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WINTERKINDER

WINTERKINDER

Regie Jens Schanze
Kinostart 08.12.2005

Kritiken • WINTERKINDER

11. Dezember 2005 | WINTERKINDER • Kritik • Der Tagesspiegel

Kurz und kritisch sagt Silvia Hallensleben: Bei den Protagonisten des Films "ist die Frage nach der historischen Verantwortung bizarr von innerfamiliären Verständnisbeteuerungen überwuchert, an denen der Regisseur mit seinen gefühligen Fragen fleißig mitspinnt. So wirkt WINTERKINDER bald als familientherapeutisches Versöhnungsunternehmen, das sich bloß als Vergangenheitsbewältigung tarnt."

08. Dezember 2005 | WINTERKINDER • Kritik • Die Tageszeitung

Laut Matthias Reichelt gelingt es dem Film,die Angst davor, den Vater an die Partei der Täter preisgeben zu müssen, in Bilder umzusetzen. "Ansonsten liegen die Unschuldsvermutung, die Sprachlosigkeit spürbar über dem zu langen Film. Immer wieder versucht die Mutter sich instinktmäßig schützend vor das Bild des Vaters zu stellen. Ihr Gesicht verrät ihre innere Anspannung, den Kampf um den Vater, ohne ein Ventil in der Sprache zu finden. Durch die zeitliche Nähe der Entstehung drängt sich trotz anderer Ausgangssituation ein Vergleich mit dem Film von Malte Ludin auf. Viel intensiver wurde dort gestritten, verteidigt und angeklagt. Was dort deutlich als Zorn und Ablehnung spürbar wird, ist hier nur Schweigen."

08. Dezember 2005 | WINTERKINDER • Kritik • Frankfurter Rundschau

Die Reise gleicht für Sascha Westphal eher einer Flucht vor der Wirklichkeit als einem Trip in die Vergangenheit. "WINTERKINDER wurde vorgeworfen, dass Jens Schanze in seinen Gesprächen mit den Eltern zu wenig nachhake, dass er nur die Geschichte einer Verdrängung dokumentiere und damit im Privaten verharre. Tatsächlich verzichtet Schanze konsequent auf jede Verallgemeinerung. Er erzählt die Geschichte seines Großvaters und seiner Mutter, und die ist vielleicht in vielerlei Hinsicht typisch, trotzdem bleibt sie einzigartig. Sein Film ist eine intime Innenansicht einer Familie und damit erst einmal eher ein privates als ein politisches Dokument. Gerade daraus erwächst aber seine gesellschaftliche Dimension."

08. Dezember 2005 | WINTERKINDER • Kritik • Neues Deutschland

Gunnar Decker hat eigentlich viele Fragen vermißt. "Die Frage ist eben immer, ob man bestimmte Fragen zulässt, oder sie sich reflexartig verbieten. Das ist undankbar, unfair, verdirbt die Harmonie? Darüber leichtfertig hinwegzugehen, hätte auch schon wieder etwas Ideologisches. Denn jedes leichtfertige Verletzen menschlicher Gefühle im Dienste einer wie auch immer gearteten Wahrheit, bekommt einen Zug ins Totalitäre. Das Schöne an diesem intimen, sehr privaten und dann doch wieder gar nicht privaten Film ist, dass er sich jederzeit bewusst hält, dass es keinen empfindlicheren Schauplatz von Geschichte gibt als den der eigenen Familie."

07. Dezember 2005 | WINTERKINDER • Kritik • Berliner Zeitung

Knut Elstermann ist etwas erbost, wie der Film historisches Wissen ignoriert. "Das Unerledigte liegt in diesem filmischen Familienroman wie eine dicke Eisschicht über den Menschen. Die Mutter hüllte sich über die Vergangenheit in Schweigen. Sehr still und sehr kalt sei die Kindheit gewesen, bedauert eine ihrer Töchter und stützt das Gesicht auf die Hände. Wie so oft in diesem Film mit seinen langen, ruhigen Einstellungen (Kamera: Börres Weiffenbach) ist auch hier das Unausgesprochene beredter als das Gesagte. ... So bleibt auch das Bild des Täters in WINTERKINDER nebulös: Seine belegbaren Untaten scheinen hier nur wie von Ferne auf."

07. Dezember 2005 | WINTERKINDER • Kritik • fluter.de

Langsam tastet sich der Regisseur an die Vergangenheit heran, schreibt Ula Brunner. "In ruhigen, langen Einstellungen nimmt die Familie Stellung. Und durch das Reden und das Erinnern, scheint es, brechen die festgefahrenen Beziehungsstrukturen auf. Einfühlsam und distanziert bringen die Dreharbeiten eine Diskussion zwischen den Generationen in Gang. Manchmal wirkt diese psychologische Nabelschau schleppend, aber weil man sich allzu leicht vorstellen kann, dass in der eigenen Familie ähnlich weggeguckt und geschönt wurde, berührt sie auch."

06. Dezember 2005 | WINTERKINDER • Kritik • br-online.de

Die Frage, ob sein Opa ein Nazi war, treibt laut Thilo Wydra den Regisseur um. "WINTERKINDER versucht exemplarisch, die Kruste der Verdrängung vor einem privaten Hintergrund aufzubrechen. Das gelingt partiell, kann über eine Laufzeit von 99 Minuten jedoch nicht gehalten werden. So angebracht unprätentiös und schnörkellos der Film ob seines Sujets daherkommt, auch in seiner Form (Kamera: Börres Weiffenbach), so konventionell mutet er dabei zugleich an und hält den Spannungsbogen nicht durchgehend. Etwas kürzer, etwas konzentrierter und somit eindringlicher - es wäre (noch) mehr herausgekommen bei dieser familiären Spuren- und Identitätssuche."

04. November 2005 | WINTERKINDER • Kritik • Frankfurter Rundschau

Für Heike Kühn ist die Dokumentation ein unhaltbarer Entschuldungsversuch. "Die abstrusen Rechtfertigungen seiner Familie konterkariert der Regisseur mit der Ablichtung entlarvender Dokumente. Das ist aber auch schon alles. Im Gegensatz zu Malte Ludin, der einen ähnlichen, doch weitaus konfrontativeren und ehrlicheren Film über die nationalsozialistischen Verstrickungen seiner Familie gemacht hat, bleibt der Regisseur ein braver Sohn und stellt nie schmerzhafte Fragen. Die deutsche Verdrängung, das deutsche Trauma bleibt die größte Verletzung. Eine Zumutung, dass der liebe Opa ein Nazi gewesen sein soll!"

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