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OLIVER TWIST

OLIVER TWIST

Regie Roman Polanski
Kinostart 22.12.2005

Kritiken • OLIVER TWIST

02. Februar 2006 | OLIVER TWIST • Kritik • Berliner Zeitung

Kathrin Bischoff porträtiert Johannes Walenta, der seit eineinhalb Jahren ausländischen Film- und Fernsehfiguren seine Stimme gibt, unter anderem hat er Oliver Twist synchronisiert.

22. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • Die Tageszeitung

Mustergültig ist der Film für Bert Rebhandl, mit perfekter Patina und eindeutiger moralischer Mission inszeniert. "Die Rollen sind alle nach physiognomischen Kriterien besetzt - böse Männer sind besonders hässlich. Ben Kingsley spielt den zwiespältigen Mr Fagin mit weniger Infamie und mehr Empathie, als es dieser nicht selten mit antisemitischen Klischees durchsetzten Figur angestammt ist. Diese politische Korrektheit ist das Moment, durch das Polanski seinen OLIVER TWIST am ehesten mit seiner Entstehungszeit vermittelt. Denn insgesamt ist dies ein völlig zeitloser Film, der in der Tschechoslowakei in den frühen Sechzigern genauso hätte entstehen können wie im England der Dreißigerjahre."

22. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • Frankfurter Rundschau

Laut Sascha Westphal fügt sich der Film bestens in Roman Polanskis Gesamtwerk ein. "Die opulente Ausstattung und die erstaunliche Werktreue haben Polanskis Film den Ruf eingetragen, es sei ein eher unpersönliches Werk. Zumindest auf den ersten Blick scheint der Regisseur hinter dem Stoff zu verschwinden. Doch letztlich erweist sich das Geflecht zwischen Vorlage und Adaption, zwischen Dickens und Polanski als komplexer. Dem Filmemacher ist ein seltener Coup geglückt. Er hat sich Dickens' Geschichte derart zu eigen gemacht, dass die Grenzen zwischen seinen eigenen Ideen und Überzeugungen und denen des Romanciers durchlässig geworden sind. Man kann nicht mehr sagen, wo die Persönlichkeit des einen aufhört und die des anderen beginnt."

22. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • Junge Welt

Die Bilder von Ausbeutung und Antisemitismus kommentiert Peer Schmitt. "Natürlich ist der Film nicht antisemitisch, genaugenommen war auch Dickens es nicht. Es geht eher um die Monströsität dieser Bildkonventionen. Das Elend und der Rassismus gehören zusammen, im 19. Jahrhundert wie heute. Um das zu verdeutlichen, sieht man im Abspann des Films alte Stiche: Illustrationen, denen der Stil des Films weitgehend nachgebildet ist. Eine Geschichte monströser Kontraste: Auf den blonden Jungen wartet das Licht der bürgerlichen Welt, auf den Juden der Schatten des Galgens. Daß es Polanski bei der Inszenierung dieser Kontraste auch um Gerechtigkeit geht, zeigt vor allem, was das Drehbuch aus dem Roman ersatzlos gestrichen hat."

21. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • Berliner Zeitung

Laut Anke Westphal hat der Regisseur seine Verfilmung von OLIVER TWIST in mildes Licht getaucht. "Üppig, ja verschwenderisch malt er sowohl die Elendsviertel als auch die besseren Vororte Londons nach Vorlagen aus der Dickens-Ära aus. Dies soll Polanskis teuerster Film sein. Satte Sepia-Töne lassen den Unrat in den Elendsgassen eher herbstlich wirken. ... Hunger, Angst und Armut behandelt Polanski mit authentischem Verständnis, doch die Frage von Olivers Herkunft stellt der Regisseur zurück, denn die reine Seele soll bei ihm nicht Sache des Standes sein. Roman Polanski hat Dickens also im Sinne der Familienkinopolitik mit aussagekräftiger Verspätung demokratisiert - als wolle er alle Welt nicht nur seiner Altersmilde versichern, sondern auch zum großen Vergeben aufrufen."

21. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Meisterhaft nennt Susanne Ostwald die Inszenierung. "Roman Polanski hat bereits in seinen Frühwerken einen Hang zum Grotesken und zum abgründigen Humor gezeigt, und dieses Naturell hat ihn nun auf den richtigen Weg geführt zu seiner stimmigen Dickens-Verfilmung. Der typische Ton des Schriftstellers, der zwischen bissiger Satire, absurdem Humor, Pathos, Melodramatik und Sozialrealistik changiert, wurde von Polanski bestens getroffen. Insbesondere in der Besetzung der Nebenrollen, etwa jener der widerlichen, gefrässigen und gehässigen Vorsteher des Waisenhauses, hat Polanski die charakteristische groteske Überzeichnung perfekt umgesetzt."

21. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • fluter.de

Viel Herzblut ist geflossen, meint Stefanie Zobl. "Polanskis Charles-Dickens-Adaption ist insofern ein klassischer Weihnachtsfilm, da zu diesem Christ-Fest besonders der Armen und Bedürftigen der Welt gedacht wird, von denen Oliver Twist ja einer ist. Aber Polanskis Tenor ist trotz der Märchenhaftigkeit der Geschichte kein bisschen kitschig oder sentimental, wie das im Genre Weihnachtsfilm üblich ist. Er, dessen filmisches Schaffen von einem Hang fürs Morbide durchzogen ist, und seine Ausstatter/innen haben für größtmögliche Authentizität gesorgt. So ist der Film, der mit international bisher eher unbekannten Schauspielern/innen vortrefflich besetzt ist, auf sehr sinnliche Art und Weise angenehm unclean."

21. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • br-online.de

Der Regisseur hat das Geschehen unter Aussparung einiger Figuren verdichtet und gestrafft, um sich ganz auf den Lebenskampf seines Helden zu konzentrieren, schreibt Kirsten Liese. "Ihm ging es offenbar weniger darum, so etwas wie einen eigenen Subtext mitzuliefern, vielmehr verwendete er seine ganze Sorgfalt auf aufwendige, kostspielige, faszinierende Setdesigns, die er bei Allan Starski in Auftrag gab. Das mag man bedauern, das Ergebnis kann sich indes trotzdem sehen lassen. Denn immerhin gelingt es Polanski doch auf hohem Niveau, die Geschichte nachzuerzählen. Dabei kommen ihm neben der atmosphärischen Ausstattung ein dramaturgisch ausgefeiltes, mit trockenem englischen Humor gewürztes Drehbuch zugute und eine vorzügliche Besetzung."

21. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • Der Spiegel

Die Filmadaption des Romanklassikers ist für Daniel Haas mehr als ein geschmackvolles Historienstück. Der Regisseur hat ein großartiges Passionsspiel um Hoffnung, Liebe und Vergebung inszeniert. "Olivers Leidensweg vom Waisenhaus über die Mitgliedschaft in Fagins Gaunerbande bis hin zur Adoption durch den rechtschaffenen Bürger gewinnt in diesen Verhältnissen den Charakter der Passionsgeschichte: Er ist - und der Film verdichtet diesen Eindruck im Finale in bestürzender Weise - eine Erlöserfigur; seine Begleiter erfahren Segen oder Verdammnis, je nachdem, welchen Weg sie wählen. So verschränkt sich in Polanskis Twist-Auslegung das Mandat zur Selbstermächtigung mit der metaphysischen Hoffnung auf Gnade."

20. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • Der Tagesspiegel

Laut Christina Tilmann begibt sich Roman Polanski auf die Suche nach der verlorenen Kindheit. "Es steckt viel vom "Pianisten" in dem Film: die trostlosen, kalten Straßen, die verlorene Hauptfigur, ausgestoßen und verfolgt, die ganze Einsamkeit eines Kindes in einer Welt, die sich mit grausamer Konsequenz zum Schlechten wendet. Das fängt schon bei den Farben an, jenen düster-schlammigen Braun- und Grautönen, in denen der ganze Film gehalten ist, kaum je ein Licht- und Sonnenblick. ... Der Film, der Regisseur nehmen sich sehr zurück, erreichen eine stille, kalte Wucht."

20. Dezember 2005 | OLIVER TWIST • Kritik • film-dienst 26/2005

Franz Everschor vergleicht diese Verfilmung mit jener von David Lean aus dem Jahre 1948. Die "Hoffnung auf ein Überleben ist es, die Polanskis Blick auf Dickens' Story und deren Figuren geprägt hat. Deshalb bringt er kein Mitleid auf für den brutalen Bill Sikes, der Olivers schlimmster Feind ist, aber viel Nachsicht für Fagin, der den Jungen immerhin vor größerem Unheil in den Straßen von London bewahrt hat. So unterscheidet sich denn auch die Schlusssequenz, in der Oliver den zum Tod durch den Strang verurteilten Fagin im Gefängnis besucht, sowohl von Charles Dickens als auch von David Leans beschönigendem Ende. Der Junge bedankt sich bei Fagin: 'Sie waren gut zu mir.' Ungleiche Kumpane im bitteren Kampf ums Überleben."

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