| Regie | Eli Roth |
| Kinostart | 27.04.2006 |
Die College-Freunde Paxton und Josh sind mit dem Rucksack unterwegs durch Europa. Wie ihr neuer Kumpel, der Isländer Oli, gieren die Amerikaner nach aufregenden Erlebnissen. Auf ihrem Trip bekommen sie einen Geheimtipp: Abseits der üblichen Reiserouten soll ein Nirwana für Backpacker liegen - ein Hostel in der Slowakei, in dem Frauen auf sie warten sollen. Und tatsächlich: Die Freunde lernen die beiden Schönheiten Natalya und Svetlana kennen. Paxton, Josh und Oli haben die Zeit ihres Lebens. Doch die währt nur kurz. Zu spät bemerken sie, dass sie in einer tödlichen Falle sitzen...
Für Ralf Sander verbreitet der Streifen keine neue Dimensionen des Grauens, obwohl er es hätte tun können. "Was für ein bösartiger, entsetzlicher und verstörender Kommentar zum Zustand der Menschheit hätte HOSTEL werden können! Der Horrorfilm spiegelt immer auch Gesellschaft und in ihr vorherrschende Probleme wider. In den 70ern war es der Vietnamkrieg, in Zeiten von Abu Ghreib ist Folter präsenter denn je. Die Folterszenen in HOSTEL sind extrem, eklig - aber egal. Der Zuschauer leidet nicht mit, weil die Charakter nicht interessieren. Weil keine Atmosphäre aufkommt. Weil jegliche Spannung fehlt."
Andreas Busche sieht die große Tradition des amerikanischen Splatterfilms mit HOSTEL fortgesetzt. "Das Betreten der falschen Gegend wird gnadenlos bestraft. Die Mischung aus nationaler Hybris und latentem Selbstekel, die den "American Horror" der Siebzigerjahre kennzeichnet, funktioniert heute wieder prächtig ... HOSTEL spielt recht plakativ mit dem Zeichenrepertoire des Splatterfilms, dringt darüber aber zu seinem hysterischen Kern vor: dem Unbehagen vor dem "Anderen"."
Hütet euch vor Bratislava, empfiehlt Hanns-Georg Rodek. "Es ist ein globalisierter Horror, vor dem es für seine Opfer nirgendwo Zuflucht gibt, weder in Nicht-Amerika, noch in Amerika selbst; der Feind läßt sich auch nicht mehr besänftigen, mit Schokolade oder Greenbacks. Im Ausland ist es gefährlich, erhebt HOSTEL den Zeigefinger, aber seit 9/11 fühlen sich die Amerikaner auch daheim verwundbar, und die neue Furcht trägt dem Rechnung. ... Es liegt nahe, daß das Kino auf die Folterschnappschüsse aus Bagdader Gefängnissen und geköpfte Menschen im Internet reagieren mußte. Wenn die öffentliche Grausamkeit Grenzen überschreitet, muß es das Kino erst recht. Die Medienrealität ist plötzlich voller Menschen in Käfigen - Guantánamo, Abu Ghraib, Geiseln im Irak - und das aktuelle Kino sperrt seine Figuren in immer engere Räume und stülpt ihnen schwarze Kapuzen über."
HOSTEL führt die Extreme von Horror und Porno zusammen, behauptet Peter Uehling. Das geht so weit "wie man sich das noch trauen kann, wenn man nicht gleich auf dem Index landen will. Weil der Schrecken des Horrorfilms oft aus der Verdrängung des Sexuellen entsteht, meidet er die Bilder des Sexuellen; weil der Pornofilm zumeist nicht mehr sein will als Dienstleistung für den einsamen Kunden, meidet er die Bilder des Irrsinns, die hinter seiner reduzierten Auffassung des Menschen stehen. ... Roth erzählt stolz, dass bei Testvorführungen gekotzt und in Ohnmacht gefallen wurde. Es ist der Stolz des Intellektuellen, auf der somatischen Ebene etwas geleistet zu haben. Denn intelligent ist der Film ohne Zweifel darin, wie er alle Interpretationsklischees durchkreuzt, vor Anspielungen auf asiatische Horrorfilme nur so strotzt."
Anfänglich fühlte sich Wladek Flakin gelangweilt. "So richtig ernst meint der Film es mit dieser Moral nicht. Er will ja in erster Linie unterhalten. Unwillkürlich denkt man während der Gewaltexzesse an die reale Folterpraxis des US-Imperiums. Es werden ja in Osteuropa tatsächlich Menschen so gequält – jedoch nicht von gelangweilten Geschäftsmännern, sondern von der CIA. Während sich die Geschäftsmänner darüber unterhalten, welchen Kick es bietet, einen Menschen langsam zu töten, gibt die CIA keine Gründe an, außer natürlich 'Terrorismusbekämpfung'."
In dem Gewaltspektakel fühlte sich Andreas Busche gut aufgehoben. "HOSTEL ist die reine Lehre der jüngsten Horrorfilm-Exzesse, ein von Handlung und Psychologie befreites Gewaltspektakel mit einigen notdürftig ironischen Untertönen ... Und Roth spart kein Detail aus. Der Spaß, den er dabei entwickelt – der japanische Regisseur Takashi Miike hat einen klasse Cameo-Auftritt –, nutzt sich nach einiger Zeit jedoch etwas ab. Es scheint, als wolle er die Grenzen des Mach- und Zeigbaren um jeden Preis ausloten. Das funktioniert besser, als Roth am Ende lieb sein kann."
Anfangs wurde René Classen den Eindruck nicht los, daß der Regisseur mit der kulturellen Arroganz seiner Landsleute abrechnen will, aber der Film ändert bald seine Richtung. "Gab es bis zu Joshs Tod noch unangenehm dichte Momente, verflacht der Film in der zweiten Hälfte zum banalen Actionkino, das mit extremer Gewalt die Aufmerksamkeit der Medienöffentlichkeit zu erkaufen versucht. Doch selbst die Akte des Terrors in HOSTEL sind im Grunde nicht der Rede wert, da Roth es nicht durchhält, sie aus der – in der Tat unerträglichen – Perspektive des Opfers zu zeigen, sondern frühzeitig in die bequem konsumierbare Illusion flüchtet, dass es auch aus ausweglosen Situationen für echte Helden immer einen Ausweg gibt."
Gehetzt und letztlich unbefriedigend findet Florian Kummert den Horrorstreifen. "Nettes Geplänkel und nacktes Fleisch, aber leider auch eine fade Charakterisierung, die kein Mitgefühl aufkommen lässt, wenn es später den drei Reisenden an die Körperteile geht. HOSTEL hat in Horror-Fankreisen eine Reputation als Extrem-Shocker, der bis an die Grenzen des Erträglichen geht. Roth mutet dem Publikum in der Tat viel zu. Doch ein guter Horrorfilm ist HOSTEL nicht. Der Film erzeugt nie Angst, Furcht oder Beklemmung beim Zuschauer."
Peter Körte fragt, was eigentlich Quentin Tarantino macht. Er produziert zum Beispiel HOSTEL.
Dieter Osswald unterhält sich mit Regisseur Eli Roth über Panikreaktionen seiner Zuschauer, den Erfolg von HOSTEL und seinen größten Fan Quentin Tarantino.