AMERICAN DREAMZ

film-zeit Film: AMERICAN DREAMZ
Regie Chris Weitz
Paul Weitz
Kinostart 15.06.2006

Inhalt • AMERICAN DREAMZ

Am Morgen seiner Wiederwahl beschließt Präsident Staton etwas richtig Außergewöhnliches zu tun: Er liest die Zeitung. Schließlich ist er in der letzten Legislaturperiode einfach nicht dazu gekommen. Ungefiltert prasseln die Informationen auf ihn ein und zertrümmern sein Schwarz/Weiß-Western-Weltbild. Um der Sinnkrise seines Chefs Herr zu werden, sieht Stabschef Wally Brown nur eine Lösung: Er muss zurück ins Rampenlicht, und so wird er Mitglied der "American-Dreamz"-Jury, der berühmtesten Pop-Star-Show des Landes. Dort trifft er auf jede Menge Wanna-Be-Sternchen und einen mutmaßlichen Attentäter. Die Show kann beginnen...

Kritiken • AMERICAN DREAMZ

16. Juni 2006 | Kritik • Neue Züricher Zeitung

Für Marli Feldvoss ist der Film nur fast eine Satire. Der Film "hegt Gefühle für die TV-geilen Provinzler und das Stehaufmännchen von Präsident, spielt auch ein bisschen Melting-Pot für assimilierwillige Fremde, die sich noch trauen, den guten alten amerikanischen Traum zu entdecken. Der Showdown macht Tabula rasa - aber trifft es dann wirklich die Richtigen?"

16. Juni 2006 | Kritik • Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bei soviel Weltgeschichte in einem Fernsehstudio hat Paul Weitz gut zu tun, um mit seinem Film nicht im Chaos zu enden, schreibt Bert Rebhandl. "AMERICAN DREAMZ ist ein kleiner Exorzismus aus dem Geiste Baudrillards: Das Reale, das irgendwo da draußen sich vorbereitet, verwandelt sich beim Eintritt in die Sphäre der amerikanischen Träume. Alle Hoffnungen, dieses System zu sprengen, sind naiv. Was als Explosion geplant ist, bringt das Fernsehen zum Implodieren. Nur dem Präsidenten reißt die Druckwelle den elektronischen Knopf aus dem Ohr. Seine ersten freien Worte sind von so grandioser Einfalt, daß sie geradezu staatsmännisch klingen."

16. Juni 2006 | Kritik • Der Spiegel

Natürlich ist AMERICAN DREAMZ keine Analyse der US-Entertainmentindustrie geworden, und gelegentlich verzettelt sich die Dramaturgie in den vielen Seitensträngen der Geschichte, kritisiert Christian Buß. "Dafür wird recht unterhaltsam der allgegenwärtig von den Medien ausgeübte Zwang, etwas "darzustellen", ins Visier genommen. ... Hierzulande darf man sich umso mehr über die nicht immer ganz geschmackssichere, aber stets schmissige kulturenübergreifende Terrorrevue amüsieren. Dance, dance, dance, Mr. Taliban!"

15. Juni 2006 | Kritik • Berliner Zeitung

Wolfgang Fuhrmann ist begeistert von der Medien-Satire. "AMERICAN DREAMZ parodiert das Grundversprechen der USA, dass hier jeder sein Glück suchen soll, und behandelt es doch mit großer Zärtlichkeit. Wo ein US-Präsident und ein Terrorist als sympathisch hilflose Charaktere erscheinen, wird das eigentliche Reich des Bösen vom All American Girl beherrscht: Mandy Moore, der es gelingt, mit niedlichstem Gesichtsausdruck die gemeinsten Dinge zu sagen und zu tun. Und Hugh Grant brilliert mit gewohntem Zynismus als Showmaster, auch wenn ihn von der amerikanischen Ausprägung dieser Spezies eigentlich zu viel Understatement trennt."

