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DER FREIE WILLE

DER FREIE WILLE

Regie Matthias Glasner
Kinostart 24.08.2006

Kritiken • DER FREIE WILLE

25. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Der Freitag

Eine Zumutung ist der Film für Matthias Dell. "DER FREIE WILLE ist ein pessimistischer Film, müde, spröde, leise. Musik bleibt auf die Momente reduziert, in denen sie in der Handlung gespielt wird. So ist Der freie Wille auch ein Film der Geräusche, genauer: der Atemgeräusche, jener Rhythmen der Erregung, in denen etwas sich des Menschen bemächtigt, das nicht seinem Willen unterliegt. Die Schreie, die Sabine Timoteo in der letzten Szene am Strand des rauschenden Meeres ausstößt und die in ihrer offenen Verzweiflung mit menschlichen Lauten nichts mehr gemein haben, wird man so schnell nicht vergessen."

24. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Der Spiegel

Bestürzend nennt Christian Buß das Kinoerlebnis. "Matthias Glasners Vergewaltigerdrama DER FREIE WILLE ist eine Zumutung - die dreistündige Vivisektion einer kranken Seele. Und weder gibt es Läuterung noch Erläuterung, weder Heilsbotschaft noch Sympathiebekundung für Filmfigur und Zuschauer. ... Hier ist nichts mehr Klischee, die Darstellung des Pathologischen ist stimmig bis ins kleinste und schmerzlichste Detail. Sicher, der über viele Jahre entwickelte, im Team diskutierte und im Schneideraum vielfach ummontierte Film hat formale und dramaturgische Schwächen."

24. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Berliner Zeitung

Anke Westphal fragt, was das Kino heute für eine Aufgabe hat. "Sicher ist es angenehmer für den Zuschauer, wenn real existierende Gewalt in Filmen ästhetisiert und somit eingeordnet wird. Diesen Gefallen tut Glasner seinem Publikum nicht. Er will alles explizit machen - nicht um zu rechtfertigen, wie er sagt, sondern um der Wahrheit willen. ... So erzählt DER FREIE WILLE seine Geschichte eines Untergangs denn auch konsequent aus der Täterperspektive. Jürgen Vogel reist ins Herz der Finsternis; er macht das beängstigend großartig."

24. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Die Tageszeitung

Ein Gespräch mit dem Regisseur Matthias Glasner über Aggression, das Freud'sche "Es" und die Abneigung gegen Symbole führt Birgit Glombitza.

24. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Vorsichtige Annäherung gibt es bei dem Film nicht, meint Daniela Sannwald. "Vielmehr hat [der Regisseur] seinen Protagonisten in eine melodramatische Handlung gesteckt, die ihn jedoch weniger zu interessieren scheint als dessen innere Zwänge. Das führt dazu, dass DER FREIE WILLE stellenweise unklar wirkt, sich verzettelt in Nebenhandlungen und -figuren, die dann plötzlich, wie bei einer schlechten Fernsehserie, auf die Reise geschickt werden. Und er hat dem versierten Jürgen Vogel, der den Vergewaltiger mit aller obsessiven Kraft aus sich herauszupressen scheint, die vergleichsweise schwache, auf Trotz und Verstocktheit abonnierte Sabine Timoteo an die Seite gestellt, die es nur in wenigen Szenen mit ihrem Partner aufnehmen kann."

24. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Die Zeit

Für Georg Seeßlen ist DER FREIE WILLE die mutige Studie eines Vergewaltigers. "Der größte Skandal von DER FREIE WILLE besteht darin, dass das Modell des transzendentalen Stils nicht auf ein radikales Opfer, auch nicht auf einen Dieb, einen Mörder, einen Verblendeten angewendet wird, sondern auf ein wahres Ungeheuer unserer Zeit. Einem Mörder wäre zehnmal leichter zu vergeben. Aber wo es die Theo Stoers gibt, da gibt es kein Menschenglück, da gibt es die Liebe nicht als Lösung aller Probleme. Und auch darin verweist diese Gestalt auf das "Monster" in den expressionistischen Filmen."

23. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Der Tagesspiegel

"Ich will keinen Film über einen latent-tragischen Vergewaltiger sehen! Und doch ist DER FREIE WILLE gut, nicht nur, weil er gut gemacht ist, sondern weil er wie alle wichtigen Filme auf seine Art ohne Vorbild ist und etwas sehen lässt, das wir gemeinhin nicht zu sehen bekommen. Die ältesten Mythen wissen von dieser Urfeindschaft des Männlichen und Weiblichen, und nun kommt so ein Film und zeigt geradezu einen Archetypus: Da ist dieser unzähmbare Widerwille gegen das rein Weibliche, gegen das Prinzip Fruchtbarkeit, gegen die Schoßnatur, die ziellos hervorbringt und wieder verschlingt – Widerwille, ja Hass gegen den Urschlund."

23. August 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Der Tagesspiegel

"DER FREIE WILLE setzt in schonungslosen Szenen auf die Ausleuchtung der Psyche eines Vergewaltigers – und so lange er sich, mit dem imponierend unheimlichen Jürgen Vogel in der Hauptrolle, darauf konzentriert, ist er gut. Auch die fast eine Viertelstunde dauernde Anfangsszene der Vergewaltigung am Meer: ein Schock in Realzeit, ein furchtbar erfundenes Dokument schwanzgesteuerter Unterwerfungsanarchie. Der Film, dieser Film braucht das."

17. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Der Freitag

Vom Fernsehen unterscheiden DER FREIE WILLE (anders als SEXY SADIE oder FANDANGO) nicht die fahlen Bilder, sondern auch die Langsamkeit, meint Matthias Dell. "Durch sie wird, ähnlich wie bei Roehlers Behutsamkeit, ein Verständnis der Figuren möglich, das sich aus ihnen ergibt und nicht aus den Vorstellungen, die man von Vergewaltigern und ihren möglicherweise erlösenden Liebschaften im Kopf hat. Der sattsam bekannte Jürgen Vogel entdeckt so neue Nuancen an seinem Spiel, die erschütternd direkte Sabine Timoteo dürfte als Anwärterin auf einen Darstellerpreis gelten."

15. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Es gibt keine Sonne in dieser artifiziell geschriebenen, aber naturalistisch gespielten Begegnung, schreibt Daniel Kothenschulte. Dem Regisseur gelingt es "nicht, ein Umfeld für die unvermittelte Emotionalität zu schaffen. So entsteht der Eindruck einer auf tragische Weise unartikulierten Emotionalität, was noch mehr für den Film als Ganzes gilt als für seine von Vogel und Timoteo für sich genommen großartig gespielten Figuren."

15. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Neues Deutschland

Ein Ereignis war DER FREIE WILLE für Gunnar Decker. "Jürgen Vogel als Theo verzichtet auf jede Distanz. Das macht diesen Film so ungewöhnlich, rückt ihn dem Zuschauer so beängstigend nah. Wie viel von einem Vergewaltiger steckt in mir selbst, wozu wäre ich unter bestimmten Umständen fähig, wozu niemals? Und wie sicher kann ich mir dessen sein? Mit diesen Fragen sind Glasner und Vogel an das Psychogramm eines Vergewaltigers gegangen."

14. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Berliner Zeitung

Qualvoll ist die Zeit für Carmen Böker verstrichen. "Es gibt kaum eine Szene, die der leichteren Verdaulichkeit wegen gerafft und damit zwangsläufig abstrahiert und verharmlost würde, und es gibt so einige, bei denen man sich, hilflos in Erwartung des Unausweichlichen, weit wegwünscht aus dem Kinosessel. ... Nichts ist hier tabu für die Kamera und den, den sie zeigt: Jürgen Vogel spielt mit fast schon zerstörerischer Intensität und einem überwältigenden Mut zur Selbstentblößung; später, beim Onanieren, wird er seinen Penis niederringen wie einen fremden Feind. Dieser Triebtäter ist in einem weitaus bedenklicheren Ausmaß psychisch demoliert als die zwei emotionsarmen Brüder in Oskar Roehlers ELEMENTARTEILCHEN - und doch ist er in seiner Wahrhaftigkeit sehr viel eher die Figur, die uns etwas beibringen kann über allertiefste Verzweiflung, über die Angst vor dem eigenen Wesen."

14. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Die Tageszeitung

Bedrohlich findet Dietmar Kammerer den Film. "'Einen zarten Film über den Terror der Einsamkeit' nennt Regisseur Matthias Glasner seinen Film. Er wirbt weder für Mitleid noch für Verständnis mit den Figuren, dazu bleibt der Schock der Anfangsszene die ganze Zeit über zu präsent. Wie ein Leitmotiv erklingt Schuberts 'Ave Maria': 'Wir schlafen sicher bis zum Morgen / Ob Menschen noch so grausam sind'. Und man fürchtet sich die ganze Zeit: Wann immer Theo auf der Straße eine Frau ansieht, fürchtet man, es noch einmal miterleben zu müssen."

14. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Der Tagesspiegel

Aufregung produziert der Film laut Christina Tilmann. "Glasner erspart uns nichts. Man will das nicht sehen. Man sollte es wahrscheinlich auch nicht zeigen. Mehr als ein Tabu, es ist eine Zumutung, da hinzusehen, draufzuhalten. Aber mit dem freien Willen ist es nicht weit, in diesem Film, dem umstrittensten, unbequemsten bislang. DER FREIE WILLE statuiert Unausweichlichkeit. Eine tickende Zeitbombe, irgendwann geht sie hoch, nur das Wann ist die Frage, nicht das Ob. Ratlos ist man, wie umzugehen sei mit solchen Tätern. Ratlos wie dieser Film. ... Erklärung? Fehlanzeige. Von Verurteilung oder Haltung ganz zu schweigen. Keine Erklärungsmuster ... Hier aber nur: Beobachtung. Oder noch mehr, Einfühlung. Der Film schlüpft dem Vergewaltiger in die Haut."

14. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Der Spiegel

Augen auf - und durch: empfiehlt Lars-Olav Beier. Man mag "hier kaum hinschauen, wenn minutenlang in aller Ausführlichkeit die brutale Vergewaltigung einer jungen Frau gezeigt wird. Selten hat ein Film beim Publikum gezielt so viel Abscheu gegenüber seinem Helden erzeugt - um ihm danach so nah wie möglich zu kommen. DER FREIE WILLE ist der Versuch, der Boulevardpresse einen Stoff zu entreißen und hinter einem Triebtäter den Menschen zu entdecken. ... Unter all diesen Filmen, die sich alle hartnäckig weigern, stringent eine Geschichte zu erzählen, ragt er heraus: weil er sein Publikum eine Erfahrung machen lässt, die es nicht so bald vergessen wird."

13. Februar 2006 | DER FREIE WILLE • Kritik • Berliner Zeitung

Ralf Schenk spricht mit Regisseur Matthias Glasner, dessen Film DER FREIE WILLE von einem Mann handelt, der von verheerenden inneren Kräften zu Verbrechen getrieben wird.

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