| Regie | Danis Tanovic |
| Kinostart | 29.06.2006 |
Laut Alexandra Stäheli verliert der Regisseur nicht seine eigene Handschrift. "Aber nicht nur die Kameraführung und die melancholisch-mystischen Bilder von Laurent Daillant lassen Erinnerungen an die Filme des polnischen Regisseurs aufblitzen, auch Tanovics den Film eröffnende Tiersymbolik legt eine zarte Spur zu Kieslowskis Metaphysik ... Das Gute entsteht nicht aus einer Entscheidung der Vernunft, scheint Tanovics Film auf verschiedenen Ebenen immer wieder zu flüstern, es ist eine Sache des Instinkts und damit letztlich auch der Intervention göttlicher Vorsehung."
Gerhard Midding spricht mit dem Regisseur Danis Tanovic über den Schatten von Krzystof Kieslowski.
Enttäuschte Liebe, Betrug und zerbrochene Familienbande sind die Zentralkoordinaten, schreibt Julia Amalia Heyer. "Tanovic präsentiert diese Frauenleben als unabhängige Episoden – verbunden durch das Leitmotiv der Einsamkeit. Wobei die Charaktere erschreckend steril bleiben. Alles bloß Hochglanzfotografie ... Ursache der Tristesse? Ein traumatisches Kindheitserlebnis. Doch selbst die Schlüsselszene ist als Klischee inszeniert. Und was, wenn große französische Schauspielerinnen auf kryptisches Aneinandervorbeireden beschränkt sind? Dann gerät die Erinnerung an die geheimnisvoll trauernde Juliette Binoche in DREI FARBEN BLAU oder die mysteriöse Irène Jacob in DREI FARBEN ROT umso schmerzlicher. Ach, Kieslowski!"
Die Frage nach Zufall oder Schicksal schwebt laut Marcus Wessel über jeden Moment des Films. "Tanovic legt größten Wert auf eine ausgefeilte Metaphorik. Die einzelnen Motive lasten dabei reichlich schwer auf den eigentlich schmalen dramaturgischen Schultern seines Films. Bereits die mit elliptischen Kamerabewegungen und klassischer Musik durchaus effektvoll als hypnotischer Abstieg in die Hölle gestaltete Eingangssequenz, die zeigt, wie ein kleines Kuckuck-Kücken die anderen Eier aus dem Nest wirft, bietet in Bezug auf die eigentliche Geschichte genügend Raum für die unterschiedlichsten Interpretationsansätze. So intelligent das auch inszeniert sein mag, letztendlich laufen die wuchtigen Bilder in ihrer Anhäufung Gefahr, den Kern des Dramas zu überdecken."
WIE IN DER HöLLE ist ein komplexer Film, visuell, formal, stilistisch und eben auch dramaturgisch, schreibt Thilo Wydra. "Doch leider vermag Danis Tanovic es nicht, den Kieslowski-Touch adäquat zu transportieren, gelingt es nicht, den Charakteren in ihrer inszenatorischen Umsetzung jene Tiefe zu verleihen, die einer Kieslowskischen Figur wie selbstverständlich zu eigen ist. Die Geschichte bewegt trotz ihres tragischen Untergrundes nicht wirklich, Tanovic inszeniert die Frauen zu oberflächlich, und es sind nur einzelne Sequenzen, die in ihrer Emotionalität gelingen."
Für Ulrich Kriest ist der Film wie ein Puzzle. "Bedeutungsschwanger bewegt sich WIE IN DER HöLLE durch eine kunstvoll gestrickte Handlung, die letztlich nur wenig mehr als spannungsarm exekutierte philosophische Reflexion ist. Als ein oberflächlich elegant-morbider, insgeheim aber eher mechanistischer Reigen mit erlesener Starbesetzung entwirft der Film immer neue Varianten der Frage nach Zufall oder Schicksal als eigenwillige Mischung aus Hardcore-Katholizismus und Hitchcock. ... Substanz wäre freilich eine schöne Alternative zu diesem selbstgefällig pseudophilosophischen Habitus, den Tanovic sich – von wem auch immer – hat aufoktroyieren lassen."