| Regie | Ben Hopkins |
| Ekber Kutlu | |
| Kinostart | 08.06.2006 |
Sehenswert nennt Claudia Lenssen den Dokumentarfilm. "Ben Hopkins schaut sich und seiner Crew, einem bunten Trüppchen im typischen Filmemacher-Outfit, bei der Arbeit - vor allem: im Gespräch mit den älteren Männern - zu. Aus deren beiläufigen Berichten, aus Spiel- und Arbeitsszenen und faktenorientierten Zwischentiteln ist so ein spannender, unterhaltsamer Essay über die Pamir-Kirgisen entstanden. Ethnologische Forschung und Filmemachen gehen gut zusammen, führt Hopkins gelassen vor, wenn man sich aufeinander einlässt und zur Selbstironie fähig bleibt."
Silvia Hallensleben ist verunsichtert. Leider bleiben einige Szenen "auf der Ebene der lustigen Vokabelschlacht. Auch die anderen Lebensaspekte des von Hopkins vorgestellten Halbnomadenvölkchens bleiben so stereotyp und abstrakt, dass sich bald der Verdacht einschleicht, es könne sich hier um eine Fälschung – ein so genanntes Mockumentary – handeln, und seine Helden seien bloße Erfindung aus dem Stereotypenkabinett exotistischer Fantasie. ... Amüsant ist das schon, Erkenntniswert hat es wenig, zumal kein erkennbarer Zusammenhang zwischen Inhalt und Stil festzustellen ist. Und auch die von Hopkins humoristisch – und egozentrisch – ausgestellte Einbeziehung des künstlerischen Schaffensprozesses in den Film selbst ist in Zeiten des Making-of längst eine dokumentarische Standardsituation."
Höchst vergnüglich und blitzgescheit ist die Dokumentation für Jan Brachmann. "Sequenzen vom Jurten-Leben sind von der ausgeblichenen Farbigkeit sowjetischer Märchenfilme der Breschnew-Ära. Wir schauen beim Anziehen der prächtigen Kostüme und beim Ankleben der falschen Bärte zu. Damit dokumentiert Hopkins keine vorfindbare Wirklichkeit, sondern wie Geschichte eine sichtbare Gestalt gegeben wird."
Cristina Moles Kaupp lobt die spannende und humorvolle Geschichtsdokumentation. "Hopkins arbeitet dabei mit dem ganzen Dorf zusammen, allen voran von Ekber Kutlu, dem Künstler der Gemeinde. Er wacht nicht nur darüber, dass die Schnurrbärte der Ahnen im Film richtig liegen und die Posen stimmen, sondern erzählt auch von aktuellen Schwierigkeiten. Dass die Jungen im Dorf keine Arbeit mehr finden, und so ganz anders als die Alten, keine Lust mehr haben, je wieder ins Pamirgebirge zu ziehen. Und dann ist da noch die Sache mit den Schafen - klarer Fall für Hopkins. Sehenswerter Geschichtsunterricht für Fortgeschrittene."
Horst Peter Koll ist begeistert. "Eigentlich ist das, was er unter Einsatz vielfältiger stilistischer Mittel, Anspielungen, Zitate und Verweise auf die Geschichte des dokumentarischen und ethnografischen Films unterhaltsam, lehrreich sowie einfühl- und aufmerksam komponiert, die Quadratur des Kreises: nämlich binnen üblicher Kinofilmlänge facettenreich die Geschichte eines ganzen Volkes aufzubereiten ... Hopkins ist kein dröger Archivar, der die Fakten lieblos abhakt, sondern ein mitdenkender und mitfühlender Kino-Anthropologe, der sich der Differenz zwischen Wirklichkeit und filmischer Wirklichkeit stets bewusst ist und dieses Bewusstsein dem Zuschauer geradezu leidenschaftlich vermitteln möchte."
Weil der Brite seine Quellen offen legt, wirkt diese Doku-Fiction für Philipp Bühler nicht selten wie das Making-Of eines Films von Michael Winterbottom. "Weil die Stationen dieser Wanderschaft das kollektive Gedächtnis des Stamms bilden, genau so Teil seiner Kultur sind wie das Bedürfnis nach kalten Hochlagen und jene 37 Arten, ein totes Schaf zu verwerten, setzt Hopkins auch diese Geschichte ins Bild. Die Kirgisen dienen ihm dabei, wie Flahertys fleißig fischender Inuit, als Statisten ihrer selbst sowie als Ratgeber. Hübsche kleine Einspielfilme hat er auf diese Weise gedreht, immer im Stil der jeweiligen Zeit: von Eisenstein bis Scorsese. Er ist der Mann fürs Experimentelle."
Die Geschichte ist zwar nicht unspannend für Susanne Messmer, aber viel spannender ist "die Art und Weise, in der das alles aufgeblättert wird. Immer wieder sieht man Szenen "hinter den Kulissen" - mit der Filmcrew und wie die Filmcrew mit den Dorfeinwohnern verhandelt. In einem amüsant wilden Durcheinander willkürlich gesetzter Kapitel erfährt man, dass Ben Hopkins im Dorf mit einem Koregisseur zusammengearbeitet hat, dass alle nachgestellten Szenen aus der bewegten Vergangenheit des Volkes - meist auf Film gedreht und mit lustigem Projektorgeräusch im Hintergrund - in Zusammenarbeit mit dem Dorf entstanden sind, dass die Dorfeinwohner bei fast allen Szenen mitzureden hatten und manche Szenen verändert oder sie gar verhindert haben."
Eine temporeiche Patchwork-Hommage an eine zentralasiatische Kultur sah Gregor Dotzauer. "Auf drei, auch durch digitales, 16-Millimeter und Super 8-Material, unterschiedenen Ebenen lässt sich Hopkins auf die Pamirkirgisen ein ... Ben Hopkins tut das in kleinen, durch Zwischentitel getrennten Kapiteln mit einer humorvollen Genauigkeit, die nur in Zusammenarbeit mit den Pamirkirgisen entstehen konnte."