| Regie | Jessica Bendinger |
| Kinostart | 13.07.2006 |
Regieneuling Jessica Bendinger mischt den typischen Plot eines Sportfilms mit dem Figurenpersonal und den Coming-of-Age-Weisheiten des Highschoolfilms, schreibt Sven von Reden. "Bemerkenswert an REBELL IN TURNSCHUHEN ist allerdings, wie der Film die Genre-Anforderungen zwar grundsätzlich bedient, aber sich auch immer wieder Freiheiten nimmt. So kommt Haleys Rolle gänzlich ohne Liebesgeschichte aus, sie hat lediglich zwei Kumpel, auf die sie sich immer verlassen kann. Bemerkenswert politisch ist die Schlusswendung. Die Rebellin löst tatsächlich eine Rebellion aus, auch wenn man deren Nachhaltigkeit bezweifeln kann. Aber die Botschaft ist klar: Nur Solidarität und Mut können gegen Willkürherrschaft helfen."
In seinen besten Momenten gleicht der Film einem Wasserballett auf Gymnastikmatten, witzelt Michael Kohler. "Bendinger hat sämtliche Sportstätten farblich auf die Trikots der Turnerrinnen abgestimmt, und wenn sie die Körper der übrigens allesamt volljährigen Darstellerinnen nach dem Prinzip der Mehrfachbelichtung zu dynamischen Standbildern montiert, brechen für einen Augenblick die Zeiten der fleischlichen Ornamentik wieder an. Ein Dutzend junger Frauen tummelt sich synchron im Bild und formiert sich zu einem vielgliedrigen Ganzen: So schön war das Kunstturnen nie anzusehen, und vielleicht sieht es überhaupt zum ersten Mal ästhetisch aus - andererseits wird dadurch die Fallhöhe zur eigentlichen Handlung, wie bei Esther Williams, nur noch größer."
Etwas zu deutlich ist der Film laut Philipp Bühler an weiblicher Anatomie interessiert. "Leider ist die jugendliche Heldin selbst so voller Klischees, dass sich der Gestus der Aufmüpfigkeit schnell abnutzt. Jedes Wort eine pop-ironische Volte, jede Geste pure Pose. Das passt zum Plastikpunk von Blink 182, der den Soundtrack aufmöbelt, während Haleys munter wechselnde T-Shirts echte Punks wie die Ramones zitieren. Nichts ist hier so echt, wie es der Authentizitätsanspruch vorgibt, erst recht nicht die computeranimierten Turn-Choreografien, mit denen der spröde Sport hochgetrimmt wird."
Zu vorhersehbar findet Susanne Sitzler den Film. "Natürlich könnte eine solche Prototyp-Story funktionieren, REBELL IN TURNSCHUHEN überzeugt aber nur bedingt. Was da als Rebellen-Film aufgetischt wird, entpuppt sich doch eher als Streifen zur Vermittlung puritanischer Werte wie Ehrgeiz, Respekt, Fleiß, Ausdauer und Stärke. Das Plus des Films sind allerdings die vielen schön gemachten Turnszenen, aufgenommen aus ungewöhnlichen Perspektiven in kaleidoskopartigen Aufsichten mit vielen Überblendungen und schnellen Schnitten. Das hat was von Musikvideo und bringt den Fuß im Turnschuh tatsächlich manchmal zum Mitwippen."
Altbewährte Versatzstücken üblicher Sportdramen sah Sascha Koebner. "Ungewöhnlich ist, dass hier Kunstturnen zu einer modischen Trendsportart gereift scheint: mit knalligen Pop-Songs unterlegt und rasant geschnitten, inszeniert Bendinger die verschiedenen Disziplinen wie Bodenturnen, Barren und Reck. ... Missy Peregrym, wie die Regisseurin ein ehemaliges Foto Model, gibt sich Mühe, den bockigen Teenager zu mimen, auch wenn sie wesentlich älter als ihre Mitspielerinnen wirkt. Wahrlich unterfordert ist Jeff Brigdes, dessen eindimensionale Rolle des antreibenden und doch mitfühlenden Trainers ihm kaum Raum zur Entfaltung lässt. Auf Trend getrimmt und seiner Zielgruppe der Musiksender-Zuschauer gefällig gemacht, verpasst der Film die Chance, sich einem größeren Publikumskreis schmackhaft zu machen."