| Regie | John Singleton |
| Kinostart | 10.11.2005 |
Überaus gewalttätig ist der Film für Harald Jähner. "Singletons Kino ist eines der extremen Physis, es ist Brachialunterhaltung auf dem genretypisch hohen technischen Niveau. Seine Schauspieler (ganz vorneweg Mark Wahlberg und Tyrese Gibson) sind hyperrealistisch präsent: Nasen und Münder, die Augenwülste, die Nacken, die Haare rücken so nah, wie sie es in keiner Wirklichkeit vermögen. Wenn die Brüder sprechen, hört man nicht nur Worte - man hört, jedenfalls in der Originalfassung, Gaumen, Zungen und Lippen ihre komplexe körperliche Arbeit tun. Eine Menschenmasse wird zu einem Gebilde, das man schocken, einschüchtern, überraschen, zusammenpressen und niederdrücken kann, so, als handle es sich um ein einziges Wesen."
Sascha Westphal vergleicht den Film mit DIE VIER SÖHNE DER KATIE ELDER. "Je näher die vier Mercer-Brüder der Wahrheit kommen, desto deutlicher zeichnet sich ab, dass sie nicht nur gegen einen sadistischen Gangsterboss kämpfen, dessen größtes Vergnügen es ist, seine Handlanger zu demütigen. Sie treten vielmehr gegen ein gesellschaftliches System an, das allein auf Gewalt basiert. Während die Söhne der Katie Elder am Ende auf einen neuen Anfang hoffen konnten, bleibt Singletons Helden nur ein Trost: Sie haben ihre Mutter gerächt, doch die Welt ist noch die gleiche, die auch sie und Evelyns Mörder hervorgebracht hat. Gewalt gebiert Gewalt, ein Entkommen gibt es nicht, und jeder Angriff auf das System stärkt es letztendlich noch."
Gewalt und Männerbünde liefert der Regisseur für Bendrik Muhs. "Auch wenn Singleton die sozialen Verstrickungen, die die interessante Konstellation der Brüder bietet, häufig ignoriert, gelingt ihm stellenweise doch großes emotionales Kino, das in dieser Unbedingtheit selten geworden ist. Mark Wahlberg als völlig unberechenbarer Bobby Mercer spielt die Rolle seines Lebens in diesem Drama um eine sehr antiquierte Form der Ehre, deren schmutzige Kehrseite die Selbstjustiz ist. Singleton begeht aber nicht den Fehler, seine Figuren zu klaren Helden zu machen. Auch die Mercer-Brüder bleiben zu jeder Zeit gefährliche Teile der Gewaltspirale, die sie in Gang bringen. Zur Identifikation taugen sie nicht."
Laut Margret Köhler geht es dem Regisseur "weniger um die Aufklärung des ziemlich wirren Falles oder die tieferen Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Söhnen und schon mal gar nicht um eine kritische Betrachtung sozialer Verhältnisse, sondern vor allem um Action, Randale und Krawall. ... Bevor ein brutaler Showdown das überraschende Ende einläutet, gibt es zwischendurch auch mal humorige Momente, neue Familengefühle oder tiefe Trauer, wenn einer der Brüder im Kugelhagel stirbt. Logik hat hier sicherlich nicht Pate gestanden. Wer unbedingt positiv denken will, könnte in diese krude Story einen urbanen Western hineininterpretieren, für alle anderen ist VIER BRÜDER wohl nur eine ziemlich unreflektierte und überflüssige Ballerei."
Sebastian Moll nimmt den Film zum Anlaß, um über das schwarze Kino in Hollywood zu reflektieren.
Wenig subtil findet Holger Römers die Regie. "Singeltons Sache ist im Allgemeinen nicht die Nuance, sondern der breite Strich. Das gilt für sentimentale Anflüge, in denen sich die Adoptivkinder schmerzerfüllt noch einmal die Ziehmutter vergegenwärtigen, wie für Szenen, die den bizarren Sadismus des Gangsterbosses illustrieren. Die dominanten Actionpassagen wiederum sind routiniert und deftig wie bei Selbstjustizfilmen aus den 1970-ern inszeniert. Dem entspricht der solide gebaute Plot ... [In einigen Momenten verlieren die Hauptfiguren] alle moralischen Maßstäbe aus den Augen, die das Actionkino zumindest implizit anerkennt. Ganz kurz ist plötzlich vorstellbar, dass dieser Film sich in ein Tragödie verwandeln könnte. Doch statt dessen wird einfach weiter gedroht, geschlagen und geballert."
Infos, Links und Kommentare bei filmz.de.