Film-Zeit auf  Film-Zeit bei Facebook   Film-Zeit auf Twitter

GEH UND LEBE

GEH UND LEBE

Regie Radu Mihaileanu
Kinostart 06.04.2006

Kritiken • GEH UND LEBE

07. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • Der Spiegel

Radu Mihaileanus Film erzählt ungewohnt differenziert vom Überleben zwischen den Religionen, meint Christian Buß. "Als humanistischer Appell wäre GEH UND LEBE eine recht fragwürdige Angelegenheit. Doch Mihaileanu nutzt seinen Stoff für weit mehr: Aus dem streichersatt und bildgewaltig in Szene gesetzten Flüchtlingsepos tritt mehr und mehr eine vielschichtige Identitätsstudie hervor. Der Held muss das Mutterland hinter sich zurücklassen, ohne je vollständig im Gelobten Land anzukommen. Für Milhaileanu ist dieser kulturelle Grenzgänger "das Kind des Jahrhunderts": "Es schließt einen Kompromiss mit dem Irrsinn der Geschichte." Diesen Irrsinn schlüssig in einer einzigen Figur aufzulösen, ist zweifellos die große Leistung des Regisseurs."

06. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • Berliner Zeitung

Stark setzt der Regisseur den Zuschauer unter Druck, meint Jan Brachmann. "Fast alle politischen Verwerfungen Israels werden in Schlomos Privatleben gestopft: Es genügt nicht, die ethnisch-religiöse Ausgrenzung an der Umwelt sichtbar zu machen - nein, Schlomo muss sich auch noch in Sarah, die Tochter des feisten, dreisten Rassisten verlieben. Es genügt nicht, den Einschlag arabischer Marschflugkörper in Israel zu zeigen - nein, mitten in Schlomos Adoptivfamilie muss der Streit zwischen der pazifistischen Mutter und dem bellizistischen Vater ausbrechen. So wird dem Jungen, allzeit lieb und geduldig, wirklich die ganze Last der Welt aufgebürdet wie einem Gotteslamm. Die Bilder von den Hungerlagern im Sudan sind unterlegt mit schmalz-schwangeren Streicherklangwolken und einer barmenden Frauenstimme. ... Durch diesen Effekt wird, was sich da gerade an Großem ereignet hat, in doppeltem Sinne klein gemacht."

06. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • Die Tageszeitung

Birgit Glombitza fragt, ob so das Kind des Jahrhunderts aussieht. "In GEH UND LEBE entscheidet er sich von Anfang an für die Mutterliebe als alles überstrahlende Kraft und verfolgt diese Ur-Macht mit einem zunehmenden bildlichen Mystizismus. Schlomos allabendlicher Blick zum Mond ersetzt die Nabelschnur. Immer wieder gibt es die Frauen, die dem Flüchtlingskind ihre Mutterschaft anbieten. Sie tauchen an den neuralgischen Punkten seines Schicksal auf, weisen den Weg zum Überleben. Bei so viel schon naturbedingter Sorge und Innigkeit braucht es keine roten Schuhe mehr, um dem Übel zu entkommen."

06. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • Frankfurter Rundschau

Katja Lüthge hat dem Film angesehen, daß er mit Liebe gemacht ist. "Unvermeidlich wohl, ist dem Film daraufhin von offenbar unrührbaren Gemütern der Vorwurf der Gefühlseligkeit gemacht worden. Zu Unrecht. Der Autor und Regisseur Radu Mihaileanu mag bisweilen ein Idealist sein, seine eigene Fluchterfahrung und seine genauen Beobachtungen bewahren GEH UND LEBE aber vor jeder Form des Kitsches. Dem in Rumänien geborenen und über Israel nach Frankreich gewanderten Mihaileanu gelingt es gemeinsam mit seinen großartigen jungen Hauptdarstellern auf eindrucksvolle Weise, die Erfahrung von maximaler Fremdheit und Einsamkeit abzubilden."

06. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • Der Tagesspiegel

Christina Tilmann spricht mit dem Regisseur Radu Mihaileanu.

06. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • Der Tagesspiegel

Insgesamt mühselig ist der Film für Jan Schulz-Ojala geraten. "Nicht nur, weil Mihaileanu erst trödelt und dann die Stationen des Erwachsenwerdens im Zeitraffer abhandeln muss; zwischen pathetischem Anfang und Ende sind leider auch viele Alltagsszenen von der Anstrengung gezeichnet, ihrem jeweiligen Gegenstand ein Äußerstes am Emotion abzutrotzen. Hinzu kommt, mitten im modernen Israel, ein Familienrollenverständnis, das archaisch gemeint sein mag und doch eher antiquarisch daherkommt. Dem internationalen Erfolg des Films – viele Publikumspreise auf Festivals belegen es – hat es keinerlei Abbruch getan."

06. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • Neues Deutschland

Der Film liefert laut Angelika Kettelhack "auf sehr poetische Weise am Beispiel einer privaten Geschichte eine Parabel auf die großen Probleme in dieser Welt, die weit über das Schicksal einer einzelnen Familie hinausweisen. Es geht um Hungersnot, um Flüchtlingsprobleme, um das Hin-und-Hergerissen-Sein zwischen zwei Kulturen und damit auch zwischen zwei Religionen."

05. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • fluter.de

Philipp Bühler ist nicht angetan: "Mihaileanu strukturiert seine Geschichte als eine Art Coming-of-Age-Epos mit drei verschiedenen Schauspieler-Schlomos. Die enorme Länge sorgt dafür, dass seinem sensiblen und gelegentlich sogar humorvollen Film bisweilen die Luft ausgeht. Der kitschige Soundtrack hilft in solchen Momenten nicht weiter. Doch zumeist gelingt es dem Regisseur, jenseits von Identitätenduselei von einem existenziellen Fremdsein zu erzählen, das sich in der neuen Heimat nicht einfach ablegen lässt."

05. April 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • br-online.de

Für Thilo Wydra ist GEH UND LEBE "ein politischer Film, ein historischer Film, und einer über eine individuelle kathartische Bewusstseinswerdung. Ein breit angelegtes, vielleicht etwas zu lang geratenes Epos von 144 Minuten Laufzeit. Radu Mihaileanu, das ist mehr als augenfällig, geht es um Identitäten in seinen Filmen, die eben nicht durch religiöse, politische, geographische oder sonstige Vorgaben definiert werden. Kulturelle Diversität. Er, der selbst Exilant ist, in der Fremde in Paris lebt, französisch spricht, er dürfte wissen, wovon er erzählt. Fremdheit, Heimatlosigkeit, Anderssein, Andersdenken - und doch eben einfach nur Menschsein."

30. März 2006 | GEH UND LEBE • Kritik • film-dienst 07/2006

Dass es dem Regisseur nicht nur um die Frage nach der jüdischen Identität geht, sondern um ein existenzielles Gefühl von Heimatlosigkeit, wird Sarah-Mai Dang schnell deutlich. Er "verhandelt auf verschiedenen Ebenen die Frage der Identität, stellt sie als nahezu unlösbar aus. Wobei er sich weniger bekannter Argumente bedient, sondern das komplexe Thema durch Gefühlsbeschreibungen zu veranschaulichen versucht, was man gelegentlich als zu pathetisch kritisieren könnte (etwa die sehnsuchtsvoll-schwermütige Musik) – doch gerade dadurch vermitteln sich der Schmerz des Protagonisten, seine Sehnsucht nach Geborgenheit und sein Leiden an deren möglicher Unerfüllbarkeit."

04. November 2005 | GEH UND LEBE • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Alexandra Stäheli spricht mit dem französischen Regisseur Radu Mihaileanu.

04. November 2005 | GEH UND LEBE • Kritik • Neue Züricher Zeitung

Für Alexandra Stäheli bringt der Regisseur ein Stück israelischer Geschichte auf die Leinwand, welches eher unvertraut sein dürfte. "Dabei gerinnt der in berührender Weise aus der Sicht des Kindes erzählte Film wie en passant auch zur Allegorie auf die (nicht nur jüdische) Suche nach einer Heimat, die Existenzweise der (inneren) Diaspora - und zur sich ewig aufschiebenden Frage, was denn wahre Identität eigentlich sei. ... Dass es Mihaileanu dabei gelingt, seine äusserst komplex gewebte Geschichte weder ins Sentimentale noch ins Programmatische abgleiten zu lassen, macht diesen Film zu einem kleinen Meisterwerk."

25. Oktober 2005 | GEH UND LEBE • Kritik • Die Tageszeitung

Marcus Termeer faßt seinen Eindruck wie folgt zusammen: "Der Film erzählt von Schlomos Angst vor Entdeckung, von Rassismus und Ignoranz der israelischen Gesellschaft. Eine wichtige, kaum bekannte Geschichte. Nur wird der Stoff erstickt in Hollywood-kompatiblem Leinwandpathos und kitschigem Soundtrack."

Weitere Filme, die euch interessieren könnten

Aktueller Stand der Datenbank:
18738 Filme,
72604 Personen,
6594 Trailer,
873 Biographien,
54 Themen & Listen
all: 0,30385