Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE

EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE

Regie Oliver Hirschbiegel
Kinostart 19.01.2006

Kritiken • EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE

14. Juli 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Für Alexandra Stäheli findet der Regisseur zuweilen etwas platte, wenn nicht klischierte Bilder. "Kann denn die grosse Liebe zwischen Goldfarb und seiner nichtjüdischen Frau wirklich nur an der Frage zerbrechen, ob der gemeinsame Sohn beschnitten werden soll? Und dass der Journalist seinen Text ausgerechnet in eine antiquierte IBM-Kugelkopfschreibmaschine tippen muss, entbehrt jeglicher Realität - es sei denn, damit verbeuge sich der Filmemacher vor dem Autor, der dieselbe anachronistische Vorliebe pflegen soll; damit aber wäre dann der "gewöhnliche" plötzlich doch zu einem ganz spezifischen Juden geworden."

23. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Die Tageszeitung

Für Hannah Pilarczyk werden in der Verfilmung die Schwächen des Textes deutlich. "Gespiegelt wird diese Phrasenhaftigkeit von einem Ben Becker, dessen enge darstellerische Bandbreite den Film noch schneller an seine Grenzen führt. Selbst bösen Sätzen wie "There's no business like Shoah business" kann Becker keine galligen Untertöne verleihen. Auch Carl-Friedrich Koschnicks gelungene Kameraführung hilft da nicht: Als Figur bleibt Emanuel Goldfarb Behauptung. Der Film verweigert ihm die psychologische Plausibilität, wie es zu dieser Nacht der Selbstanalyse kommen kann."

20. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Der Spiegel

Für Henryk M. Broder präsentiert der Film "den Juden, wie der Philosemit ihn liebt: Innerlich zerrissen, mit seinem virtuellen Judesein hadernd, in der Tiefe seines verwundeten Herzens aber gutmütig und kooperativ. Nachdem er 90 Minuten lang erklärt hat, warum er die Einladung nicht annehmen kann, sitzt er am Ende doch im Klassenzimmer - der Musterjude zum Anfassen, die didaktische Alternative zu den durchgeknallten Juden von Dani Levys exzellenter Komödie ALLES AUF ZUCKER. Nun muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden - dass der Film tatsächlich in den Schulen gezeigt wird, als Ersatz für den Sozialkundeunterricht. Denn es gibt nur eines, das schlimmer ist als engagierte Filmemacher: engagierte Lehrer."

20. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Berliner Zeitung

Mit dem Film kommt Ben Becker beim Berliner Premierenpublikum an. Andreas Kurtz berichtet.

20. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Der Freitag

Wie Stefan Kaufer meint, entwickelt sich der Monolog zu einer furiosen Beschimpfungstirade à la Thomas Bernhard. "Was macht dieser Typ aus der Prince-Werbung vor den altmodischen Bildern mit den dunklen Gesichtern mit jüdischen Merkmalen aus dem Nazi-Bilderbuch?, fragt man sich unwillkürlich. Als Franz Biberkopf hat er seine Sache ja gut gemacht, aber wieso redet er jetzt von der "Last von viertausend Jahren Geschichte auf meinen Schultern"? Aber dann passiert etwas Überraschendes: Der Muff der achtziger-Jahre-Ästhetik, dieser monologisierenden Nabelschau und der naseweisen Publikumsbeschimpfung à la Thomas Bernhard, verfliegt erstaunlich schnell aus dem Innenleben des Hamburger Neubaus. Was damit zu tun haben mag, dass Goldfarb alsbald zum Diktafon greift."

19. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Berliner Zeitung

Marin Majica spricht mit Schauspieler Ben Becker.

19. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Die Leerstellen sind viel aufregender als die Antworten, meint Sascha Westphal. "So wie Ben Becker in seiner Interpretation des Textes ständig um ein schlüssiges Porträt eines letztlich nicht zu fassenden Charakters ringt, so sucht Hirschbiegel zusammen mit seinem Kameramann Carl-F. Koschnick immer wieder von neuem nach einer endgültigen Perspektive, nach einem Bild, das den Raum und damit auch Goldfarbs Inneres transparent werden lässt. Doch die Ecken und Winkel der Wohnung lassen keinen definitiven Blick zu. Jede Einstellung bringt eine andere Perspektive mit sich. So bleibt am Ende auch die Figur ein Puzzle, dessen Teile sich nicht komplett zusammenfügen; und das ist auch gut so."

19. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Volker Mazassek hat es gemerkt: "In den gelungenen Momenten des Films kann man zuschauen und -hören, wie Gedanken sich zu Worten und Sätzen auswachsen. In den weniger gelungenen merkt man an den viel zu geschliffenen Sentenzen, dass der langen Rede ein ausgearbeiteter Text zugrunde liegt. ... Goldfarb spricht im Vortragsstil praktisch druckreif und mit allen rhetorischen Finessen. Als spontane Reflexion ist das wenig glaubhaft, auch wenn Ben Becker - für viele sicherlich eine überraschende Besetzung - mit zunehmender Dauer des Films überzeugender wirkt."

19. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Der Tagesspiegel

Laut Kerstin Decker geiseln Regisseur und Schauspieler den Philosemitismus. "Diese 90 Minuten Kino erklären vielleicht mehr von der Zwiespältigkeit heutiger jüdischer Existenz, als ganze Seminare es könnten. Und Ben Becker, äußerlich der Klischeegermane, als Jude also kongenial besetzt, trägt diese moderne Quasi-Hiobsklage. Woher also das Unbehagen? ... Es ist Goldfarbs Gestus, Menschen wie Gebhardt oder eben arglose nichtjüdische Klezmer-Enthusiasten - Goldfarb würde sie Philosemiten nennen - fast so übel zu finden wie die echten Antisemiten. In ihrer naiven Wiedergutmachungsbeflissenheit. Ist der Philosemitismus eine besonders hinterhältige Spielart des Antisemitismus? Das Prätentiöse, das Selbstgefällige solcher Erwägung stößt ab."

18. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • Jungle World

Thomas Blum konnte den Film nicht ertragen. "Es handelt sich hierbei um den alten Irrglauben deutscher Filmemacher, dass Dramatik allein dadurch entstünde, dass der Protagonist laut ist, gepeinigt und gramvoll in die Kamera guckt und sich bewegt. Die Kamera bleibt fast durchweg starr, einfallslos, zeigt in einem fort die immergleiche Physiognomie des Schauspielers, und die Reglosigkeit der Kamera überträgt sich erfolgreich auf den Zuschauer, der mit Fortdauer des Films glaubt, sich mehr und mehr in einen Zementsack zu verwandeln. In seiner Form ist das urtümlichstes, stählernes, deutsches Fernsehkammerspiel der späten siebziger Jahre. Nur schwarzweiß müsste der Film jetzt noch sein, um auf noch trostlosere Art noch unbekömmlicher zu sein."

18. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • fluter.de

Jenni Zylka hat sich von dem Film einfangen lassen. "Was beginnt wie ein künstliches, durch Beckers großspuriges Spiel noch verstärkt anstrengendes Theatererlebnis, verdichtet sich durch die sich selbst gestellten hintergründigen und zynischen Fragen und das langsame Aufblättern des Themas "mögliche Nähe zwischen deutschen Juden und Nicht-Juden" zu einem großartigen Lehrstück. ... Der ungewöhnliche Film nach einem Buch des Schweizers Charles Lewinsky ist einer der wahrsten und mutigsten Beiträge zum Status der Juden in Deutschland seit langer Zeit."

17. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • film-dienst 02/2006

Furios vorgetragen nennt Alexandra Wach den Monolog. "Die Vorlage für Ben Beckers furios vorgetragenen Monolog lieferte das gleichnamige Buch des Schweizers Charles Lewinsky, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Ohne dessen ins Mark gehende, geradlinige und zugleich komplexe Reflexionsschübe hätte das von Hirschbiegel gewählte statische Konzept eines Ein-Personen-Kammerspiels leicht ins Leere laufen können: Bis auf eine kurze Exposition und einen fast anrührend komischen Schluss inmitten einer ratlosen Schülerschar fehlt der im Kino übliche Erzählungsbogen gänzlich."

17. Januar 2006 | EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE • Kritik • br-online.de

Nach diesem Stück deutschem Kunstkino fragt Heidi Reutter, ob das Medium Film der richtige Ort für die Geschichte ist. "Ben Becker interpretiert [die Vorlage] souverän. Hirschbiegel inszeniert dabei gewohnt minimalistisch. Perspektiv- und Einstellungswechsel, die eine oder andere beiläufig erscheinende Handlung wie Kaffeekochen, Rauchen oder Weintrinken durchbricht die Monotonie der Situation. Becker bewegt sich angestrengt und ruhelos durch diese monochrome Hamburger Wohnung, die nicht Zuhause, sondern vielmehr Requisite ist. Das erzeugt eine gewisse Künstlichkeit, die dieser Inszenierung von Anfang an innewohnt - ein strukturelles Problem."

Weitere Filme, die euch interessieren könnten

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 0,35677