| Regie | Phil Morrison |
| Kinostart | 01.03.2007 |
Unaufgeregt nennt Bert Rebhandl den Film. "So schrullig das Personal von JUNEBUG insgesamt wirkt, so ernst wird es doch von Phil Morrison genommen. Man muss nur die tolle Szene sehen, in der Johnnie sich mit seinen Arbeitskollegen in einem großen Warenhaus unterhält, um das Gefühl für den amerikanischen Alltag zu begreifen, das diesen Film auszeichnet - er spielt weder in einem verklärten Paradies der Kindheit noch in den Abgründen der Provinz, sondern einfach an einem Ort, an den man ohne das Kino wohl nie gekommen wäre."
Laut Dietmar Kammerer gelingt dem Regisseur eine Gratwanderung: Weder führt er die Provinz vor, noch ist er um falsche Harmonie bemüht. Er entgeht "der Falle, sich in der Konfrontation von kleinbürgerlicher Provinz und kosmopolitem Stadtleben für eine der Seiten entscheiden zu müssen, ohne sie auf ein harmonisches Einverständnis zu nivellieren. Wenn der Film so etwas wie eine Botschaft hat, dann steckt sie vermutlich in Amys überraschendem Bonmot: "Gott liebt dich genau so, wie du bist, doch er liebt dich viel zu sehr, um dich so zu lassen.""
Ungelenk und zugleich faszinierend findet Jan Schulz-Ojala den Film. "Von ein paar Tagen oder auch einer Sommerewigkeit erzählt dieser Film, die Kamera macht bedacht nur das Nötigste, Musik ist nicht oder kaum, und passieren tut sowieso nicht viel. Vieles siedelt dicht am Klischee, aber dann lassen präzise Abweichungen im Detail die Figuren fast hyperreal erscheinen, aus jederlei Alltag beunruhigend vertraut – bis in die Intimität der Einsamkeiten hinein. Raum auch für unvermutete Nähe in hinreißenden Szenen."
Einen der schönsten Independentfilme der letzten Jahre nennt Daniel Kothenschulte JUNEBUG. "Was diesen Film über ein Familiendrama hinaus interessant macht, ist wie er Fragen von Toleranz, Bildung und Ethik verhandelt. ... Der junge Regisseur Phil Morrison, der zuletzt einen Künstlerfilm mit Tony Oursler drehte, vermeidet jede Ironie. Ebenso wenig benutzt er das filmische Äquivalent vorgetäuschter Nähe im zwischenmenschlichen Umgang, die Wackelkamera des Dogmakinos. Sein Film ist in einfachem 16mm gedreht, dem Format der großen amerikanischen Dokumentar- und Experimentalfilmer."
Morrisons Film handelt von Außenseitern im weitesten Sinne, behauptet Andreas Busche. "Morrison hat seine Sympathien gerecht verteilt. Er maßt sich nie an, Madeleine, Peg, Johnny oder Ashley, die in ihrem Überschwang auch das emotionale Zentrum von JUNEBUG einnimmt (Junebug soll ihr Baby heißen), zu bewerten. Wie Leigh belässt der amerikanische Regisseur seinen Figuren die Widersprüche und Schwächen, die sie erst zu voll entwickelten Charakteren machen. ... So bleibt Junebug jederzeit offen für überraschende Entdeckungen und oft auch unverständlich – weil man es eben mit richtigen Menschen zu tun hat."
Begremdlich findet Holger Römers den Anfang des Films. Bis zuletzt lässt der Regisseur die Zuschauer "in der Schwebe lässt, welche Haltung sie gegenüber seinem exzentrischen Personal einnehmen sollen. Und diese Mehrdeutigkeit ist wohl der Grund, warum diese charmante, kleine Independentproduktion überraschend lange in Erinnerung bleibt."
"Filmästhetisch überzeugend, mit sicherem Gespür für Figurenzeichnung, emotionale Dichte wie Sinn für Situationskomik, ist JUNEBUG ein Höhepunkt des neuen amerikanischen Independentkinos. Er findet eine ganz eigene Bildsprache, die zwischen Alltäglichkeit und Unheimlichkeit, biederer Ordnung und Irritation die Ambivalenzen seiner Figuren verdeutlicht."