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GEHEIME STAATSAFFÄREN

GEHEIME STAATSAFFÄREN

Regie Claude Chabrol
Kinostart 20.07.2006

Kritiken • GEHEIME STAATSAFFÄREN

20. Juli 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • film-dienst 15/2006

Alexandra Wach ahnt das Ausmaß des Vergnügens, mit dem Chabrol sein pessimistisches Menschenbild in dem Milieu der ökonomischen Entscheidungsträger bestätigt findet. "Das alles ist nicht neu, aber stimmig inszeniert und durchgespielt. Auch wenn GEHEIME STAATSAFFÄREN vor den üblichen Zutaten eines vorzüglichen Chabrol-Jahrgangs überquillt, gelingt es dem Polit-Thriller nicht durchgehend, den Zuschauer auf seinen Geschmack kommen zu lassen. Gediegen ist das Tempo, zu bekannt der Kosmos des Regisseurs, als dass es einen überraschenden Blickwinkel zu entdecken gäbe. Chabrol bleibt zu sehr in seinem Element; er macht sich über die autoritären Hierarchien und schützenden Rituale der Mächtigen lustig, versäumt es dabei aber gelegentlich, manchen langatmigen Dialog aufs Wesentliche zu kürzen."

20. Juli 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Die Tageszeitung

Der Film beruht laut Dietmar Kammerer auf ziemlich genau zwei guten Ideen: "Die eine war, Isabelle Huppert die Hauptrolle zu geben. Die andere steckt im französischen Filmtitel: "L'Ivresse du pouvoir". Macht und Korruption verbindet ein einfacher Zirkelschluss: Macht korrumpiert jeden, der mit ihr in Berührung kommt. ... Leider beschränkt sich Chabrol nicht auf diese beiden Ideen, sondern will auf einmal alles Mögliche erzählen ... Das ist ärgerlich - weniger wegen des privaten Glücks der Charmant-Killmans als für den Zuschauer, denn durch solche Ablenkungen wirkt der Film streckenweise unkonzentriert, und was eine böse Abrechnung mit dem System hätte werden können, ist ein lediglich passabler Film geworden, der trotz der wie immer sehenswerten Huppert über Handwerk kaum hinausreicht."

20. Juli 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Die Tageszeitung

Wilfried Hippen lobt Regisseur und Hauptdarstellerin: "Isabelle Huppert ist ja schon lange sein filmisches alter ego, ihm verdankt sie einige ihrer schönsten Rollen, und diese heilige Jeanne von den Gerichtshöfen zählt eindeutig dazu. Dabei behandelt sie die reichen alten Herren zum Teil so arrogant und herablassend, dass man mit diesen Mitleid haben muss. ... Chabrol und Huppert halten die Figur immer auf Abstand, und so ist diesauch ein kalter Film, bei dem der Zuschauer nie dazu eingeladen wird, wirklich Anteil zu nehmen. Die Untersuchungsrichterin ist eine extrem komplexe Filmfigur, aber sympathisch wird sie uns nie. Aber gibt es überhaupt irgendeine sympathische Figur in einem Film von Claude Chabrol?"

20. Juli 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Der Tagesspiegel

Kerstin Decker will den Haken des Films entdeckt haben. "Chabrol selbst glaubt eine Komödie gedreht zu haben, sagen wir, eine schwarze Komödie der Macht. Aber ist eine Komödie, in der es nichts zu lachen gibt, eigentlich eine Komödie? Der Schlagfertigkeit sind unbedingte Grenzen gesetzt ... Man wagt es kaum zu sagen: GEHEIME STAATSAFFÄREN ist nicht der erste Chabrol-Film von beinahe überirdischer, faszinierender Langeweile. Manchmal sind die Konstellationen hinter den Sichtbarkeiten eben doch spannender als diese selbst. Natürlich gibt es bald Instanzen, die die besessene Richterin stoppen wollen. Das ist die Handlung, eine Allerweltshandlung. Und Isabelle Hupperts schönes Gesicht, das sonst wie ein Spiegel sein kann, spiegelt hier nur eins: die Frau, die weiter will. Die nur öfter müde wird, kreatürlich müde, zwischendurch."

20. Juli 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Frankfurter Rundschau

So minutiös Chabrol das juristische Kräftemessen in den kargen Amtsstuben und gediegenen Raucherzimmern inszeniert, so wenig kommt er in Versuchung, die Handlung im Sinne einer Spannungsdramaturgie zu forcieren, schreibt Michael Kohler. "Wie die Akteure nimmt auch ihr Regisseur nicht den direkten Weg, sondern spielt lieber über Bande: Was den Verhören mitunter an Dramatik fehlt, holt Claude Chabrol im Blick auf's Familiäre nach. Allerdings kann man sich bei Geheime Staatsaffären auch fragen, ob Chabrol in ästhetischer Hinsicht nicht weniger dem Bild des unermüdlichen Kommissars als vielmehr der Statur des Doppelagenten gleicht."