15. Juni 2006 | Kritik • Die Welt

Was als grandioser politischer Rundumschlag beginnt, verliert sich mit der Zeit immer mehr in unverbindlicher Sitcom-Komik, kritisiert Sascha Westphal. "In Weitz' überaus bittere Bestandsaufnahme der heutigen (Medien-)Welt mischt sich ein Hauch von Melancholie, vielleicht sogar ein wenig Hoffnung: Gemeinsam könnten Sally und Tweed vielleicht ihre Herzen finden. Doch am Ende erzeugt Paul Weitz' seltsamer Drang nach Harmonie einen merklichen Mißklang. In dem Bestreben, niemandem weh zu tun, hat Weitz seine an sich treffsichere Satire auf das Zusammenspiel von Politik, Medien und Terrorismus im frühen 21. Jahrhundert verwässert."

15. Juni 2006 | Kritik • Die Tageszeitung

Die Zeiten für Satire sind vertrackt, behauptet Dietmar Kammerer. "Weitz geht es weniger um die Artikulierung einer Botschaft als darum, die Satire für den Mainstream offen zu halten - genau für ein Publikum, das sich vom Kinofilm AMERICAN DREAMZ auch als TV-Sendung ansprechen lassen würde, das also seinen Spaß hätte an "American Idol" und anderen Superstar-Formaten. Die doppelte Verwendungsmöglichkeit des Titels muss programmatisch verstanden werden. Es geht darum, einen Film innerhalb der Genreregeln wirksam werden zu lassen und ihm zugleich einen doppelten Boden einzuziehen."

13. Juni 2006 | Kritik • fluter.de

Wirklich sehenswert an dieser Politik- und Gesellschaftssatire ist zunächst einmal die prominente Besetzung, meint Sascha Rettig. "Mit AMERICAN DREAMZ will Regisseur Weitz der sowieso schon durchgedrehten Fernsehrealität noch eins draufsetzen. Die Frage ist nur, ob dem Fernsehwahnsinn, bei dem sich ganz normale Freaks zum medialen Abschuss freigegeben, überhaupt noch etwas hinzugefügt werden kann. Denn auch wenn sich Weitz sichtbar bemüht, die Auswüchse im politischen und medialen Entertainment deftig bloßzustellen, bleibt sein thematisch überfrachteter Film witzlos. Lediglich Dennis Quaid sorgt als US-Präsident für die wenigen wirklich komischen Momente. Und dass der amerikanische Traum ausgerechnet im Glauben des terroristischen Schläfers noch intakt ist, ist tatsächliche eine gelungene ironische Pointe."

12. Juni 2006 | Kritik • br-online.de

Alles, was Amerika gerade an Klischees zu bieten hat, kommt hier auf die Bühne, merkt Andrea Mirbeth an. "Der Film funktioniert, weil es diesen ganz normalen Wahnsinn längst gibt, weil Millionen alles dafür geben, einmal im Fernsehen aufzutreten und dafür bereit sind, monatelang in Containern zu verbringen, sich in Quizshows zu verdingen oder als Popstar zu versuchen, obwohl sie selbst im heimischen Kirchenchor keine Chance hatten. AMERICAN DREAMZ stellt sehr schlau Fernsehen und Showbusiness bloß und zeigt entlarvend, was in den letzten Jahren daraus geworden ist beziehungsweise zeigt schon mal, was uns noch alles bevorsteht. Und das Beste daran: AMERICAN DREAMZ schlägt das Showgeschäft mit seiner besten Waffe: Es ist einfach gute Unterhaltung, die auch eingefleischte Gesellschafts- und Kulturkritiker überzeugen dürfte."

08. Juni 2006 | Kritik • film-dienst 12/2006

Etwas zu sympathisch ist die Gesellschafts- und Politsatire für Michael Kohler geraten. "Es gibt köstliche Momente, aber immer wieder Leerlauf, und irgendwie fügen sich die einzelnen Episoden nicht zum großen (Gesellschafts-)Ganzen. Für sich genommen ist jeder Handlungsstrang ein kleines Komödienkunstwerk über die Kultur der Oberflächlichkeit, die von den Protagonisten mal als Verheißung, mal als Verdammnis empfunden wird. Die Pointe dabei ist, dass der amerikanische Traum gerade beim Immigranten Omer, seiner irakisch-amerikanischen Gastfamilie und selbst unter den Mudschaheddin seine innigsten Fürsprecher findet."

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