| Regie | Richard Shepard |
| Kinostart | 20.04.2006 |
Laur Anke Leweke handelt es sich bei MORD UND MARGARITAS um Kino, dem man anmerkt, dass die Stars ihren Spaß hatten. "Schade, dass Regisseur Richard Shepard die widersprüchlichen Charaktere und Lebensformen nicht weiter aufeinander prallen ließ. Auch wenn Brosnan nette Auftritte als Jammerlappen hat, geht einem das Klischee des weichen Kerns in rauer Schale schnell auf den Geist. Einen Killer in der Midlife-Crisis mit Sehstörungen und Ladehemmung braucht das Kino nicht mehr. Auch nicht den Büroangestellten, der über sich und sein Reihenhaus hinauswächst und zum tough guy wird."
In seinem Leben nach Bond blüht Pierce Brosnan noch einmal prachtvoll auf, schreibt Anke Westphal. "Brandstifter trifft Biedermann - das ist die Ausgangslage in diesem Film, der die Balance zwischen makabrem Witz und Melancholie geradezu bewundernswert hält. Pierce Brosnan kann hier seine komödiantische Begabung ebenso ausleben wie seine Loyalität gegenüber seinen Figuren. ... So kommt es, dass Danny einen neuen Beruf ergreift - er wird Killer-Psycho-Coach. Vielleicht erfüllt er später auch nur noch den ersten Teil dieser Berufsbezeichnung - das lässt dieser Film offen, in dem sich Pierce Brosnan mit der fulminantesten Darstellerleistung seiner Karriere am Arbeitsmarkt rächt und den man wie jede Rache kalt genießen sollte."
"Regisseur und Drehbuchautor Richard Shepard schwebte, so beteuert er, ursprünglich ein Low-Budget-Film mit Digitalkamera vor, bis Brosnan das Skript auf den Tisch bekam und als Produzent einstieg. In der Rolle des kriselnden Killers kann er sein Edel-Macho-Image lustvoll und entspannt konterkarieren. Angestrengter wirken da allerdings die Versuche von Richard Shepard, aus seinem dekonstruierten Profikiller in der Zielgeraden auch noch einen sympathischen Menschen machen zu wollen."
Der Film lebt von der unmöglichen Kombination Brosnan/Kinnear, schreibt Andreas Busche. "MORD UND MARGARITAS ist schneller, furioser Crowdpleaser im Stile von GET SHORTY (1995) und KEINE HALBEN SACHEN (2000), den man allein wegen Brosnan gesehen haben muss. Der Film selbst mag bald vergessen sein. Brosnan aber wird einem so schnell nicht aus dem Kopf gehen. Und das ist keine Drohung."
Eine amüsante, schwarze Komödie sah Heidi Reutter. Aus einem "dialektischen Spannungsverhältnis bezieht diese schwarze Komödie ihr Input. Stellenweise funktioniert das, Richard Shepard inszeniert mit Humor und ironisch-süffisantem Blick. Aber es fehlt diesem Film dennoch an Unerwartbarem und Signifikanz. Wer das Kino verlässt, hat ihn auch fast schon wieder vergessen. Allein Brosnan in Unterhose und Cowboystiefeln, wie er über allen Dingen durch die Hotellobby spaziert - so viel Selbstironie war selten."
Überraschend gut funktioniert der Rollenwechsel von Pierce Brosnan für Jörg Gerle. Er "ist das eigentliche Ereignis in einer Farce, die zum Ende hin immer mehr an Biss verliert, und spielt den sympathischen Widerling glaubwürdig mit einer Penetranz aus Unberechenbarkeit und Aufdringlichkeit. Auch Greg Kinnear glänzt als sympathischer Loser, wie er ihn schon so unnachahmlich in BESSER GEHT'S NICHT verkörperte. Hope Davis als Dannys Frau komplettiert das illustre Darsteller-Trio, das den Film durchaus angenehm macht. Und doch: Die Zahnlosigkeit der auf unkonventionell getrimmten Krimikomödie ist frappant. Die Situationen um den Hitman Julian und seinen Schüler wider Willen erweisen sich als eigentümlich steif und muffig..."