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LICHTER DER VORSTADT

LICHTER DER VORSTADT

Regie Aki Kaurismäki
Kinostart 21.12.2006

Kritiken • LICHTER DER VORSTADT

21. Dezember 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Berliner Zeitung

Laut Anke Westphal hat der Regisseur mit LICHTER DER VORSTADT vielleicht seinen konsequentesten Film gemacht. "Auf den Verlust der Arbeit folgte also jener der Identität, und nun folgt so etwas wie der Verlust des Glaubens an die Wahrhaftigkeit. Dieser Glaube wird ersetzt durch ein schmerzliches Festhalten an einer schönen Erinnerung; und es spielt keine Rolle, dass die auf einer Täuschung gründet. Das alles ist natürlich abgrundtief traurig - erst die Einsamkeit, dann der Vertrauensbruch und schließlich diese schicksalhafte Ergebenheit, fast bis in den Tod hinein. Dann flackert aber doch noch ein zartes Licht in der Vorstadt auf; sonst wäre dies hier wohl kein echter Kaurismäki."

21. Dezember 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Die Tageszeitung

Gewalt, auch in ihrer rohen Form, ist eine Konstante in den Filmen Kaurismäkis, hat Dietmar Kammerer festgestellt. "Selten jedoch erscheint die Gewalt unmittelbar. Normalerweise hören wir den Pistolenknall nur, das Drama spielt sich hinter einer Tür ab, im Off des Bildes, oder es wird durch einen raschen Gegenschnitt verdeckt. Nicht, dass Kaurismäki vor Gewalt zurückschrecken würde, er sagt nur: So einfach, wie es meist im Kino gezeigt wird, ist es in Wirklichkeit nicht. Gewalt ist nicht in den Stahl einer Waffe eingegossen. Sie ist ein Verhältnis in den Beziehungen der Menschen untereinander. Mehr als für Gangstergeschichten interessiert Kaurismäki sich für die versteckte Form des Zwangs, für das, was man strukturelle Gewalt zu nennen sich angewöhnt hat, was aber immer von Menschen an Menschen ausgeübt wird."

21. Dezember 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Der Tagesspiegel

Für Christiane Peitz besitzt der Film eine Farbenpracht. LICHTER DER VORSTADT "lebt von der Grundfarbe Blau. Dazu eine rote oder eine gelbe Wand. Lauter Kinogemälde, arrangiert à la Edward Hopper, mit Eiszapfen an der Überwachungskamera und Sträflingen, die sich im Frühlingslicht drängeln. Das genügt für den Wechsel der Jahreszeiten."

21. Dezember 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Frankfurter Rundschau

Im Vergleich zu Früherem ist LICHTER DER VORSTADT für Daniel Kothenschulte nur ein Nebenwerk. "Dieses Märchen formuliert die Grundformel eines typischen Kaurismäki-Films: Alles geht den Bach runter. Aber aus irgendeinem Grund scheint das jedem aufzufallen außer den Protagonisten. Um diesen Effekt zu erreichen, muss Kaurismäkis Welt in all ihrer gnadenlosen Melodramatik so verlässlich wie ein Uhrwerk organisiert sein. Jedes Detail spielt mit."

27. Mai 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Die Tageszeitung

Laut Cristina Nord wird dem Oeuvre des finnischen Filmemachers nichts substanziell Neues hinzugefügt. "Doch wie Kaurismäki die Tristesse seines Protagonisten Koistinen, eines Wachschutzmannes am Rande von Helsinki, in ziegelroten und kobaltblauen Farben ausmalt, zählt zu den Höhepunkten des diesjährigen Wettbewerbs. ... LIGHTS IN THE DUSK arbeitet unverkennbar mit den Figurenarrangements des Stummfilms und denen des Neorealismus, mit dem Typus der treuherzigen, ausgebeuteten, zur Gegenwehr unfähigen Figur. Zugleich entwickelt der Film den für Kaurismäki charakteristischen, großartigen Sinn für Lakonie."

24. Mai 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Der Tagesspiegel

Einmal mehr verneigt sich der Regisseur laut Jan Schulz-Ojala vor seinem Hausheiligen Charlie Chaplin. "Nur will sein neuester Held, anders als die anrührenden Tramps aus WOLKEN ZIEHEN VORÜBER und DER MANN OHNE VERGANGENHEIT, so gar keine Wärme auf sich ziehen, sondern geht unbeirrt unter. Bilder, Rhythmus und Lakonie dieses Abschlusswerks der jüngsten Kaurismäki-Trilogie stimmen wie immer, nur fehlt ihm Seele. Weitgehend humorfrei und mit seltsam kaltem Auge sieht der Finne der Zerstörung eines Mannes zu, dem nicht mal das Sichwehren mehr helfen kann. So kommt auch die Rettung – für die Figur wie für den Film – fast zu spät."

24. Mai 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Die Zeit

Katja Nicodemus mag die "Würde und Schönheit, die auch dieser Regisseur seinen Heldinnen verleiht, indem er ihnen das Bild überlässt und sie wirklich anblickt. Bei Kaurismäki ist Kati Outinnen kaum zwanzig Sekunden an einer Supermarktkasse zu sehen. Und doch hat man das Gefühl, auf ein ganzes Leben zu schauen. Und auf die Geschichten all der weiblichen Stehaufmännchen, die Outinnen zuvor schon in Kaurismäkis Kino-Universum gespielt hat."

23. Mai 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Der Spiegel

Es ist die immer gleiche Trauerkloß-Geschichte, die Kaurismäki hier erzählt, findet Andreas Borcholte, "aber die resignierte Ruhe, mit der Kostinen Prügel, Verrat und Gefängnis hinnimmt, setzt einem auch diesmal zu. Außerdem gibt es alles, was man in Kaurismäki-Filmen zu schätzen gelernt hat: den dickflüssigen Kaffee, das andauernde Zigaretten-Qualmen und die langen, wunderschön komponierten Kamera-Einstellungen, in denen die ganze Tragweite der Tragödie konzentriert ist. Ein finnischer film noir mit viel Herz und Mitgefühl, der seinen Wettbewerbsplatz auf jeden Fall verdient hat."

23. Mai 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal "weiß, dass Aki Kaurismäkis Finnland nichts mit Nokia und Hightech zu tun hat, und so ist auch LIGHTS IN THE DUSK wunderbar radikal stilisiert, in den Bildern wie in der Moral (Banken sind böse!). Würde hier nicht gesprochen, wäre es ein Stummfilmmelodram. Nicht zufällig bezieht sich Kaurismäki hier auf Chaplin. In einem Anfall von Wehleidigkeit hat der Regisseur mal behauptet, dass seine Filme zwar nicht besonders gut seien, die anderen aber noch schlechter. Damit behält er, von Almodovar abgesehen, diesmal auch in Cannes Recht."

23. Mai 2006 | LICHTER DER VORSTADT • Kritik • Frankfurter Rundschau

Die ist der siebentbesten "Aki Kaurismäki" für Daniel Kothenschulte. "Der schönste der wenigen Sätze dieses Films gelingt ihm, als ihn jemand fragt, wie es dort war. "Man kam nicht raus. Die Türen waren zu." Diese Szene hat uns diese in matt-dunklem Pastell gehaltene Chaplinade schon verkauft, auch wenn sich das Leben des alterslosen jungen Mannes danach noch weiter verfinstern wird. "Zum Glück aber für unseren Helden", verspricht der Regisseur im Begleittext, "ist der Filmautor als sanftmütiger alter Mann bekannt, so darf man hoffen, dass ein dünner Hoffnungsschimmer die letzte Szene erhellen wird.""

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