20. Juli 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Die Zeit

Katja Nicodemus schreibt über die Beziehung von Claude Chabrol und Isabelle Huppert. "Huppert und Chabrol, das ist eine seltsame Mischung aus Feminismus und Klassenkampf, weiblicher Aggression und Systemkritik, die sich auf der Leinwand zu einer unorthodoxen Heldinnengalerie zusammensetzt. Und zu einer im Gegenwartskino einzigartigen Symbiose von Regisseur und Schauspielerin."

19. Juli 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Berliner Zeitung

Isabelle Huppert glänzt als Untersuchungsrichterin, schreibt Gerhard Midding. "In ihrem narzisstischen Machtdrama setzen Chabrol und seine bewährte Co-Autorin, die Soziologin Odile Barski, das Regelwerk des Politthrillers vorbehaltlich außer Kraft. Der handelt in letzter Konsequenz, zumal in seiner französischen Spielart, vom Scheitern eines idealistischen Ermittlers an der Übermacht des Systems. Zwischenschnitte auf einen Zirkel Zigarren rauchender Politiker verweisen zwar auf eine übergeordnete, unangreifbare Machtebene, die auch nach dem Skandal die Fäden ziehen wird - und gestatten dem Regisseur, auf die Unverrückbarkeit des französischen Klassensystems anzuspielen. Chabrol und Barski interessieren sich indes mehr für die Bruchstelle zwischen republikanischer Legitimation und dem rücksichtslosen Hochmut."

18. Februar 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Der Spiegel

Vielversprechend fing der Film für Andreas Borcholte. Mit Isabelle Huppert verfügt er zudem "über eine Hauptdarstellerin, die einmal mehr ihre herrliche Schroffheit und Kälte ausspielen kann, doch genau diese Unnahbarkeit wird dem Film in der zweiten Hälfte zum Verhängnis, wenn man vergebens auf emotionale Nuancen oder Zuspitzungen des Plots wartet. ... Ist GEHEIME STAATSAFFäREN also ein typischer Festival-Film ...? Nein, so langweilig war er dann doch nicht."

18. Februar 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Neues Deutschland

Wieder hat der Regisseur für Egon Günther ein Meisterwerk vollbracht. "Seine Arbeit zeigt kaum Schwächen, besticht durch den Mut, die Dinge fast so darzustellen, wie sie eben sind. Die Besetzung ist atemberaubend. Nicht nur Isabelle Huppert geht einem nicht mehr aus dem Sinn, hochfahrend und schön, auch die anderen lassen sich sehen. François Berléand, Patrick Bruel, Thomas Chabrol, Ives Verhoeven, sie alle entwerfen, als sei es nicht gespielt, das große Ganze mit bei der spielerischen, von Chabrol gelenkten Aufklärung der vorerst letzten Dinge im Skandal um eine Korruptionsaffäre – ganz wie bei Elf Aquitaine –, wo viel, viel Geld in die Taschen der Konzernherren geflossen ist."

17. Februar 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Die Tageszeitung

Wie Brigitte Werneburg feststellt, will der Film "weder psychologisches Kammerspiel noch moralisches Drama sein. GEHEIME STAATSAFFäREN ist eine durch und durch formalästhetische Studie zur Frage von Macht und Moral. Korruption und Machtmissbrauch in Politik, Management, last not least Justiz, verraten sich durch Gesten und Haltung, Schweigen und Reden, durch wachsende Büros, denen wachsender körperlicher Verfall und Schlaflosigkeit entsprechen. Natürlich ist Isabelle Huppert die Schauspielerin schlechthin für diese Oberflächenrecherche, die unweigerlich in die Tiefe geht."

17. Februar 2006 | GEHEIME STAATSAFFÄREN • Kritik • Der Tagesspiegel

Für Christina Tilmann brilliert Isabelle Huppert in dem Polit- und Korruptionsdrama. "Eine Rolle, wie geschaffen für Isabelle Huppert. Ihr kaum merkliches Heben der Augenbraue ist pure Arroganz, die ganze Person durchsichtig und undurchdringlich zugleich. Die Mischung aus Eleganz, Überheblichkeit und Zugeknöpftheit macht Huppert sichtlich Spaß. Ja, sie ist unerträglich, dieser eiskalte Engel, der die Männer per Handy fernsteuert und gleichgültig zusieht, wie ihr Mann (Robin Renucci) daheim aus Einsamkeit vor die Hunde geht, während sie selbst mit seinem hübschen Neffen (Thomas Chabrol) flirtet und nachts im Internet recherchiert, wie viel die Reizwäsche der Geliebten des Angeklagten kostet."

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