufgetragene Filmmusik können nicht über die Schwächen der Handlung hinwegtäuschen. Woher kommt die Explosion von Gewalt in einer alternden Gesellschaft ohne Jugend? Warum flieht halb Europa (mehrfach hört man ältere Flüchtlinge deutsch reden) und die Dritte Welt nach Großbritannien, wenn der Bevölkerungsdruck verschwunden ist? Der Film kombiniert Angstszenarien, die nur einzeln glaubhaft sind, und nimmt ihnen so die Wirkung. Es wird nicht einmal klar, was denn so schlimm daran wäre, wenn die Schwangere in die Hände der Polizei fiele."

09. November 2006 | Kritik • Die Tageszeitung

Die Verwerfungen der Gegenwart werden so weit radikalisiert, dass das Bild der Zukunft hoffnungslos ausfällt, schreibt Dominik Kamalzadeh. "Aus dem Wechsel von kurzem Innehalten und Bedrohungsszenarien bezieht der Film seine etwas mechanische Dynamik, wobei sich Cuarón auf effektvoll inszenierte Action-Abläufe durchaus gut versteht. Das Geschehen entfaltet sich als Rettungsaktion, welche durch die politischen und sozialen Versehrtheiten der Gesellschaft wie durch einen Themenpark hindurchführt. Viel Aufmerksamkeit und Detailverliebtheit wird zwar in die Darstellung der zahlreichen Stationen investiert ... Doch Cuarón interessiert sich nur wenig für die Hintergründe gesellschaftlicher Realitäten, er benutzt sie bloß als Schauwerte. So bleibt die Außenwelt für das Paar wenig mehr als Hindernisraum, den man notgedrungen durchqueren muss."

09. November 2006 | Kritik • Der Tagesspiegel

Regisseur Alfonso Cuarón offenbart ein elegantes Gespür für Beschleunigung und Entspannung und lässt einen Sog entstehen, dem sich Sebastian Handke bis zuletzt kaum entziehen kann. Der Film gewinnt "eine seltsam bedrängende, quasi-dokumentarische Form – einmal wird die Sicht aufs Geschehen gar von Blutspritzern auf der Linse getrübt. ... Gerade erst versuchten Filme wie GUATANAMO und WORLD TRADE CENTER, mit naiven Mitteln das real Gewesene nachzustellen. Wie viel raffinierter geht da dieser packende Thriller vor, der auf diffuse, aber wirkungsvolle Weise daran erinnert, was wirklich los ist – und dabei vor listigem Humor ebenso wenig zurückschreckt wie vor aufreibender Action und geradezu religiösem Pathos. Ein aufregendes Kinoerlebnis."

09. November 2006 | Kritik • Frankfurter Rundschau

Pathetisch entwickelt sich CHILDREN OF MEN von einem Zukunftsthriller zu einer gespenstischen Neuauflage der Weihnachtsgeschichte, meint Michael Kohler. Der Film "verbindet seine biblische Fabel mit den Eigenschaften eines guten Genrethrillers: Packend und geradlinig inszeniert, schickt er erstaunlich vielschichtige Figuren durch eine temporeiche Fabel und spiegelt die große gesellschaftliche Erzählung überzeugend in der Handlungsweise seiner Helden. Es ist weniger die Angst vor dem kommenden Ende, die diese erschreckend plausibel gezeichnete Zukunft bestimmt, als die Trauer über das Verlorene. ... In seiner inneren Stimmigkeit geht es einem gleichwohl unter die Haut."

09. November 2006 | Kritik • Junge Welt

Laut Peer Schmitt hat der Regisseur ein Händchen für schiefe Märchen. "Diesem Film scheinen gerade diese entscheidenden Fragen allzu selbstverständlich, er hat genügend damit zu tun, sich gegen Ende zu einem brutalen Bürgerkriegsszenario zu steigern, das u.a. die BBC an reale Bilder "aus dem Irak, Palästina, Bosnien, Somalia und Nordirland" erinnerte."

