| Regie | James Mangold |
| Kinostart | 02.02.2006 |
Gefühlsstark ist der Film für Barbara Schweizerhof. "Die Dualität der Western-Männlichkeit von harter Schale und weichem Kern, die Cash sozusagen emblematisch vertrat, dreht Joaquin Phoenix in seiner Darstellung nicht einfach um, indem er Cash eine Innerlichkeit andichtet, nein, ihm gelingt etwas viel Raffinierteres und Anrührendes. Er macht die harte Schale gleichsam durchsichtig, so dass man dahinter die Verletzlichkeit und Unsicherheit agieren sieht. Das verleiht den überlieferten Anekdoten oft den Anstrich von Peinlichkeit und von, ja nun, wahrem Leben: wie er den ersten Plattenvertrag mehr herbeizwingt als für sich erobert, wie "peinlich", weil ungeschützt ehrlich und dementsprechend ungelenk, seine ersten Songs daherkommen ... "
Olaf Schneekloth ist begeistert. "Er und Reese Witherspoon sollten selbst singen! Was im ersten Moment wie ein Sakrileg erscheint - schließlich ist vor allem Cashs Grabes-Bass einzigartig und unverwechselbar - entpuppt sich im Nachhinein als kühne und wunderbare Idee. Statt einfach zu imitieren, interpretieren Phoenix und Witherspoon Cashs Songs und verleihen ihnen ihre eigene Note. Das ist rauher, intimer und unmittelbarer als wenn zum Playback penibel einstudierte Gesten abgespult würden. Die Live-Auftritte gehören folglich zu den Highlights des Films."
Christian Aust spricht mit Joaquin Phoenix über Johnny Cash, Geld und große Liebe.
Mehr als konventionelle Musikerbiographie sah Daniel Kothenschulte. "Joaquin Phoenix füllt gerade die Rolle des jungen Cash überzeugend mit natürlicher Autorität, und obwohl er nicht besonders singen kann, gelingt ihm doch eine denkwürdige Performance in einer der schönsten Szenen des Films ... Obwohl wir Mangold gerne glauben wollen, etwas anderes als eine konventionelle Musikerbiographie im Sinn gehabt zu haben, ist ihm damit gleich einer der schönsten Momete des ganzen Genres gelungen. Denn natürlich erfüllt sein Film auch die Erwartungen an dieses Genre - auch wenn dieser Spagat ist wie Cashs ganze Karriere: ein schmaler Grat."
Dies ist eine Lebensgeschichte, die auf die Leinwand drängt, meint Martin Hatzius. "Wie Johnny Cash seinen Heiratsantrag schließlich vor vollem Saal auf der Bühne vorträgt, ist purer, tränentreibender Kitsch. Truely american. Sehenswert ist dieser Film dennoch - nicht nur für Cash-Fans. Es ist ein furios inszenierter Reigen toller Bilder, großartiger Musik und erstklassiger Schauspielerleistungen: Joaquin Phoenix spielt Johnny Cash - den smarten Soldaten, den erfolglosen Handelsvertreter, den nervösen Branchenneuling, den charmanten Bühnentypen, den jähzornigen Säufer, den geläuterten Christen - in jeder Szene mit großer Wahrhaftigkeit. Auch Reese Witherspoon geht überzeugend in ihrer ganz und gar nicht eindimensionalen Rolle als bezaubernder Schutzengel auf."
Der Film ehrt laut Jürg Zbinden in erlesenen Bildern Johnny Cash. "Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon agieren herausragend. Beide wurden mit einem Golden Globe bedacht und sind dieser Tage für einen Oscar nominiert worden. Dass sich das Duo die Gesangsparts selber zumutete, hat bestimmt zusätzlichen Eindruck auf die Academy gemacht. Allerdings waren Cash und seine spätere Gattin June keine besonders versierten Sänger, vielmehr lebten sie von Charisma und Wahrhaftigkeit. Das mindert nicht die Leistung ihrer Darsteller, aber irgendwie wirken die Figuren im Film hölzern wie der Gang des legendären MAN IN BLACK. WALK THE LINE präsentiert einen edel patinierten Bilderbogen, und man wäre kaum verwundert, hinge beim Verlassen des Kinosaals ein viriler Duft aus dem Hause Ralph Lauren im Foyer. Darob sich jede Ahnung von Sucht und Armut verflüchtigt."
