| Regie | Tomy Wigand |
| Kinostart | 03.11.2005 |
Ein ansehnliches Ensemble hat der Regisseur für seine schräge Mischpoke zusammengestellt, meint Julian Hanich. "Zudem schwelgt Wigand in Cinemascope-Bildern, was in deutschen Filmen selten ist. Zeitlupen, beschleunigte Bilder, Weitwinkel-Einstellungen, schnelle Zooms und Jump Cuts - schnell kann der Eindruck entstehen, POLLY BLUE EYES sei eine schnittige Promenadenmischung aus LOLA RENNT und SNATCH. Doch dafür reicht der Atem nicht. Wigand unterbricht den Handlungsfluss gerne mit videoclipartigen Musikpassagen und tut sich dann schwer, den Film wieder in Gang zu bringen. Und es hat POLLY BLUE EYES wohl auch nicht gut getan, dass am Drehbuch ganze vier Autoren beteiligt waren. Letztlich wird zu viel gezeigt und zu wenig erzählt."
Ula Brunner ist nicht so unentschieden wie der Film selbst. "Schnittig inszeniert Regisseur Tomy Wigand den hindernisreichen Neustart einer jungen Frau. Eigentlich ein spannendes Thema. Leider jedoch driftet die Handlung, die unentschieden zwischen Resozialisierungsdrama, Gaunerkomödie und irrwitziger Milieustudie hin- und her schwankt, zu stark ins Nebensächliche ab. Der Film kann letztlich durch schrille Bilder, absurde Momente und die erfrischende Besetzung der kleinkriminellen Großfamilie punkten."
Michael Kohler glaubte manchmal, einen Debütfilm zu sehen, doch dann stellte er fest, daß der Regisseur ein alter Hase ist. "Das kann durchaus ein Kompliment sein, in diesem Fall ist es jedoch ein Desaster. Nichts passt in Tomy Wigands neuem Film POLLY BLUE EYES zusammen, für dessen Drehbuch gleich vier Autoren den Inhalt ihrer Ideenkästlein zusammengeworfen haben. Über einen Mangel an Einfällen kann man sich auch nicht beklagen, doch wäre man dankbar gewesen, wenn darunter auch einige gute gewesen wären. ... POLLY BLUE EYES soll cool und wild-romantisch sein und wirkt dank schlapper Dialoge und diverser Hampeleien allenfalls peinlich. Besonders erschreckend ist der Mangel an Schauspielerführung, der das Ensemble dem Chargieren oder wie bei Matthias Schweighöfers Ronny gar dem gespreizten Exhibitionismus überlässt."