Für Georg Seeßlen ist dies die Fehlgeburt eines Mediums. "Kann man so großzügig über den Rassismus und die abstruse Mythologie des Films hinwegsehen, nur weil man eben diesem Film so vieles von der Sprache verdankt? Griffith also selber wiederum "historisieren" (gefährlich werden kann uns das ja wohl nicht mehr, was von der DVD auf den Bildschirm gelangt), solange man umgekehrt das Kino selber enthistorisiert. Das amerikanische Kino, wo es sich knapp außerhalb des universalen Popcorn-Universums bewegt, hat sich seitdem immer wieder als eine Geschichtsschreibung, als "work in progress" verstanden, immer als Fortsetzung und Revision von DIE GEBURT EINER NATION. Aber es hat sich nur höchst selten (in einzelnen Filmen oder Film-Teilen von Ford und Peckinpah, Clint Eastwood oder John Sayles zum Beispiel) der Griffithschen Vergiftung gestellt."
Für Anke Westphal ist DIE GEBURT EINER NATION einer der umstrittensten Filmen der Geschichte. "Man wird fragen, warum ein solcher Film nun wiederveröffentlicht wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe, wenigstens einer davon ist unabweisbar: Mit "Geburt einer Nation" etablierte Griffith die Filmsprache ästhetisch - durch Parallelmontagen, Rückblenden, Ausblenden, Nachtaufnahmen, Kamerafahrten, Panoramaschwenks und meisterhaft choreografierte Massenszenen. Das hatte es so noch nicht gegeben. Das Konzept wird beschrieben als "writing history with lightning"."
Für Ekkehard Knörer ist DIE GEBURT EINER NATION ein infames, rassistisches und doch filmhistorisch bedeutendes Werk. "Zwar hat Griffith, anders als von der Filmgeschichtsschreibung lange behauptet, keines der vielen von ihm eingesetzten filmischen Mittel im strengen Sinne erfunden, wie er jedoch Großaufnahmen und durch Parallelmontagen erzeugten Suspense, die Konzentrationskraft der Irisblenden und die Tableaus der Schlacht, Trickaufnahmen und (meist) subtiles Schauspiel, Episches und Intimes zueinander ins Verhältnis setzt, das zeugt von der einzigartigen Meisterschaft, die er als Regisseur hunderter kürzerer Filme im Verlauf eines knappen Jahrzehnts erworben hat."
"Ein Filmwerk von hohem ästhetischen und politischen Rang. Der Stummfilm, in dem sich David Wark Griffith andererseits als naiver Moralist ausweist und dem "weißen Süden" der USA seine uneingeschränkte Sympathie zollt, gilt als der erste große Propagandafilm der Kinematografie."