| Regie | Neil Armfield |
| Kinostart | 21.09.2006 |
Mariam Schaghaghi spricht mit Schauspieler Heath Ledger über seine Rolle als Drogenabhängiger in CANDY und das Glück der Vaterschaft.
Dem Film fehlt laut Julia Teichmann der Mut zur tabulosen Hässlichkeit oder sogar zur Groteske. "Statt Liebesintensität und Drogenexzess unerbittlich und untrennbar in denselben Abgrund münden zu lassen, mäandert er inkonsequent vor sich hin, darum bemüht, eine schöne Liebesgeschichte zu erzählen und trotzdem zu transportieren, wie schädlich Drogen sein können. Um letzteres zu illustrieren, sieht man manchmal Blut, Nadeleinstiche in Großaufnahme und andere Schrecklichkeiten - wie Candys geschminkte Augenringe bleiben sie exemplarisch und können dem großen glatten Ganzen keinen Abbruch tun."
Jens Mühling hat es entdeckt: Der Film bedient sich aus der danteschen Motivkiste. "Unklar bleibt, warum Armfield seinem durchaus bemerkenswerten Film, der im Frühjahr schon auf der Berlinale zu sehen war, einen derart gewaltigen Überbau aufnötigt – denn natürlich verfehlt seine Metaphorik den Anschluss an das literarische Vorbild um mehr als eine Nadelbreite. Ein Höllentrip macht noch keine Jenseitsfahrt – und wäre nicht auch diesseits des Styx aus der Geschichte von Dan und Candy ein anrührendes Liebesdrama geworden?"
Hier finden sich laut Carmen Böker "Szenen, die eigentlich zum Allertraurigsten gehören, was man dem Kinozuschauer zumuten kann: als Candy im fortgeschrittenen Stadium ihrer Schwangerschaft den kalten Entzug wagt, sich tagelang schwitzend und kotzend herum quält und das Kind dennoch auf dramatische Weise verlieren wird. Und es ist das bemerkenswerte Unvermögen dieses Films, dass einen sogar der Moment, in dem Candy und Dan die winzige, wie versteinerte Totgeburt im Arm halten, kalt lässt und als Exerzitium aus dem Handbuch der Schauspieltechnik kaum zu berühren vermag."
In drei Kapiteln - Himmel, Erde, Hölle - erzählt der Film, schreibt Christian Schröder. "CANDY moralisiert nicht, er zeigt nur mit schonungslosem Realismus, was es heißt, süchtig zu sein. ... Das Aufregendste an dieser lapidaren Drogen-Passion sind die Hauptdarsteller. Heath Ledger, als schwuler Cowboy in BROKEBACK MOUNTAIN für einen Oscar nominiert, und Abbie Cornish, seit der TV-Serie 'Wildside' in Australien ein Star, spielen zwei Liebende am Abgrund. Am Ende müssen sie sich entscheiden, was ihnen wichtiger ist: ihre Liebe oder ihr Leben."
Wenig amüsant findet Andreas Borcholte den Film. "Das intensive, letztlich aber nicht überragende Ensemblestück, hat immer dann seine besten Momente, wenn es die hermetische Welt der Süchtigen verlässt und den selbstzerstörerischen Wahnsinn der Berauschten an den Ängsten und Sorgen ihrer Eltern bricht. Und natürlich sehen die schönen Jungstars Ledger und Cornish auch als kunstvoll abgewrackte Süchtige nicht elend genug aus, um wirklich zu schockieren. Dennoch gibt es ergreifende Szenen."