Besonders lobt Konrad Heidkamp die Darsteller. "Auch die Schauspieler enstammen einem großen Country-Märchen. Wie Joaquin Phoenix Cash-like die rechte Schulter fast in Augenhöhe hebt und die Gitarre wie ein Spielzeug hält, wie der Mundwinkel parallel zur Gitarre schief nach unten weist und die Augen in jenem milden Wahnsinn leuchten, der schwarze Sonnenbrillen dringend empfehlenswert macht. Wie Reese Witherspoon die wahre June Carter blass aussehen ließe, wie sie von der fipsigen Country-Bühnenstimme der Ulknudel der Carter-Family ins Sonor-Private wechselt, wie sie vom Lachen in die Trauer kippt, wie sich die Augen schon zu verdunkeln beginnen, während die weißen All-American-Zähne noch strahlen."
Für Andreas Busche vermittelt sich die Faszination von Johnny Cash nicht. "Woran WALK THE LINE letztlich scheitert, ist die Vermittlung von Mythos und Künstlerleben. Mangold kann nicht erklären, worin die anhaltende Faszination an Johnny Cash eigentlich besteht. Phoenix' Cash ist im Grunde nichts weiter als ein großes Baby mit Vater-Komplex und unverarbeiteten Schuldgefühlen wegen des frühen Todes seines Bruders. Zwar suggeriert der Film einen vagen Zusammenhang zwischen Cashs familiären Verhältnissen und seiner wachsenden Spiritualität sowie seinem Faible für Tod und Verdammnis. Doch das spezifisch Interessante an ihm - die inneren Widersprüche von Wertekonservatismus und Dissidenz sowie die konkreten Zusammenhänge von Elternhaus, gesellschaftlichem Umfeld und Musiksozialisation - geht irgendwo in der filmischen Übersetzung verloren."
Christian Schröder hat sich von der Gratwanderung mit Gitarre überzeugen lassen. "WALK THE LINE ist ein prachtvoller Erweckungsfilm, er erzählt die Legende vom Überleben dieses heiligen Trinkers, Junkies und Pillenfressers mit religiösem Pathos. ... Zum Ereignis wird der angenehm altmodisch inszenierte Film durch seine Hauptdarsteller. Joaquin Phoenix hat nicht nur alle Eigenarten von Johnny Cashs Bühnengebaren bis hin zu dessen verkeilter Gitarrenhaltung drauf, er singt dessen Songs auch durchaus respektabel. Sein Method Acting wirkt allerdings so perfekt, dass es in die Imitation zu kippen droht. Reese Witherspoon agiert freier. Sie ist eine furiose Entertainerin, ihr Gesang mit eingebautem Texas Drawl klingt hinreißend. Ein Paar, dem man das Unwahrscheinlichste abnimmt: die Liebe fürs Leben."
Holger Römers deckt einige Erzählkonventionen von Biopics auf. "Dass der Film vor allem Musikfans trotzdem Vergnügen bereitet, verdankt sich vor allem den beiden Hauptdarstellern. Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon weisen keine auffallende optische Ähnlichkeit mit Cash und seiner Ehefrau und Duett-Partnerin June Carter auf, aber sie verströmen, vor allem in den Konzert-Szenen, wunderbar unangestrengt das Charisma zweier Musiklegenden, zumal sie die Songs ihrer Rollen-Vorbilder selbst singen. Auch die Szenen mit anderen Berühmtheiten, die zu Cashs erster Plattenfirma Sun Records gehörten, besitzen verblüffende Nonchalance."
Die Songs sind Margret Köhler durch Mark und Bein gegangen. "Es geht Mangold nicht nur um die Karriere, sondern um eine Lebensgeschichte voller Brüche, eine ungeschliffene Musik, die den glatten Nachkriegssound vergessen ließ, Menschen mitriss und unter die Haut ging - wie auch die Live-Auftritte von Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon auf der Leinwand. Die Songs sind Spiegelbild einer zerrissenen Seele, eines verletzlichen Mannes, der zehntausend Leute begeisterte und dabei schrecklich allein war, nach mehreren Anläufen seiner geliebten June einen Heiratsantrag auf der Bühne machte und immer wieder die Dämonen in sich bekämpfte. Er wollte alles oder nichts. Mit diesem eigenwilligen Künstlerporträt des "King of Country-Music" trifft Mangold mitten ins Herz."
Annabel Wahba porträtiert den Schauspieler Joaquin Phoenix.
Für Rüdiger Schaper weht durch WALK THE LINE der Geist von Johnny Cash.
Hollywood-Schauspieler Joaquin Phoenix plauderte mit seinen deutschen Fans. Andreas Kurtz war dabei.
Marc Neller glaubt, daß der Schauspieler Joaquin Phoenix für seine darstellerische Leistung in dem Film belohnt werden wird.