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JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM

JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM

Regie Marc Bauder
Dörte Franke
Kinostart 14.09.2006

Kritiken • JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM

27. September 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • critic.de

Wichtig und berührend nennt Sonja M. Schultz den Film. Er "bringt nicht nur die Kinder ihren Eltern ein erstes Stück näher, sondern verdichtet sich zu einem Gesamtbild der DDR-Verfasstheit und allgemein einer Gesellschaft, in der ziviler Ungehorsam geahndet und Spitzelei belohnt wurde. ... Marc Bauders und Dörte Frankes Dokumentarfilm ist nicht nur mitreißend und wahrt dabei gleichzeitig eine respektvolle Zurückhaltung gegenüber den drei Familien – nicht alle wollen vor der Kamera reden –, er liefert auch dringend benötigte Gegenbilder zu Devotionalien-Shows mit Hammer und Sichel und dem Spaß-Sozialismus eines Leander Haußmann."

26. September 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • Der Tagesspiegel

Der Film gibt erst einmal jeder Generation für sich die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu benennen und so auszutauschen, schreibt Silvia Hallensleben. "Dabei bleibt der Film bis auf einige atmosphärische Totalen so dicht an seinen Figuren, dass sich der politisch-geschichtliche Kontext nicht immer erschließt. Doch historische Erkenntnis ist wohl gar nicht das Ziel dieser Familienaufstellung aus dem deutschdeutschen Verhältnis. Es ist eine komplizierte Beziehung, in der noch vieles aufzuarbeiten ist. Den Film versteht man daher vielleicht am besten als filmtherapeutischen Beitrag in diesem langwierigen Klärungsprozess."

22. September 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • Berliner Zeitung

Für Jan Brachmann rührt der Film "an ein wichtiges Problem der deutschen Nachwendezeit: an die Nicht-Mitteilbarkeit prägender Erfahrungen, an das Unvermögen, eine gemeinsame Sprache zu finden, an Resignation und Verdruss. Es gibt verschiedene Gründe dafür: psychologische - Traumata nötigen oft zum Verstummen -, aber auch gesellschaftliche. In dem Film merkt man, dass die eigenen Kinder nichts mehr davon wissen wollen. ... Der Film ist zwar behutsam, aber er behandelt seine Protagonisten auch nur als Opfer im rein passiven Sinn. Man kann jedoch nicht nur Opfer sein, man kann auch Opfer bringen. Und dieses Opfer bringt man, wenn man eine Idee vom Leben hat, die größer ist als das rein private Glück."

15. September 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • Der Spiegel

Unweigerlich steht der Dokumentarfilm in einem Dialog mit den Spielfilmen, die das Bild von der DDR geprägt haben, schreibt Bert Rebhandl. "Die totalitäre DDR droht heute hinter einem populärkulturellen Bild von einem Staat als Kleinbürgerparadies ohne Urlaubsfreiheit zu verschwinden. Marc Bauder und Dörte Franke arbeiten dagegen an, indem sie ihre Protagonisten sprechen lassen. Sie mischen sich nicht ein. Sie konstatieren nur. JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM findet in den Familienkonstellationen der Menschen, die sich für den Film zur Verfügung gestellt haben, ausreichend Material für eine Geschichte der DDR, die in ihrer lakonischen Unversöhnlichkeit heute schon wieder subversiv erscheint."

11. September 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • film-dienst 19/2006

Der Film will eine Antwort auf das Schweigen finden, das in der komplexen zeitlichen Dimension der Geschehnisse und Eindrücke begründet liegt, schreibt Franziska Heller. Er "arbeitet nicht mit Archivmaterial, sondern geht von den Erinnerungsorten und -gegenständen aus, die den Protagonisten selbst zur Verfügung stehen – Wiederbegehung von Schauplätzen von einst und vor allem persönliche Fotos –, Erinnerungsbilder, die aber nur unzureichend die Aktualität des Erlebten illustrieren können. Es gelingt dem Film, die unartikulierbaren Auswirkungen der Vergangenheit spürbar zu machen."

05. September 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • Die Tageszeitung

Fast unfreiwillig ist Jan-Hendrik Wulf zum Zeugen ausgebliebener familiärer Verständigungsprozesse geworden. "In den Einzelinterviews ist man mittendrin im psychodynamischen Geschehen. Und doch fehlt etwas. Das wird gerade spürbar in jenen Filmpassagen, die den Interviews zwischengeschaltet sind: surreal anmutenden, musikuntermalten Kamerafahrten entlang einer menschenleeren Ost-Tristesse, auf Paternosterfahrt in der Stasizentrale, im Vorüberziehen an endlosen Regalmetern vergilbender Akten."

17. Februar 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • Berliner Zeitung

Der Film wird genau dadurch wichtig, dass er die latente Sprachlosigkeit einmal benennt, schreibt Claus Löser. "Die Dokumentation will und kann die Schieflage des medialen DDR-Bilds nicht aufheben, die sich durch die jahrelange Berieselung mit Ostalgie-Shows und Pubertäts-Komödien eingestellt hat. Sie unternimmt auch nicht den Versuch einer investigativen Aufarbeitung, sondern stellt einzelne Menschen mit konkreten, höchst unterschiedlichen Erfahrungen in den Mittelpunkt - Erfahrungen, die auf ambivalente Weise bereichernd wirken, gerade weil mit ihnen Vereinsamung einhergeht. ... Gerade mittels ihrer Zurückhaltung gelingt den Filmemachern ein wirkungsvoller Brückenschlag zur Gegenwart. Der "Puppenstubenfaschismus" (Anne Gollin) der DDR verliert seine Dämonie ebenso wie seine Verharmlosung als "kommode Diktatur" (Günther Grass), und steht entblößt vor der Historie als schlichtes, menschenverachtendes System."

15. Februar 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • Der Tagesspiegel

Christina Tilmann faßt ihre Eindruck wie folgt zusammen: "Fragen nach Schuld und Sühne, nach Wiedergutmachung und Gerechtigkeit. Und danach, wie man weitergibt, was man erlebte. Vor allem, wenn die nächste Generation, die eigenen Kinder, es nicht mehr hören will. Über den Nationalsozialismus und die eigenen Verstrickungen berichten die letzten Zeitzeugen derzeit vermehrt. Wahrscheinlich muss erst eine Enkelgeneration heranwachsen, bis auch die DDR so aufgearbeitet wird."

13. Februar 2006 | JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM • Kritik • Junge Welt

Die Geschichten hätten laut Grit Lemke Stoff für einen großen Film abgegeben. "Ihn herausgearbeitet zu haben, nicht in den Stasi-Geschichten hängengeblieben zu sein, ist ein Verdienst der Regisseure. Auch, daß sie behutsam zu Werke gehen, Emotionen nicht ausschlachten, ist viel wert, aber nicht genug. Warum nur glauben sie, nicht ohne die ausgelutschten Bilder von Menschen vor ihren Akten, vom Knast, von Regalreihen in der Behörde auskommen zu können? JEDER SCHWEIGT VON ETWAS ANDEREM ist so allenfalls eine sehenswerte Fernsehdokumentation, bei der man gemütlich noch einen Korb Wäsche wegbügeln kann. Daß bei einem Film über das Schweigen ununterbrochen geredet werden muß, ist nicht nur absurd, sondern – gelinde gesagt – Zeichen einer großen Hilflosigkeit."

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