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OFFSIDE

OFFSIDE

Regie Jafar Panahi
Kinostart 29.06.2006

Kritiken • OFFSIDE

29. Juni 2006 | OFFSIDE • Kritik • epd-film 07/2006

Laut Birgit Roschy kommt OFFSIDE wie lockeres, halbdokumentarisches Stegreif-Theater daher. "Doch so amüsant diese filmische Fußnote zum globalen WM-Rummel auch ist, so viele Fragen wirft sie auf. Völlig ausgeklammert wird, was konkret die Mädchen bei der befürchteten Auslieferung an die "Sittenpolizei" erwartet. Und angesichts von Berichten über weibliche Fans, die im Juni vergangenen Jahres von der Polizei zusammengeknüppelt wurden, wirkt die bloße Genervtheit der Bewacher hier eher unwahrscheinlich. Die Komödie versucht einen Spagat zwischen Zensur und Aufklärung, indem sie den Konflikt im patriotischen Siegestaumel auflöst."

28. Juni 2006 | OFFSIDE • Kritik • Jungle World

Fairplay scheint sich Jafar Panahi auf die Fahnen geschrieben zu haben, meint Silke Kettelhake. "Nie verliert der semidokumentarisch und mit viel Handkameraeinsatz gedrehte Film den Respekt für seine Figuren. Niemals gleiten die Dialoge ins Theatralische ab, immer ist der feine Sinn für Ironie zu spüren. Die Mädchen sind keine von einer übermächtigen Männerwelt drangsalierten Opfer, doch zur Heldin oder gar zur Identifikationsfigur taugt keine von ihnen. Denn hier geht es um etwas, das größer und stärker ist als jede gesellschaftliche oder gesetzliche Vorgabe: Nach dem Sieg Irans wollen alle auf den Straßen tanzen. Soll der Ayatollah doch neidisch werden hinter seiner verstaubten Gardine."

24. Juni 2006 | OFFSIDE • Kritik • Berliner Zeitung

OFFSIDE ist laut Anke Westphal keine Tragödie. "Überhaupt werden in diesem Film gleich auf mehreren Ebenen furchtlos die Rollen und Begriffe befragt: So sind denn nicht nur die Gefangenen, sondern auch ihre Bewacher Leidtragende der Theokratie. ... Der Filmtitel OFFSIDE spielt auch auf das geradezu utopische Happy End an. Dass die Kamera so sportlich ist wie die Akteure, macht diesen Film ausgesprochen physisch. Der Regisseur hat seinen Laiendarstellerinnen keinen Text vorgegeben. Der Film ist also ebenso sehr Wirklichkeit wie die Unmöglichkeit eines Weltmeisterschaftsspiels Iran-USA."

22. Juni 2006 | OFFSIDE • Kritik • Der Tagesspiegel

Selten war bei Christina Tilmann das Gefühl so stark, dass das Kino vielleicht doch die Welt verändern kann, im Kleinen zumindest. Die hinreißende Komödie schürt "die Hoffnung, dass die Einsicht über die Unvernunft siegt und über die Diskriminierung. Nicht nur, weil die weiblichen Fans mindestens so leidenschaftlich, mindestens so kenntnisreich mitfiebern wie die Männer – dass der Soldat, der den Mädchen zuliebe am Tor steht und das Spiel kommentiert, keine Ahnung von Fußball hat, wird höhnisch quittiert. Überhaupt sind es wunderbar intelligente Wortgefechte, die sich die Gefangenen mit ihren Bewachern liefern – und in denen sie, nach Punkten, locker gewinnen. Und die absurdeste, schönste Szene entsteht, als eins der Mädchen aufs Klo muss, aufs Männerklo – der Soldat versucht verzweifelt, sie abzuschirmen."

22. Juni 2006 | OFFSIDE • Kritik • Die Zeit

Das Stadion als Ort von Freiheit und vielleicht auch Widerstand entdeckt Christof Siemes in OFFSIDE. Der Film "weiß um diese Instrumentalisierbarkeit des Spiels und zeigt sie auch – und hat genau hier seinen einzigen fragwürdigen Moment. Am Ende, Iran hat das entscheidende Match mit 1:0 gewonnen, mischen sich die Mädchen, Wunderkerzen in den Händen, unter die jubelnden Massen in den Straßen, und im Hintergrund läuft ein patriotisches Lied aus den Zeiten des Widerstands gegen die Westmächte vor mehr als sechs Jahrzehnten: Oh, Iran, du Quelle der Kunst, mögen teuflische Gedanken immer fern sein von dir, du sollst bestehen auf ewig… Wie absurd die Zustände auch sein mögen – das Land, die Nation wird siegen. Diese Botschaft kann man als Kritik am, aber eben auch als Zugeständnis an das Regime sehen."