05. November 2006 | Kritik • Die Welt

Es wirkt, als versuchte das Drehbuch alle aktuell virulenten Probleme in die Zukunft fortzuschreiben und in einem Krisenszenario zu verdichten, kritisiert Sven von Reden. "So wenig überzeugend "Children of Men" als unerfreuliche Zukunftsvision oder als Kommentar zur gegenwärtigen Lage der Weltgesellschaft ist, so brillant ist seine filmische Umsetzung. Einen ersten Eindruck der unglaublichen Wucht, die besonders die Actionszenen des Films erlangen, bekommt man gleich zu Beginn, als eine Bombe unvermittelt wenige Meter von Theo explodiert. Kameramann Emmanuel Lubezki bleibt ihm in der Folge immer neugierig auf den Fersen. Der Handkamera-Realismus wird noch verstärkt durch die Entscheidung, so wenig wie möglich zu schneiden. Der Effekt ist, dass CHILDREN OF MEN über weite Strecken wie die Reportage eines Kriegsberichterstatters wirkt."

06. September 2006 | Kritik • Frankfurter Rundschau

In meisterhaften Masseninszenierungen präsentiert der mexikanische Regisseur die ganze Spannbreite seines handwerklichen Könnens, lobt Daniel Kothenschulte. "Erklärungen für das etwas zu imposante Chaos liefert die Odyssee seines Helden, dem desillusionierten Bürokraten Theo (Clive Owen) kaum. Dafür aber seltsamen Rückhalt in der christlichen Ikonographie, wenn die letzte Mutter der Erde mit ihrem Baby die britischen Streitkräfte auf die Knie zwingt. Es ist ein starkes Bild, doch schwer erträglich, wenn sich wenige Augenblicke zuvor ein Heer muslimischer Demonstranten mit Gewehrsalven durch die Trümmerstraßen bewegt hat."

05. September 2006 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Laut Michael Althen entwirft der Regisseur "das beängstigende Bild einer kinderlos-totalitären Welt, die unter verfinstertem Himmel ihrem Ende entgegengeht: eine erschreckend plausible Vision, in der alle Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung als Albtraum wahr werden. ... So wandelt sich der Zukunftsthriller allmählich zur Erlösungsgeschichte, in der man bis zur letzten Minute den Atem anhält, weil er so hautnah inszeniert ist und vor allem die zeitgemäßen Implikationen dieser Geschichte so unter die Haut gehen."

05. September 2006 | Kritik • Der Tagesspiegel

Jan Schulz-Ojala findet nut ironisches: "Julianne Moore spielt eine früh verscheidende Gutmenschen-Terroristin in diesem Trivialprodukt, das BRAVE NEW WORLD und 1984 ins gefühlte Übermorgen zu transponieren sucht; Michael Caine als grotesk chargierender Althippie wird ein bisschen später exterminiert; den Tod Clive Owens, der die Schwangere als angenehm unhysterischer Retter durch das wachsende Chaos führt, in dem schließlich die Kamera selber Kunstblut ins Auge kriegt, hat sich Cuarón dankenswerterweise bis zum Schluss aufgehoben."

04. September 2006 | Kritik • Der Spiegel

Einen sensationellen Coup nennt Wolfgang Höbel den Film. "Die britische Großproduktion "Children of Man" aber ist nun eine besonders blutige Version der Weihnachtsgeschichte. Tatsächlich wissen die totalitären Herrscher der zivilisierten Welt ebenso wie die Terroristen: Die Geburt eines Säuglings wird als Erlösung gefeiert werden; und deshalb machen fast alle Jagd auf das heilige Kind. CHILDREN OF MEN erzählt diese - sagen wir vorsichtig: ganz schön pathetische - Story mit zwingender Kraft, in mitreissendem Tempo und mit großartigen Schauspielern. Im Vergleich wirken viele andere Wettbewerbsfilme da nur wie matte Zählkandidaten."

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