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MARIE ANTOINETTE

MARIE ANTOINETTE

Regie Sofia Coppola
Kinostart 02.11.2006

Kritiken • MARIE ANTOINETTE

03. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Der Freitag

Laut Sabine Horst schließt MARIE ANTOINETTE das Bild der feudalen Vergangenheit nahtlos an das Markenbewusstsein der neoliberalen Gegenwart an. "Dabei verringert der Film die historische Distanz nicht, er bringt uns Marie Antoinette keineswegs nahe - vielmehr erscheint in ihr eine Klasse verfremdet, an die uns die sogenannte Celebrity-Kultur seit Jahren so vollständig gewöhnt hat, dass uns gar nicht mehr auffällt, wie weit weg diese Leute eigentlich sind: wie reich, wie privilegiert, wie vollkommen eingesponnen in ihren Kokon aus hundertprozentiger, garantiert nicht waschbarer Seide. Die Königin und ihre Girls-Gang machen sich hervorragend als Stellvertreterinnen jener Szene junger Erbinnen, Gattinnen, Ex-Gattinnen und It-Bag-Trägerinnen..."

02. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Die Tageszeitung

Zuckersüß, frivol und naiv nennt Cristina Nord den Film. "Der Vorwurf der Oberflächlichkeit liegt nahe, ebenso wie der Vorwurf der Frivolität, der Geschichtsklitterung, der Naivität. Alle Vorwürfe sind richtig und weisen doch ins Leere - warum sollte MARIE ANTOINETTE nicht oberflächlich, frivol und naiv sein? Was spricht dagegen, wenn der Film einen Maskenball mit einem Song von Siouxsie & The Banshees unterlegt? Warum darf er sich nicht weigern, die historiografisch korrekte Einordnung zu vollziehen - er ist schließlich kein Geschichtsbuch? Es ist, als wollte man einem Großstadtfilm vorwerfen, er spiele nicht auf dem Land."

02. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Der Tagesspiegel

Außergewöhnlich ist der Kostümfilm für Jan Schulz-Ojala. "Radikal und frei und doch mit betörender Sanftmut, die Kirsten Dunst kongenial verkörpert, bemächtigt sich die Regisseurin des Universums Versailles und deutet es als ein zu krankem Leben erwecktes Wachsfigurenkabinett; als unablässig plärrende Spieluhr auch, die sich mit einem Püppchen namens Königin schmückt. Nur dass wir deren unendlich entfremdete Existenz, unendlich modern, mit ihren eigenen Augen sehen."

02. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Die Verlorenheit in einer fremden Zeichenwelt wird zur Obsession der Regisseurin, behauptet Michael Kohler. "Trotz seiner illustren Besetzungsliste, seiner exquisiten Musikauswahl und der soliden Vorlage Antonia Frasers hinterlässt MARIE ANTOINETTE den Eindruck einer seltsamen Unentschiedenheit. Sei es das Schicksal ihrer Protagonistin, das Leben bei Hofe oder die Auswüchse der Revolution: Coppola kann sich zu keiner Haltung zu irgend etwas durchringen, ja, man versteht nicht einmal, ob sie den Untergang der von ihr wehmütig bebilderten Monarchie als Befreiung oder eher als Barbarei ansieht. Der historischen Marie Antoinette wird sie damit so wenig gerecht wie ihrer schönen Idee von der ewigen Wiederkehr des Pop."

02. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Junge Welt

Einen epischen Film über die Mode und die Gegenwart sah Peer Schmitt. "Auf den ersten Blick handelt der Film von nichts anderem als Kirsten Dunst, die Marie Antoinette spielt - schön und unglücklich. Kirsten Dunst dominiert so gut wie jede Einstellung des Films. Und jede ihrer Gesten soll bedeuten: Es geht hier nicht um Geschichte, es geht um mich, der Film bin ich oder von mir aus auch Sofia. ... Marie Antoinette ist ein Traum von einer langsam, aber sicher durchdrehenden Teenage-Göttin, verloren in den Fluren von Versailles, mit einem fatalen Hang zu exklusiver Mode, Süßigkeiten, Champagner, Glücksspiel und Opernaufführungen, dazu geplagt von einer frustrierenden Nicht-Sexualität in argwöhnischer Öffentlichkeit. Irgendwie dann doch wieder historisch absolut korrekt."

02. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Die Zeit

Laut Katja Nicodemus scheitert der Film am Wahnwitz von Versailles. "Tatsächlich liegt im Bild einer Königin, die im Petit Trianon-Schlösschen nicht anders feiert als, sagen wir mal, Paris Hilton mit ihrer Clique, auch das Poblem von MARIE ANTOINETTE. Für die weltabgewandte Dekadenz von Versailles findet Coppola keine Vision, weil sie an allzu alltäglichen Luxus- und Markenkategorien kleben bleibt. Und während der Konsumrausch der jungen Königin zunächst mit großem Schwung in die Palastgemächer einzieht, beschleicht uns eine Ahnung, dass der Wahnwitz von Versailles mehr gewesen sein muss als Schnittfolgen aus schrillen Pumps und einem Paar Turnschuhe."

01. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Der Spiegel

Die Regisseurin zeigt das Leben der französischen Königin als konsequent oberflächliche Seifenoper - und enttäuscht dabei virtuos die Erwartungen von Jenny Hoch. "MARIE ANTOINETTE ist kein Historienfilm, sondern der Pop gewordene Widergänger eines Kostümfilms. MARIE ANTOINETTE ist ein Traum in rosa, eine wild gewordene Mädchenphantasie, ein pastellfarbener Sahnebaiser - außen appetitlich, innen hohl. ... Dieser Film zeigt ein It-Girl des Rokoko, das auf keinen Fall aus seinem goldenen Käfig heraus will. Die Frage ist nur, warum. Darauf gibt Sofia Coppola wohl mit Absicht keine Antwort. Sie nimmt einen nicht bei der Hand und doziert darüber, was gut und was schlecht ist. Fest steht nur, dass für ein Leben in Saus und Braus ein gewisser Preis zu bezahlen ist."

01. November 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Berliner Zeitung

Bunt, frech und herrlich verspielt findet Anke Westphal den Film. "Es geht in MARIE ANTOINETTE nun mal nicht um Historikerdebatten, sondern um eine junge und gar nicht mal so dumme, aber unerfahrene Frau, die in einer sehr komplizierten und ihr zudem feindlich gesonnenen fremden Welt überleben muss. ... So bleibt Coppolas Sicht auf die Königin extrem anschlussfähig: Für mediengewiefte Teenager, die Paris Hilton toll finden, lohnt dieser Film ebenso wie für Hochkulturkonsumenten mit einer Schwäche für die ganz und gar leuchtende Hauptdarstellerin."

10. Juli 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Marc Zitzmann nimmt Sofia Coppolas kontroversen Film MARIE-ANTOINETTE zum Anlaß, um über Versailles zu schreiben.

27. Mai 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Der Tagesspiegel

Laut Jan Schulz-Ojala tarnt sich der Film "als pure Oberfläche: eine cineastische Bonbonniere in Blauweißrosa mit einer Menge Gold dazu. Als visuelle Orgie aus Krinolinen, Kuchengebirgen und hektoliterweise Champagner. Und doch: ein Kleinmädchenalbtraum – und eine Einsamkeitsstudie mehr. ... Da Coppola auf die Ausmalung von Intrigen und das gobelinhafte Dialogstickwerk großpolitischer Hintergründe weitgehend verzichtet, tritt der meditative Charakter ihrer Arbeit zutage. Nur ein paar Motive spielt die Regisseurin an – den Zwang zur Thronfolger-Produktion mit einem indifferenten Gatten etwa, die brüchige Sehnsucht nach der wahren Empfindung, die Zuflucht der Oberhofpuppe in den Rausch."

26. Mai 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal nennt den Film frisch und respektlos. Die Regisseurin "konzentriert sich auf das absurd formelle Leben in Versailles, in dessen Spiegel Marie-Antoinette anfangs als die am wenigsten dekadente Person erscheint. ... Coppolas unerreichte Stärke liegt im Erfassen von Zwischentönen, im Schwebenden. Sie fraternisiert mit ihrer Figur; vor allem im letzten Drittel des Films zeigt sie Marie-Antoinette immer wieder als liebevolle Mutter. Den Tod der Königin erspart sich die Regisseurin und endet mit deren Abreise aus Versailles. Es ist ein konsequenter Untergang, über dem eine Art Bedauern weht."

26. Mai 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Die Tageszeitung

Cristina Nord beschreibt die Kritik der Franzosen an dem Film. "Man kann Coppolas eskapistischen Ansatz per se reaktionär finden, so wie man etwa Alexander Sokurovs Filme über den japanischen Kaiser (DIE SONNE) und die Zarenzeit (RUSSIAN ARC) als rückwärts gewandt abtun kann. Aber manchmal wird es gerade dann aufregend, wenn das, was man mit Argwohn betrachtet, in ein verführerisches Licht rückt, wenn etwa das Rückwärtsgewandte einen Reiz auszuüben beginnt. Mit diesem Reiz arbeitet Coppola, ohne ihm zu erliegen. MARIE-ANTOINETTE ist kein period piece im klassischen Sinne. Die Musik, die die Maskenbälle, die Fuchsjagden und Glücksspiele flankiert, schafft starke Gegensätze."

25. Mai 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Der Spiegel

Martin Wolf ist enttäuscht. "Marie Antoinette, wie Sofia Coppola sie zeigt, ist eine Pop-Königin: vergnügungssüchtig, verschwenderisch, schön; auf den ersten Blick eine fröhliche junge Frau, die eine gewisse Ähnlichkeit hat mit der Freundin von SPIDER-MAN. ... Doch früher oder später (der Film dauert knapp über zwei Stunden) hat man sich satt gesehen an all dem hübsch abgefilmten Prunk und dem eitlen Getue bei Hofe - und wartet nur noch auf die Revolution, dramaturgisch und auch sonst."

17. Mai 2006 | MARIE ANTOINETTE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Daniel Kothenschulte ist hier auf der Suche nach ästhetisch Neuen fündig geworden. "Sofia Coppola, die als Modeschöpferin zum Kino kam, schwelgt mit ihrer Heldin im herrlichsten Tand. Und sie unterlegt die beschwingten Kamerafahrten mit den Hits des "New Romantic"-Pop der frühen Achtziger. Aber verteidigt Sofia Coppola wirklich die barocke Universalkunst als Modell für die Gegenwart? Die Spaßkultur hat abgedankt - das ist nirgendwo so traurige Gewissheit wie in der Popindustrie. Wenn selbst die Extravaganzen aufwändiger Videoclips der Vergangenheit angehören, dann ist auch die Pop-Version der Marie Antoinette bereits Historie. Sehr bewusst inszeniert Regisseurin Coppola die vermeintliche Modernisierung des Stoffes zugleich als melancholischen Abgesang."

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