| Regie | John Hillcoat |
Einen australische Brutalo-Western sah Frank Noack. "Die brütende Hitze ist genauso echt wie die Fliegen auf den Gesichtern der Darsteller. Visuell und musikalisch dient der Italo-Western als Vorbild. Die zunächst leise, um Authentizität bemühte Musik dröhnt beim Showdown, als wäre sie von Rammstein. Gewalt wird sparsam eingesetzt, tut aber umso mehr weh."
Regisseur John Hillcoat und Autor Nick Cave haben mit THE PROPOSITION eine blutige Todesballade über die Kolonisation Australiens geschaffen, meint Andreas Busche. "Der klassische amerikanische Western hat stets vom Gegensatz der (männlichen) Körper und der Landschaft gelebt, und auch THE PROPOSITION zieht seine Spannung aus dieser Konstellation, in der Art, wie Hillcoat seine Figuren immer wieder als Schemen vor dem Horizont platziert. Doch THE PROPOSITION hat mit der romantischen Vorstellung, dass neue Gebiete nur darauf warten, erschlossen zu werden, längst gebrochen. Die Besiedlung des australischen Kontinents bleibt bei Hillcoat, was es war: ein Akt sinnloser Gewalt, moralische Schuld, auf der eine ganze Nation errichtet wurde."
Thomas Winkler fühlte sich von Nick Cave und seinen Spät-Western THE PROPOSITION in Aufruhr versetzt. "Es geht also 104 zermürbende Minuten lang Einwanderer gegen Eingeborene, Weiß gegen Weiß, Schwarz gegen Schwarz, Mann gegen Frau, Mann gegen Mann. Die Bärte sind zottelig, die Gesichter verschwitzt, das Blut ist dick. Es ist staubig und heiß, überall Fliegen, und der Film zeigt eindrucksvoll, wie es damals gewesen sein könnte in Australien, als es noch kein Recht und kein Gesetz gab, keine Moral und keine Zahnärzte. Kein Zweifel: Hillcoat und Cave wollen ihren Film als Beitrag zur Geschichtsschreibung des fünften Kontinents verstanden wissen."
An der Grenze zwischen Gewalt und Zivilisation, Splatter-Effekt und Sendungsbewusstsein sieht Michael Kohler diesen Spätwestern, der immerhin mit einem australisch-britischen All Star Cast auftrumpfen kann. "Zwar ist der Einfall, die an den eingeborenen Aborigines ausgetobte Mordlust auf die weißen Siedler zurückfallen zu lassen, interessant, die Inszenierung ist es jedoch nicht. Da mag John Hurt als vagabundierender Kopfgeldjäger noch so hemmungslos von Darwin raunen, als wäre die Deklamation das letzte, was uns vom Affen unterscheidet."
In dieser Geschichte Mensch zu bleiben, scheint Daniela Pogade hoffnungslos. "Sowohl das Drehbuch als auch die Musik stammen von dem gebürtigen Australier Nick Cave. Durch übersteigerten Optimismus ist Cave bislang nicht aufgefallen; mit John Hillcoat bildet er (in der zweiten Zusammenarbeit nach GHOSTS ... OF THE CIVIL DEAD) ein denkbar geeignetes Team, um aus einem Film eine große Geste der Negation zu machen. Die Landschaft ist weit, das menschliche Tun grausam (Warnung: es fliegen Schädelteile davon). Der Film mag ein Stück australischer Geschichte schildern, mehr noch aber interessiert er sich für das Herz der Finsternis."
Den arglosen Sebastian Handke hat die atemberaubende Filmeröffnung geschockt. "THE PROPOSITION aber entpuppt sich als triumphale Rückkehr zur Archaik. Nick Cave hat einen Western geschrieben, wie ihn nur jemand erfinden kann, der aus der Sonne kam, um die Nachtseite zu besingen. Und John Hillcoat ... macht daraus ein atmosphärisches Meisterstück: Der absehbare, aber unaufhaltsame Niedergang der Beteiligten lastet auf allem wie die bleischwere Hitze dieser flirrenden Hölle. Mit grobem Strich zeichnet Hillcoat wie auf brennender Leinwand ein mythisches Australien – es ist ein erdrückender Ort, der nicht dem Menschen gehört, sondern den Fliegen. Ein aufreibendes Erlebnis, trotz des elegischen Erzählens und der exquisiten Bilder."