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TSOTSI

TSOTSI

Regie Gavin Hood
Kinostart 04.05.2006

Kritiken • TSOTSI

05. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • Der Freitag

Weltkino für die breite Masse sah Andreas Busche. "Irgendwann erstarrt die Geschichte zu reiner Allegorie: versöhnlicher Dritte-Welt-Kitsch um Schuld und Erlösung. ... Hoods Rückfall ins Märchenhafte ist umso ärgerlicher, weil es ihm gelungen ist, das vibrierende Leben in Soweto ohne ästhetische Verklärung einzufangen. Hood hat TSOTSI auf hochauflösendem Film gedreht, "um den Schmutz, die Farben und die Struktur der echten Umgebung im Detail einfangen zu können." So entgeht der Film mühelos den Fallen eines exotisierenden Elendstourismus. In den Morgenstunden, wenn sich die Pendler in die Stadt aufmachen, glüht der Himmel orangerot. Nie wirkten Slums bedrohlicher, düsterer. Doch das Allegorische steht dem Realismus der Milieustudie immer im Weg."

04. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • Berliner Zeitung

Ein Erlösungsdrama von ungeheurer Wucht sah Philipp Bühler. "Die klassische Erlösungsgeschichte ist es natürlich, die dem kleinen Epos den Applaus Hollywoods in Form des Oscars für den besten ausländischen Film eingebracht hat. Tsotsi wird seinen Anstand finden, so wie Hood in pathetischen Rückblenden die Ursachen findet für seine psychische Deformation. Diese Sprache erscheint etwas simpel, doch sie entwickelt eine ungeheure Wucht und Dringlichkeit. ... Das Leben in den Townships indes hat Hood in wunderschönen, frischen Bildern auf Super 35 mm eingefangen, in einer beeindruckenden Milieuschilderung, die zwischen herrlichen Erdfarben und dem Rost der Wellblechhütten Raum lässt für das Drama."

04. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • Die Tageszeitung

Die Grenzen in Südafrika verlaufen nicht mehr zwischen Schwarz und Weiß, sondern zwischen Arm und Reich, schreibt Lea Streisand. "Im Wide-Screen-Format werden dem Zuschauer der Schmutz und das Elend Sowetos, der größten aller Townships, vor Augen geführt. Die Gassen sind eng und so unübersichtlich, dass selbst die Bewohner sich in ihnen verlaufen, Tsotsis Baracke ist klein und düster. Von der großen Stadt Johannesburg sieht man mit Tsotsi nur die U-Bahn-Schächte - den Untergrund - und die Skyline. Funkelnd, verführerisch und unerreichbar."

04. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • Der Tagesspiegel

Schnelle Schnitte, harte Rhythmen, coole Jungs und früher Tod haben Christina Tilmann an CITY OF GOD denken lassen. "In TSOTSI flimmern die Wellblechstädte im blauen Nebel der Luftverschmutzung, darunter braune Erde, sehr malerisch, sehr unwirklich, wie eine Mondlandschaft. Längst organisiert man sich hier selbst, in den 'Shebeen', illegalen Schnapsbars, bietet man sich Jobs an – auch Killerjobs. Und ganz in der Nähe liegen die Vororte des Mittelstands, gated communities, mit Mauern, Gittern, Überwachungsanlagen. Sie wissen, wovor sie sich schützen. Der Zusammenprall dieser Welten, den der Film nach einem legendären Roman von Athol Fugard aus den fünfziger Jahren schildert, kommt heftig – und überraschend."

04. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • Frankfurter Rundschau

Steven Geyer liest den Film als Märchen. "Seine erzählerische Kraft bezieht der Film eben nicht allein aus der spektakulären Kameraarbeit und einem griffigen Problem-Sujet. Vielmehr inszeniert Regisseur Gavin Hood die Probleme seines Landes ohne in Elendsmalerei zu verfallen - von Aids über die verarmten Apartheidsopfer, an die jüngst sogar Ex-Präsident Nelson Mandela erinnerte, bis zur Ungleichheit als eine der Wurzeln der Gewalt. Die Rassenfrage scheint dagegen abgehakt zu sein: Weiße tauchen weder in der Täter- noch in der Opferrolle auf ... Der Film träumt vom endgültigen Befreiungschlag - davon, dass sich das gewaltsame Erbe des rassistischen Staates und der blutigen Übergangszeit überwinden lässt, wenn man nur an das Reine, das Unschuldige, das Neue glaubt."

04. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • Neues Deutschland

Marion Pietrzok ist erschüttert und zu Tränen gerührt aus dem Kino gegangen. "Dem Regisseur ist es gelungen, Soweto aus exotischer Ferne ganz nah an den Zuschauer – wo immer er auch leben mag – zu bringen. Man schaut Tsotsi in die Augen. Ein Gewalt-Täter wird als Opfer kenntlich. Und die Hütten und die hochgesicherten Luxusviertel der südafrikanischen Metropole stehen für die Folgen der Ungerechtigkeit, der großen Kluft zwischen Arm und Reich überall (in Südafrika inzwischen auch zwischen den Schwarzen: eine gut situierte Mittelschicht und die absolut Chancenlosen)."

03. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • Jungle World

TSOTSI will ein vom Elend zerrissenes Land porträtieren. Leider gelingt dem Regisseur der Blick unter die Oberfläche nicht, kritisiert Markus Sailer. "Zu glatt sind die Bilder, die der Regisseur da bietet. Mag sein, dass er ein ihm wichtiges Anliegen mit gefälligen Bildern und einer rührenden Story unter die Leute bringen wollte. Für einen Oscar mag das taugen, aber ein denkwürdiger Film kam dabei nicht heraus. Als "bester fremdsprachiger Film" wirkt TSOTSI vielmehr wie eine vertane Chance, einem internationalen Publikum unverstellte Blicke auf die Zerrissenheit Südafrikas zu bieten. Die vom Hollywood-Mainstream abgeschauten Motive ..., die Formelhaftigkeit des Plots und die nette Botschaft vom Guten in jedem Menschen lassen eher an ein verfilmtes Musical denken, das in letzter Minute vor einem Happy End zurückschreckt, als an eine kritische Milieustudie, die ihr Publikum mit der Realität der Townships und den extremen Spannungen in der südafrikanischen Gesellschaft konfrontiert."

03. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • fluter.de

Ein Rührstück sah Silke Kettelhake. "Eigentlich wollte Regisseur Gavin Hood den Film mit Hollywood-Schauspielern/innen besetzen, fand dann aber in Presley Chweneyagae in Südafrika vor Ort den geeigneten Spielfilmdebütanten. Der Wunsch, den Film wie eine große amerikanische Filmproduktion aussehen zu lassen, ist in jeder Einstellung sichtbar. Eine ausgeklügelte Kameraführung, die Lance Gewer liefert, durchgestylte Werbeästhetik, die vielleicht einem sozialkritischen Drama, der Textgrundlage des südafrikanischen Autors Athol Fugard, nicht ganz gerecht wird."

03. Mai 2006 | TSOTSI • Kritik • br-online.de

Authentisch und brillant inszeniert nennt Margret Köhler den Film. "elungen das überraschende Ende (ohne Blutbad), das dem Klischee widerspricht. Eine Entdeckung: Presley Chweneyagae in seiner ersten Rolle. Der Soundtrack mit Kwaito-Musik, der stampfenden und wütenden Stimme aus den Townships, verdichtet die urbane Atmosphäre aus Provokation, Kampfesmut und Lebensbejahung, ein elektrisierender Rhythmus am Puls der Zeit. TSOTSI ist nicht eine Sekunde ideologisch verbrämt, sondern ganz einfach menschlich. Pures Kino."

25. April 2006 | TSOTSI • Kritik • film-dienst 09/2006

"Sowohl die solide Machart, der über weite Strecken stimmige Soundtrack mit der für die Townships typischen Kwaito-Musik (eine Art südafrikanischer Gangster-Rap) als auch die unerschrockene Nähe zur Gegenwart des Landes nach der Apartheid, in dem die Grenzen längst nicht mehr zwischen Schwarz und Weiß, sondern zwischen Arm und Reich verlaufen", haben Alexandra Wach von der Qualität des Films überzeugt. "Auch wenn die Geschichte einer dornenreichen Selbstfindung psychologisch nachvollziehbar ist, bleibt zum Schluss der Eindruck, dass Hood seinen brisanten Stoff unter Wert verkauft und keine noch so offensichtliche Anbiederung an den Hollywood-Mainstream scheut – was die Academy letztlich auch zu goutieren wusste."

08. März 2006 | TSOTSI • Kritik • Der Spiegel

Eva Lodde stellt TSOTSI vor, der den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewann. "Regisseur Gavin Hood hat das Leben in Soweto in teils drastischen, teils unwirklich schönen Bildern eingefangen, die sich ins Gedächtnis brennen. ... Der Erfolg TSOTSIs bei den Kritikern beruht natürlich in erster Linie auf der anrührenden Geschichte, die auf dem gleichnamigen Buch des südafrikanischen Schriftstellers Athol Fugard basiert, und auf der Regieleistung Gavin Hoods. Die Schauspieler aber tragen ohne Frage den größten Teil dazu bei. Sie überzeugen durch ihre Authentizität. Kein Wunder, zuvor haben die Laiendarsteller nur auf den Bühnen von Township-Theatern gestanden. In TSOTSI sind sie so stark, weil sie ihr eigenes Leben spielen."

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