| Regie | Chris Columbus |
| Kinostart | 13.04.2006 |
So subtil wie eine Dampfwalze findet Anke Westphal den Film. "Zu diesem Film finden sich keine persönlichen Notizen. Vor Staunen starr, oder soll man sagen vor Entsetzen starr, verweigerte die Hand mit dem Kugelschreiber während der Vorführung von RENT den Aufzeichnungsdienst. Das lag allerdings nicht an der Handlung dieses Musicals ... Nein, es war vielmehr die Musik, ohne die ja kein Musical auskommt, die jedoch im vorliegenden Fall mit der Hand auch gleich den ganzen Körper im Abwehrkrampf lähmte: Monsterrock vom Grässlichsten, pompös und aufgeblasen, subtil wie eine Dampfwalze, beamtenhafter Klangwulst ohne Höhepunkte, dafür aber um so angeberischer."
Schon die kleinste Prise Ironie wäre hier Gift für das gesamte Unternehmen, behauptet Michael Kohler. "RENT ist kein Meilenstein der Musicalgeschichte, doch muss man es Chris Columbus hoch anrechnen, dass er das Stück gegen den Lauf der Zeit in Schutz nimmt. Nicht nur musikalisch, auch politisch wirkt manches überholt, ganz zu schweigen von der gelegentlich durchschimmernden Sozialromantik. Allerdings steht es einem Film, der sich die Langlebigkeit des Idealismus auf seine Fahnen schreibt, gut an, seine Figuren nicht nachträglich zu desavouieren. Columbus' Werk ist keine Aktualisierung, sondern ein Revival, was man schon der Besetzungsliste entnehmen kann."
Ordentlich Kitschresistenz hat Martin Schwickert ausgebracht. "Wer Musicals mag, aus denen der Sirup der Sentimentalität nur so trieft, ist hier gut aufgehoben. Der Film funktioniert wohl am besten als zeitgeschichtliches Gegenstück zum Sixties-Klassiker HAIR: Läutete Formans Hippie-Musical den Beginn der sexuellen Revolution ein, ist RENT der Abgesang auf freie Liebe und unbeschwerten Drogenkonsum. ... Doch wo Liebe und Tod so dicht nebeneinander liegen, ist der Kitsch nicht weit. Herzzerreißende Abschiedslieder wechseln mit frenetischen Lobpreisungen auf das Leben der Boheme, die ebenso heldenhaft wie aussichtslos ihren Lifestyle gegen den Mainstream verteidigt."
Ernst Kramer verlangt bei einer Musical-Verfilmung keinen sozialkritischen Anspruch, aber wenigstens sollte man den Themen doch in der Form gerecht. Der Regisseur "sorgte dafür, dass den ohnehin schon leicht süßlichen, wenn auch ungemein ansprechenden Songs in der Neuaufnahme jede Schärfe genommen wird. Weniger Gitarren und mehr Zärtlichkeit heißt hier die nahezu unerträgliche Devise. Und er präsentiert eine prachtvoll ausgestattete Lower East Side, wie sie bunter und unauthentischer nicht sein könnte."
Irgend etwas an Konzept und Umsetzung bleibt muffig, schreibt Jörg Gerle. Film und Regisseur scheitern "und zwar am Konzept der Rock-Oper, in der jeder Dialog als Rezitativ im Sprechgesang vorgetragen wird. Zwar kürzt Chris Columbus gegenüber dem Bühnenstück einige Passagen, belässt die restlichen aber in ihrer steifen, filmisch problematischen Form. Was in der künstlichen, abstrahierenden Bühnensituation ein adäquates Stilmittel ist, wirkt im 'wirkliches Leben' abbildenden Film unangemessen oder unfreiwillig komisch. Zudem ist Columbus filmisch zu fantasielos, um mit dem 'Manko' des Rezitativs grundsätzlich umzugehen."