22. Juni 2006 | OFFSIDE • Kritik • film-dienst 13/2005

Lebendig und sehr pointiert nennt Horst Peter Koll den Film. "Panahi feiert die affirmative Begeisterung für sein Vaterland mit und vermittelt zugleich die subversive Botschaft, dass sich Lebensfreude und -lust eines ganzen Volkes auf Dauer wohl nicht von Restriktionen werden zügeln lassen. Fußball als Synonym für Leidenschaft und Begeisterung, für eine alle Menschen verbindende Kraft – das ist eine schöne Vorstellung, womöglich etwas naiv und „nur“ wieder eine jener verklausulierten iranischen Parabeln, aber doch auch von bemerkenswerter Klarheit und Brisanz."

21. Juni 2006 | OFFSIDE • Kritik • Die Tageszeitung

Laut Dietrich Kuhlbrodt weiß OFFSIDE Rat, wenn iranische Frauen Fußball gucken wollen. "Es wird nicht verallgemeinert, moralisiert oder analysiert. Aber mit beträchtlichem Witz wird das Absurde und Paradoxe herausgekitzelt, Irans Alltag. OFFSIDE ist auch eine Dialogkomödie. Die Mädchen treten nicht als Betroffene auf. Sie händeln die Situation. Die Männer haben das Nachsehen. Fazit: der Film macht Mut, so trist die Realität ist. Im italienischen Neorealismus der Nachkriegszeit gab es ähnliche Bilder."

19. Mai 2006 | OFFSIDE • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Der Film ist ein Paradebeispiel für den Bewegungsspielraum von Irans Filmschaffenden, schreibt Robert Richter.

18. Februar 2006 | OFFSIDE • Kritik • Berliner Zeitung

Der Film arbeitet mit großen Kontrasten, schreibt Carmen Böker. "Die Frauen, die in diesem Land viel nachzuholen haben, sind es, die mit großem Wagemut und hartnäckiger Chuzpe mehr vom Leben fordern. Auch die recht duckmäuserischen Soldaten, die die Fußballnärrinnen bewachen müssen, können sich dieser Entschlossenheit nicht lange erwehren. Bald lässt sich der erste breitschlagen, das Spiel vom Absperrgitter aus zu kommentieren. Schlimm nur, dass er sehr viel weniger von Fußball versteht als die Mädchen."

18. Februar 2006 | OFFSIDE • Kritik • Die Tageszeitung

Für Bert Rebhandl ist es verblüffend, welche Spielräume sich die Filmemacher immer wieder erarbeiten. "OFFSIDE kehrt am Ende wieder in den nationalen Taumel zurück, aus dem die Frauen für die entscheidenden Momente ausgeschlossen wurden. Sie skandieren dann trotzdem "Iran, Iran", und bringen damit die widersprüchlichen Identifikationen zum Ausdruck, aus denen das Nationalgefühl unter einem Regime besteht, das gegen die Kultur steht. OFFSIDE steht genau an der Schnittstelle zwischen westlicher Öffentlichkeit und iranischer Zensur."

18. Februar 2006 | OFFSIDE • Kritik • Der Tagesspiegel

Ein Wunder von Teheran sah Christiane Peitz. "'Ich bin kein politischer Filmemacher', betont Jafar Panahi auf der Pressekonferenz und bleibt aus Gründen der Zensur zwangsläufig vage, als es um eben jene geht: Zensur habe es immer gegeben, vor wie nach der Revolution. Ja, sie seien Einschränkungen und Restriktionen unterworfen. Sein Koautor Shadmehr Rastin wiederholt die Formulierung später wortgetreu. Offizielle Sprachregelung. Aber dann berichten sie doch von den üblichen Tricks: wie man ein anderes Drehbuch einreicht und den Namen des Regisseurs verspätet nachliefert."

18. Februar 2006 | OFFSIDE • Kritik • Der Spiegel

Aus Iran ist Olaf Schneekloth eher Dramen mit minimalistischer Ästhetik gewohnt und keine Feelgood-Movies. "Doch Jafar Panahis Fußballkomödie schlägt heitere Töne an. Die festgehaltenen Mädchen verwickeln ihre Aufpasser in Diskussionen über Fußball, hebeln die Argumente der Männer aus, warum Fußballspielbesuche schlecht für Frauen sein sollen (angeblich, weil Männer im Stadion ständig fluchen) und treiben ihre Späße mit den zunehmend hilfloser wirkenden Soldaten. Richtig ernst wird es für die Mädchen nie; Konsequenzen hat ihr nonkonformes Verhalten nicht."

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