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HOTEL

HOTEL

Regie Jessica Hausner
Kinostart 22.06.2006

Kritiken • HOTEL

25. Juni 2006 | HOTEL • Kritik • Junge Welt

Für Maria Wilpert funktioniert der Horrorfilm wie ein Witz. "Konsequent verzichtet die Drehbuchautorin und Regisseurin Jessica Hausner jedesmal, wenn es angesagt wäre, auf die handelsüblichen Horror-Effekte. Immer wieder baut sie eine mächtig beklemmende Atmosphäre auf, läßt dann aber einen Spannungsbogen nach dem anderen ins Leere laufen. So denkt man als Zuschauer, die richtig gruseligen Episoden kämen noch. Und genau, wenn das Grauenhafte endgültig passieren müßte, ist der Film vorbei. Dieses Spiel mit den Rezeptionsgewohnheiten irritiert, verärgert womöglich sogar (man fühlt sich an der Nase herumgeführt), hat aber doch einiges für sich."

22. Juni 2006 | HOTEL • Kritik • Berliner Zeitung

Gekonnt spielt Jessica Hausner mit den Versatzstücken des Psychothrillers und des Horrorfilms, meint Bert Rebhandl. Die Regisseurin "hat einen guten Sinn für die österreichische Sprachmelodie, für die latente Niedertracht in harmlos klingenden Sätzen, in denen zum Beispiel von "eingegangenen" Pflanzen die Rede ist, wodurch das Hotel sofort mit dem Tod assoziiert wird. Die von Martin Gschlacht geführte Kamera erzeugt immer wieder Bilder von geometrischer Kälte, vergleichbar der Ästhetik von Überwachungsvideos."

22. Juni 2006 | HOTEL • Kritik • Die Tageszeitung

Für Christoph Huber entzieht sich HOTEL den Erwartungen. Er "ist letztlich ein Genrefilm, der sich über das Genre stellt, ein Horrorfilm, den nur die Andeutung von Horror interessiert, ein Kunstthriller. Unbefriedigend ist er trotz technischer Raffinesse, weil er sich im Akt der Nivellierung erschöpft: Zwar gibt es sorgsam ausgelegte Fährten und schön komponierte Momente, aber sie bleiben reaktionslos nebeneinander stehen. Bei diesem offensichtlichen Nachvollzug einer unerklärlichen Welt fällt nicht mehr ab als stilsichere Unheimlichkeit. Es fehlt jede Motivation."

22. Juni 2006 | HOTEL • Kritik • Der Tagesspiegel

Christiane Peitz hat sich nicht Bangemachen lassen. "Jessica Hausners Minimalismus, ihre Ästhetik der Leerstellen und Andeutungen zieht den Zuschauer in Bann und lockt ihn hinter die Oberflächenphänomene der Wirklichkeit. Ein Waldschattenspiel, archaisches Gegenwartsmärchen. HOTEL wirft kein Licht ins Dunkel, sondern schickt uns mitten in die Finsternis. Dort sind wir allein, wie Kinder in der Nacht, und erleben Begegnungen der dritten Art: mit der eigenen Angst und der Lust auf all das, was sich dem ersten Blick gewöhnlich entzieht. Bangemachen gilt eben doch."

22. Juni 2006 | HOTEL • Kritik • Frankfurter Rundschau

Laut Daniel Kothenschulte steht der Film zwischen den Stühlen. "Hausner spielt virtuos ein doppeltes Spiel: Sie bedient zwar jenen nüchternen, milieutreuen Blick auf die bürgerliche Welt mit Hang zum Morbiden, den das österreichische Kino zu seinem liebsten Exportartikel gewählt hat. Doch es fehlt der sarkastische Unterton eines Ulrich Seidl. Dafür aber spielt sie virtuos mit der mise-en-scene des großen Kinos. Der sich stetig steigende Eindruck der Entfremdung und Unheimlichkeit entsteht aus dem suggestiven Spiel mit Blickachsen. ... Für Cinephile ist Hotel eine Hommage an das Wunder vom Raum im großen Kino: Eine Erinnerung an die schönen Irritationen im Vertrauten, an die Lust, sich eine aus Fragmenten gezimmerte Scheinwelt als wirklich vorstellen zu wollen."

22. Juni 2006 | HOTEL • Kritik • Neues Deutschland

Der Zuschauer bleibt, gewollt, im Zweifel, schreibt Caroline M. Buck. "Die Regie verweigert die Antwort und steuert konsequent einen mittleren Kurs zwischen der am Horrorfilm geschulten Erwartungshaltung des Zuschauers und einem geerdeten, filmisch gesehen längst als typisch österreichisch zu bezeichnenden Sozialrealismus. Weil das interne Hotelgefüge ebenso zwanghaft geordnet ist wie die in Reih und Glied sortierte Waldkulisse dahinter – an nichts erinnert sie so sehr wie an eine in der Höhe vervollständigte Version von Fritz Langs gekapptem Berliner Studiowald der NIBELUNGEN –, stellt sich beim Zuschauer die perverse Hoffnung ein, irgendwo möge diese ganze, triste Ordnung ein Ziel verfolgen – und sei es ein finsteres. Am Ende verhallt ein Schrei, dann noch einer."

20. Juni 2006 | HOTEL • Kritik • film-dienst 13/2006

Laut Rüdiger Suchsland bricht der Horrorfilm "konsequent mit den Klischees des Genres, während er sich ihrer zugleich bedient. So funktioniert HOTEL als Horror-Movie, bietet zugleich aber eine höchst intelligente Selbstreflexion und filmische Dekonstruktion des Genres. ... Der Horror ist hier ein Horror des Unheimlichen. Statt auf den Schock und das Erschrecken zu setzen, entfaltet Hausner eine Sprache der Andeutungen, die sich nicht auf die Furcht, sondern auf das Unbekannte richtet. Irènes Sehnsucht verwandelt sich in einen Horror vacui. HOTEL ist ein rätselhafter, stiller Horrorfilm, der ans Unterbewusstsein des Zuschauers rührt, dabei einen sehr eigenen inneren Sog entfaltet und besonders dadurch besticht, dass er Leerstellen hinterlässt, die im Betrachter nachwirken."

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