| Regie | Richard Loncraine |
| Kinostart | 30.03.2006 |
Anke Westphal ist enttäuscht. "Im Mittelpunkt stehen nicht das Verbrechen und die es begleitenden Unwägbarkeiten; es geht auch nicht um die herbe berufliche Konkurrenz unter den Angestellten in Jacks Bank, darum, wer nun nach der Übernahme ab- oder aufsteigt, oder um die Unterschiedlichkeit der Gangster. Nein, es geht in diesem Film von Richard Loncraine einzig und allein darum, wie ein treusorgender Familienvater wacker um das Leben von Gattin und Kindern kämpft. Und da ist es nun mal nicht sonderlich interessant, Harrison Ford beim schrittweise besorgten Vertiefen seiner Stirnfalten zuzusehen, wenn man ohnehin von Beginn an weiß, dass dieser ewige Action-Feger seine Lieben auch noch mit 63 Jahren raushauen wird."
Zurück zur Natur und zum vermutlich kitschigsten Schlussbild des Kinojahres, schreibt Dietmar Kammerer. Der Kritiker beschreibt die zwei Rollentypen des Harrison Ford. "Das Szenario bietet, wie im High-Tech-Thriller mittlerweile üblich, jede Menge Überwachungs- und Kontrolltechnologien und mögliche Wege ihrer Umgehung oder kreativen Neuverwendung. Jedes Sicherheitsinstrument ist hier wie ein zweischneidiges Messer: Es kann Schutz bedeuten oder Gefahr. ... Der Showdown belohnt dann, wie zum Ausgleich für die bewiesenen Unwägbarkeiten und Doppeldeutigkeiten einer durchtechnisierten Welt, mit einer völlig untechnischen Prügelei, bei der die Gegner in Wildwestmanier durch Fenster und Holzwände krachen."
Die wichtigen Themen verschenkt FIREWALL an Pyrotechnik und traditionelle Faustkämpfe, meint Ulrich Kriest. "Abgesehen vom technologischen Update, das die Ausspähung der Privatsphäre und die permanente Überwachung atmosphärisch durch die Wahl geeigneter Filmformate wie Hi-8 oder 8mm vermittelt, aber nicht wirklich problematisiert oder gar kritisiert, folgt der Film nach der beunruhigen Exposition zunehmend uninspiriert den Gesetzen des Genres. ... Abgesehen davon, dass Harrison Ford mittlerweile als Actionheld und Vater von Kindern, die jünger als zehn Jahre sind, nicht mehr so recht überzeugt, bleibt alles im Bereich des Vorhersehbaren."
Andreas Busche sah Bilder des Jammers. "FIREWALL schürt einige sehr zeitgemäße Ängste wie Identitätsdiebstahl und Technophobia, doch Loncraine kann sich nicht dazu durchringen, daraus wirklich zu schöpfen. Viel mehr Sorgen scheint er sich um Jacks blöde Mittelklasse-Familie (unter anderem Virginia Madsen als Architektin des eigenen, scheußlichen Familiengefängnisses) zu machen. Am Ende jedenfalls sieht Ford in bester Charles-Bronson-Manier rot. Es muss mit Altersstarrsinn zu tun haben, dass Ford mit immerhin 63 Jahren noch solche Rollen annimmt, die seine körperliche Verfassung sichtlich übersteigen. Der erschöpfte Ford gibt ein Bild des Jammers ab. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast lachen."
Nur die Prügeleien hätte man Harrison Ford mit seinen 63 Jahren langsam mal ersparen können, schreibt Gunnar Mergner. Ansonsten kombiniert der Film "geschickt bewährte Thriller-Elemente, modernste Technik und amerikanische Paranoia vor der Infiltration von Haus und Heim in Zeiten von Terror und "Homeland Security". Die Darsteller spielen geschickt die vorgegebenen Rollenstereotypen aus - Ford als Mann, der zunehmend rot sieht, Bettany als gefühlskalter Kidnapper und Virginia Madson als angsterfüllte Ehefrau. Ein durchweg unterhaltsamer Thriller also, der mit modernen Ängsten spielt, seine klaustrophobische Stimmung durchhält und die Katharsis zum Schluss nicht verweigert."